Liberate your Mind

Denkblockade. Geistige Leere.
Die Tür zur Kreativität – verschlossen. Der Schlüssel steckt, aber du kannst ihn nicht drehen.
Ein kleiner grüner Kobold hüpft auf und ab und bewegt seinen Kopf dabei nach links und rechts. Er streckt die Zunge raus, denn nur er kann den Schlüssel drehen.
Sieh nicht hin, sagt er, und ich dreh den Schlüssel um, fährt er fort.

Tiefes einatmen – gleich tauchst du ab und wenn du wieder auftauchst, ist die Tür geöffnet.
Nichts da, du hast geblinzelt. Der kleine Kobold grinst widerlich und dreht den Schlüssel wieder zurück.

Stunde um Stunde. Tag um Tag.
Egal was du auch tust um nicht hinzusehen, immer wieder riskierst du einen Schummler, aber der widerliche Kobold merkt es sofort und du fängst wieder ganz von vorne an..

Znwaizg Tgae snid voebri. Ncoh iemmr am Nplulnkt. Etgiecnlh wlelstott du das sonhcn imemr mal mhecn, aebr iwrdnegie oedr idaenrwgs hat dcih dvaon agehalbten. Auf einmal stellst du fest, dass der Kobold eigentlich du selbst bist.
Die Tür geht wieder auf. Der Blick in den Raum ist irgendwie ungewohnt. Fast wie neu, aber doch bekannt.
If this door  have been closed – then maybe for ever?
Is my mind playing a game? And where is that green thing  gone to?
I can’t remember myself – ever been that ugly?!

Lost in a dream of mirrors. Lost in a paradox. 14,7:1  – 7° v. OT nur der Funke fehlt.

Mental Omega

Liebe Leser,

mit meinem heutigen Blogeintrag widme ich mich einem sehr persönlichen Thema und hoffe wieder einmal, ein Bewusstsein schaffen zu können.
Ein Bewusstsein dafür, dass man nicht nur mit den Augen sehen kann. Ein Bewusstsein dafür, wie der Schmetterlingseffekt wirken kann und das man selbst lieber nicht derjenige sein will, der die Flügel schlägt.

chronisch 

Ich nehme an, dass jeder von euch jemanden kennt, der an einer chronischen Krankheit leidet – oder ihr gar zum Opfer gefallen ist.
Asthma, Rheuma, Herz-Kreislauf, Neurodermitis, Diabetes, Krebs.

Wer mal eine Erkältung hatte, der weiß wie es sich anfühlt krank zu sein. Eine Erkältung klingt zum Glück nach ein bis zwei Wochen wieder ab – eine chronische Krankheit bleibt. Für immer.
Und im schlimmsten Fall fühlt sich ein jeder Tag eines chronisch Kranken genau so an, wie ihr euch bei einer Erkältung fühlt..

Allerdings könnt ihr das natürlich alle auch nachvollziehen. Schliesslich machen viele der chronischen Krankheiten den Betroffenen ja auch sichtbar krank – und meist glaubt man ja nur was man auch mit den eigenen Augen sehen kann.

Es schmerzt sehr seine eigene Mutter, nach einer Krebs-Therapie, ohne Haar sehen zu müssen.
Es schmerzt sehr, zu sehen, wie ein geliebter Mensch leidet.
Es schmerzt sehr, wieder einen Mensch zum Grabe zu tragen, der den Kampf verloren hat.

Diesen Schmerz kennt leider jeder von euch. Verlust.
Eine Zeit lang fragt man sich selbst, was man hätte tun können, damit es dem Betroffenen vielleicht besser geht / gegangen wäre. Fühlt sich elend und leer.
Man realisiert eine kurze Zeit, wie schön es ist gesund zu sein und kehrt dann in den Alltag zurück.

imagine this

Sich elend und leer fühlen – das ist beileibe kein Zustand, in dem man sich lange befinden möchte. Das wird jeder nachvollziehen können.
Doch es gibt Menschen, die befinden sich dauerhaft in diesem. Auch diese Menschen sind krank. Doch niemand realisiert es.

Depressionen. Eine chronische Krankheit, die wirklich eine ist – aber nicht als diese wahrgenommen wird, dabei leidet ein Betroffener jeden Tag fürchterlich. Für das Auge unsichtbar.

Zu sehen ist nur ein Haufen Elend. Antriebslos, freudlos, lustlos, zurückgezogen.

Für das sehende Auge sind diese Symptome leicht zu verwechseln mit schlechter Laune, Faulheit oder Verschrobenheit.

Nichts, worüber man sich Gedanken machen müsste. Das geht nach zwei Wochen schon von selbst wieder weg. Geht ja jedem mal so. Soll sich mal nicht so anstellen. Muss sich mal zusammen reißen. Das wird schon wieder.

Das, meine lieben Leser, sind die absoluten größten Fehleinschätzungen, die ihr einem chronisch Depressiven gegenüber äussern könnt oder denken solltet.

Wer von euch schon mal richtigen Liebeskummer hatte, der kann vielleicht im Ansatz nachvollziehen, wie sich ein an Depressionen leidender Mensch über viele Jahre hinweg fühlt.

understand this

Depressionen sind sehr vielfältig. Mal eine längere Zeit schlecht drauf ein, oder mal kein Bock zu haben – das hat mit Depressionen nicht zu tun.

Chronische Depressionen dauern viele Jahre an, sie kommen und gehen. Die Ursache beschränkt sich auch nicht immer nur auf einen Vorfall, sondern auf ein großes Konstrukt aus einem hohen Level an negativem Stress, Angst, mangelhaften Selbstwertgefühl, verletztem Vertrauen und weiteren, meist persönlichen Vorfällen, die dem ganzen dann noch die Krone aufsetzen..

Merke: Es gibt niemals nur das eine Problem.

Der Depressive ist nicht immer nur total down, viel mehr oszilliert seine Stimmung um den Nullpunkt. Wobei der Nullpunkt für einen Depressiven schon eher als ein guter Tag zu bezeichnen ist. Eine Grundstimmung gibt es nicht.
Wie gut – oder wie schlecht ein Tag ist – also quasi die Amplitude der Oszillation, um dem Nullpunkt, ist nie vorhersehbar.

Einem super Tag können zwei ganz miese Wochen folgen. Ebenso kann ein angebrochener, mieser Tag – immernoch ein super Tag werden. Manchmal ist man sogar zwei Wochen lang richtig gut drauf und reißt in der Zeit ganze Bäume aus. Im Fachkreis spricht man dann von einer Manie.

Bei einer Manie ist man aber nicht grad mal kurz geheilt, sondern weiterhin krank. Denn nach einer Hoch-Phase – folgt immer wieder ein tiefes Tief.

Es muss auch nicht immer irgendwas besonderes vorgefallen sein, warum ein super Tag dann plötzlich scheiße wird. Manchmal sieht man kurz die Sonne – und schon ist ein mieser Tag wieder gut. Manchmal scheint die Sonne und man will lieber den ganzen Tag im Bett liegen bleiben und in Embyonalstellung die Wand anstarren.

An einem solchen Tag oder in einer solchen Phase hilft auch gut zureden nichts. Der Depressive ist dann nicht in der Lage sich selbst zu helfen – er will es, aber kann es nicht.

Es ist auch niemals schon wieder irgendwas – es ist immer das Gleiche. Der Depressive befindet sich in einem geschlossenen Kreis und jagt seinem eigenen Schwanz nach.

Merke: Für einen Depressiven ist jeder Tag ein Kampf gegen eine unüberwindbare Hürde in seinem Kopf. Manchmal schafft er es ein Stück hoch zu klettern, manchmal rutscht er wieder ab. Manchmal sitzt er oben drauf,  manchmal steht er unten vor und hat keine Ahnung wie man klettert oder springt.

Die Verkettung der ungünstigsten Umstände, die zur chronischen Depression führen, liegen stets in der Vergangenheit und nie in der Zukunft.
Ein Depressiver hat nur an mehreren, aufeinanderfolgenden guten Tagen eine vage Vorstellung von der Zukunft.
Es sind meist extrem komplexe und detaillierte Vorstellungen, eng verzweigt – und am besten müssen alle davon zeitgleich ablaufen, damit der Depressive soviel positive Energie, wie nur eben möglich aus den Situationen ziehen kann.

Merke: Ein Depressiver will nicht depressiv sein. Häufig steht er sich selbst im Weg.

An schlechten Tagen sieht er absolut schwarz. Eine Zukunft existiert in diesem Moment nicht. Zu sehr quält der Tag mit dem unsäglichen Leid, der Vergangenheit.
Es fällt an diesen Tagen unwahrscheinlich schwer sich festzulegen oder zu entscheiden, keine Vorstellung von der Zukunft – keine Entscheidungsfreude. Irgendwie logisch.

In diesen Phasen strebt der Depressive nach maximalem Freiraum. Im Umkehrschluss fühlt er sich von allem eingeengt. Dieses Gefühl, der Enge, kann zu Kurzschlussreaktion führen. Ebenfalls sind Depressive in diesen Phasen häufig gereizt und genervt.

An dieser Stelle irgendwelche Diskussionen oder Streitgespräche anzufangen, ist für den Depressiven ein Anlass sich nur noch schlechter zu fühlen, denn in diesen Phasen wird ausschließlich Negatives absorbiert.
Im Endeffekt wird sich der Depressive auch aufgrund von Streitgesprächen möglicherweise noch Wochen später schlecht fühlen.

Merke: Wenn man weiß, dass ein Depressiver in einer schlechten Phase steckt – dann nimm darauf Rücksicht. Dem Depressiven ist es viel mehr geholfen, wenn man ihn versucht mit nem lockeren Gespräch aufzuheitern, als ihm vorzuführen, wie scheiße er ist – denn Eins muss euch klar werden – der Depressive fühlt sich so, weil er sich selbst für Scheiße hält – das braucht ihm dann niemand weiter unter die Nase reiben.

thin line between life and death

Wer ständig darüber grübeln muss, warum man selbst Scheiße ist und nach maximalem Freiraum strebt, der denkt zwangsläufig daran sich das Leben zu nehmen. Denn nirgends genießt man mehr Freiheit, als six feet under.

Ein Depressiver braucht das auch nicht von langer Hand zu planen, ihm reicht dazu eine banale Situation, in einer Phase des Tiefs.

Auf der Maloche war nur Stress, zuhause wartet noch mehr Arbeit – dann sitzt man gemütlich mit ner Dose Bier auf der Couch – die scheiß Dose rutscht einem aus der Hand und Bier läuft auf Hose.
Der gesunde Mensch flucht, trocknet die feuchten Stellen, zieht sich ne frische Hose an und macht weiter.
Der Depressive flucht, steht auf um ein Trockentuch zu holen und überlegt gleichzeitig nicht direkt aus dem Fenster zu springen. Entweder springt er dann tatsächlich, oder trocknet wenigstens die Hose ab – ne frische Hose anziehen würde bedeuten, dass man die dreckige Hose ja waschen müsste – das wäre wieder mit Arbeit verbunden. Zwang.
Den Rest des Abends denkt er dann darüber nach, wie es sich wohl anfühlt zu springen und ob das Fenster überhaupt hoch genug liegen würde.

Der Grat zwischen Ich springe einfach, dann ist es endlich vorbei und dem, zumindest in Ansätzen, Handeln wie ein normaler Mensch ist verdammt schmal.

Es ist wenig förderlich einen Depressiven in einer tiefen Phase irgendwo unter Druck zu setzen. Es reicht sogar schon recht wenig Druck – um die Entscheidung zwischen Springen und Abtrocknen fliessend werden zu lassen.

Grundsätzlich lässt sich der Depressive nur ungern in irgendwas hinein zwingen. Bei Aktivitäten, die ihm Missfallen, denkt er mitunter zwangsläufig irgendwann mal daran eben vom Viadukt zu springen.

Im Kopf herrscht eben sehr viel mehr Verkehr, als es üblicherweise sein sollte. Autos fahren nicht die Straße entlang und biegen am Ende links oder rechts ab – nein, im Kopf, des Depressiven biegt das Auto links ab, rechts ab und fährt zusätzlich noch geradeaus weiter und wendet auf der Kreuzung. Alles zugleich. Aus einem banalen Szenario entstehen gewaltige Gedankenströme, die alle analysiert und miteinander verglichen werden wollen – jeder zusätzliche Parameter kann dann schon am Ende eine ziemlich gute oder eine ziemlich schlechte Reaktion hervorrufen.
Die Flucht vor diesen ganzen Gedankenströmen, die alle sehr viel Energie kosten? Die Embryonalstellung im Bett – und das anstarren der Wand.
Das es bei all dem Chaos nur umso verständlicher ist von einer Brücke zu springen liegt da beinah näher, als in Erwägung zu ziehen, dass der Depressive ohne Hilfe das Verkehrschaos in seinem Kopf beseitigen kann.

Dos & Don’ts

Wer bis hier hin einigermaßen folgen konnte, der wird sicherlich festgestellt haben, dass man, neben der eigentlichen Wahrnehmung der Krankheit, auch ein gewisses Einfühlungsvermögen, im Umgang mit dem Kranken, beweisen sollte.

Ein Depressiver muss nicht in Watte gepackt werden, aber er braucht lediglich die richtige Balance aus Freiheit und Verpflichtung. Flexibilität ist Trumpf.

Es bringt nichts einem Depressiven eine Freunde machen zu wollen, wenn man sich nicht zu 105 % sicher ist, dass der Depressive sich auch darüber freut.
Depressive Menschen können sich bei weitem nicht über alles freuen und sind hinterher eher enttäuscht von sich selbst, dass sie sich nicht darüber so freuen konnten, wie es das gegenüber möglicherweise erwartet hat.
Das zieht wieder einen Rattenschwanz nach sich, dass den Depressiven schwer belastet.
Es ist niemals seine Absicht irgendwo ein Leid zu verursachen – das kann er sich selbst nicht verzeihen.

Depressiven ist Anerkennung von Leistungen und Eigenschaften sehr wichtig. Wie oben schon geschrieben besitzt ein Depressiver kaum Selbstwertgefühl und hadern ständig mit sich selbst. Depressive brauchen immer ein Feedback. Dieses kann durchaus auch mal negativ ausfallen. Dass die Dosis hierbei nicht zu harsch ausfallen sollte, dürfte aufgrund des sehr schmalen Grats hoffentlich klar sein. Der Depressive wird sich jede Kritik, im wahrsten Sinne des Wortes, zu Herzen nehmen.

Die Vergangenheit war schwer genug, daher sollte man es tunlichst vermeiden, den Depressiven an irgendeiner Stelle im Regen stehen zu lassen (das gilt selbstverständlich auch für den Umgang mit gesunden Menschen).
Der Depressive will nicht depressiv sein, darum nimmt er jede noch so kleine Chance auf Besserung auch als eine Art Erlösung wahr.
Wenn man denkt, dass man eine Million Euro im Lotto gewonnen hat und sich schon mal ein Haus für diese Summe kauft – hinterher aber feststellt, dass die Lottogesellschaft nicht zahlen wird – hat man eine Million Euro schulden. Diese muss man den Rest seines Lebens abbezahlen.
Der Depressive braucht genau so lange, um eine neuerliche Enttäuschung zu verarbeiten…

Depressive brauchen Unterstützung. Sie brauchen Hilfe dabei zu vergessen und zu verarbeiten. Sie brauchen einen Sinn im Leben. Einen Sinn, den sie auch wollen. Für diesen Sinn würde der Depressive alles geben. Ausnahmslos. Der Depressive will geben und er muss nehmen. Mal mehr, mal weniger.
Ein Depressiver weiß, was er will und er braucht es sofort. Der Moment, in dem durch einen schmalen Spalt, das Licht einer hoffnungsvollen Zukunft auf die dunkle Seele scheint, ist der Einzige, an dem er es schaffen kann, die Hürde in seinem Kopf zu überwinden. Sei keine Bremse, sondern eine Hilfe.
Es geht dabei um das richtige Leben bzw. das Überleben. Eine Stunde deiner Zeit, hilft dem Depressiven möglicherweise sich eine Woche lang gut zu fühlen und Kraft zu tanken.

Kleinere und größere Veränderungen sind für einen Depressiven extrem anspruchsvolle Aufgaben, die jede Menge Kraft erfordern. Kraft, die mühselig über sehr lange Zeit zusammen gekratzt werden muss.
Auch wenn gewisse Handlungen nicht immer auf den ersten Blick nachvollziehbar sind, sie haben ihren triftigen Grund. Gründe, die man zumeist erst lernen muss zu verstehen.
Depressive nehmen sich viel, viel mehr Zeit zum Überlegen und wägen sämtliche Konsequenzen sehr sorgfältig ab. Versucht nicht das Handeln nachzuvollziehen, das könnt ihr nicht. Fragt einfach nach und vorverurteilt nicht. Ein Depressiver erweckt nicht den Anschein, aber er will reden. Wenn er auch grade nicht über sich sprechen möchte, dann ist so eine Hass-Predigt zumindest ein guter Anfang, die Stimmung, für ihn, etwas anzuheben.

outro

Für Jemanden, der selbst seit Jahren die ständigen Aufs und Abs am eigenen Leib erfahren muss, ist jeder Tag eine sehr spezielle Herausforderung. Man entdeckt das große Ganze und lernt das Punktuelle zu schätzen.
Zwei Situationen sind niemals gleich, aber immer besonders.

Diesen Beitrag habe ich in einem Tief geschrieben. Hätte ich ihn in einer Hoch-Phase geschrieben, würde jetzt ein Tief folgen – das weiß ich. Zu lang schon bin ich auf der Suche und zu lang schon analysiere ich Tag für Tag enorme Datenmengen und male mir meine Welt selbst schwarz an.
Vielleicht folgt ja jetzt ein Hoch – wer weiß das schon.
Der Verlauf einer Krankheit ist selten vorhersehbar, aber am Ende wäre jeder froh wieder gesund zu sein und seine Medizin gefunden zu haben (vorausgesetzt man bekommt sie auch).

Das Heilmittel für Depressionen? Der Sinn des Lebens. Einen Sinn, den man in jeder Konsequenz tragen will. Für den es sich lohnt. Immer.

Tabletten können Symptome lindern, aber keinen Wert vermitteln. Keine Kommunikation ersetzten und nicht dabei helfen, sich selbst zu helfen.
Denn schlussendlich weiß nur der Depressive selbst, was der Sinn seines Lebens sein kann – und auch wenn es unter Umständen sehr lange dauert und dem Weg durch die Hölle gleicht – der Kampf für den Sinn, ist der Kampf gegen die Depression.

#ichwillnichtkranksein

Danke.

 

Salvation

Als erstes möchte ich euch heute für euren, womöglich erneuten, Besuch meines Blogs einen herzlichen Dank aussprechen.
In Zeiten der Youtuber, Influencer, Berlin Tag und Nacht und WhatsApp Sprachnachrichten bewahrt ihr die Treue und seid jede Woche erneut die Zeugen meines Wahnsinns.

Es ist schön zu sehen, dass es tatsächlich noch Menschen gibt, die gern das geschriebene Wort lesen.
So bleibt der Tinkerblog die, mitunter, letzte Festung im Irrsinn einer Konsum – getriebenen Wegwerfgesellschaft, die sich den Mund hat verbieten lassen, die nicht bereit ist zusammen zu stehen, die regungslos alles frisst, was ihr vorgeworfen wird.

Ich würde all das hier niemals niederschreiben, wenn ich nicht genau wüsste, dass tief im Inneren einiger Vieler der verzweifelte Wunsch nach einem Ausbruch aus diesem System stillschweigend auf seine Freilassung wartet.

Aktiv etwas dafür tun – nein. Die richtige Motivation fehlt. Der richtige Blick fehlt.

Downfall

Es schmerzt hart, nicht körperlich – aber seelisch, wenn man so hart auf dem Boden der Tatsachen aufschlägt, dass der Knall davon noch Jahre später in den Ohren klingelt.
Es ist dunkel hier, so dunkel, dass man die Hände vor den Augen nicht sieht. Ausserdem ist es still. So still, dass man sich schon nach kurzer Zeit an das rhythmische Schlagen seines Herzen gewöhnen muss. Vor allem ist es einsam.

Vereinzelt blitzen kleine Lichter auf.  Es sind Erkenntnisse. Erkenntnisse, die man sammelt, während man verzweifelt durch das Nichts watet, nur um irgendwo wieder auf ein neues Licht zu treffen.

Man hat nicht viele Optionen hier unten. Entweder beendet man die Reise, indem man sich einfach weiter in den Schlamm einsinken lässt – oder man beginnt die vielen kleinen Lichter, zu einem Großen zu bündeln und sucht sich seinen Weg aus dem riesigen Sumpf, der eigenen Fehlentscheidungen.

Das große Licht ist grell – es brennt fürchterlich in den Augen. Nach einer Weile gewöhnt man sich daran, aber nun sieht man klar.

Vortex

Was man zu sehen bekommt ist dann immer wieder das Selbe. Ein grotesker Irrsinn.

Die wertvollste Lehre der Einsamkeit ist, dass man gemeinsam viel stärker ist. Ein einziger Mensch, mit der richtigen Motivation, ist allein schon eine gefährliche Waffe – was wären zwei oder gar drei dann erst?

Zu welch gewaltigen Leistungen der im Kollektiv wirkende und motivierte Mensch fähig ist, das sieht man immer wieder schön in diversen Team-Sportarten, wie z.B. Fußball.
Der klamme Regionalligist spielt im Pokal gegen den satten Bundesligisten und ist motiviert, bis in die letzte Haarspitze.
Nichts zu verlieren. Das Spiel des Lebens. Moral, Kampfgeist, WILLE.
Was daraus resultiert zieht jede Woche erneut die Massen in die Stadien oder vor den Fernseher.

Es ist einfach schön anzusehen, wie das Kollektiv sich zusammen rafft, um das Unmögliche – möglich zu machen.
Nicht nur im Sport, auch auf der Arbeit oder in Partnerschaften ist die Zusammenarbeit von elementarer Wichtigkeit. Wenn man nicht zusammen steht – erreicht man nichts.
Teamwork. Ein Faktor, der zu oft gepredigt, aber selten bis gar nicht ausgespielt wird.
Schade, denn über die Probleme der Welt – kann das Kollektiv nur lachen.
Auch das bedingungslose Füreinander hat unter dem Einfluß von nichtigem Geld seinen Stellenwert in der Gesellschaft verloren.
Eine Hand wäscht die Andere – für entsprechende Entlohnung.
Jeden Tag – eine gute Tat, solang die Bezahlung passt.

Das einzige Team was die Zeit überstanden hat ist der Ego, sein Geld und die Gier nach mehr davon. Denn Geld ist Macht – und Macht ist Geil..
Geld hilft bei Vielem, aber nicht bei dem, was das richtige Leben ausmacht.
Einen echten Freund kann man nicht kaufen. Die Liebe seines Lebens kann man nicht kaufen. Das Lachen seines eigenen Kindes kann man nicht kaufen. Gesundheit kann man nicht kaufen.
Unter dem Strich also, kann man Leben nicht kaufen. Wozu dann diese Gier? Damit man dann alleine in seinem Palast auf seinem beheizten Klositz hockt und gespannt am 65″ Display Köln 50667 guckt?

Im Big Pictures Blogpost vor einigen Wochen habe ich es schon mal durch die Blume gesagt – und ich tue es wieder, denn wenn nur ein einziger anfängt um zu denken, dann habe ich mein Ziel erreicht:

Das Einzige was zählt, ist der reine Wille. Das Leben ist mehr als Geld, Macht und Besitz. Das Leben ist – zu tun was man möchte, wann man es möchte. Im Angesicht des Weltuntergangs sollte sich keiner darüber ärgern müssen, welche Möglichkeiten und Optionen er liegen gelassen hat für belanglosen Scheiß oder Personen, die nicht mitgezogen haben.

 

Wie auch immer, für eine Weile wird das der letzte Beitrag dieser Art sein. Die ewig-gleiche Mär möchte ich euch ja Woche für Woche auch nicht zumuten.

Bis dahin, macht was draus.

 

What – the – Fuck?!

Paris.
Eine Kirche wird bei einem Brand beschädigt.
Siebenhundertmillionen Euro Spenden.
Amen.

In der selben Welt verhungern weiterhin jeden Tag zahllose Menschen und Kinder.

Eine Wirtschaft kann in den dritten Ländern gar nicht entstehen, da auch z.B. staatlich subventionierte Agrarerzeugnisse aus Deutschland dort billiger verkauft werden können, als wenn es die Bauern dort selbst erzeugen würden.

Menschen flüchten aus ihrem Heimatland vor Krieg und Hunger. Krieg, der mit Waffen, die aus westlichen Ländern dorthin verkauft werden, geführt wird.

Obdachlose erfrieren im Winter weltweit zu tausenden auf offener Straße.

Das Weltklima allerdings, das wird in Deutschland gerettet. Für ein reines Gewissen bezahlt der kleine Mann die höchsten Stromkosten in ganz Europa.

Verweigerer des Rundfunkbeitrags werden härter bestraft, als Kinderschänder.

Lebensmittel nahe dem Mindesthaltbarkeitsdatum werden zum größten Teil einfach in den Müll geworfen. Es ist billiger die Lebensmittel in den Müll zu werfen, als sie zu einer entsprechenden Einrichtung, wie z.B. der Tafel, zu befördern.

Marode Schulgebäude und Straßen. Zu wenig bezahlbarer Wohnraum. Doch für die herzlich willkommenen Refugees und einen Flughafen in Berlin, der niemals fertig wird, ist immernoch genug Geld da.
Mit den letzten paar Euros des Bundes wird geflohenen Menschen hier die heile Welt vorgegaukelt. Deutschland ist von Innen heraus krank. Der Fisch stinkt vom Kopf.

Die Katholische-Kirche. Tritt nennenswert nur noch durch Missbrauchsvorfälle, in jeder Hinsicht, in Erscheinung.
Der selben Kirche, die vor lauter Geld kaum mehr den Himmel sehen kann, dieser Kirche wird mit siebenhundertmillionen Euro unter die Arme gegriffen, weil Mal ’nen lächerlicher Kirchturm abgebrannt ist.

Tut euch nen Gefallen und reisst den Trümmer gleich ganz ab und baut etwas sinnvolles dahin. Nen Supermarkt, oder ein Obdachlosenheim z.B., da geht wenigstens mal jemand hin.

Wer auch immer diese verkommenen Menschen sind, die so viel Geld für so einen Scheiß spenden – eure Unternehmen gehören in vollstem Umfang boykottiert und die Kirche, die diese Spenden annimmt – ebenfalls.

Das ganze Szenario ist dermaßen grotesk – man möchte sich angesichts dessen schon fast nicht mehr als Mensch bezeichnen wollen.
Ich, für meinen Teil, möchte ich zumindest nicht mehr weiter als Christ bezeichnen.

Denn alles das, was ich Gutes am Christentum sehe – ist damit endgültig Geschichte.
Die paar Mark Kirchensteuer gebe ich dann lieber direkt einem Obdachlosen..

 

 

ZFT

Liebe Leser, heute feiere ich mein Coming-out. Der Tinker – ein Romantiker. Verliebt in das rythmische Klackern eines Relais, während der Autofahrt. Verliebt in die fließende Bewegung der Scheibenwischer. Verliebt in klassische Technik.

Heute reden wir nicht über so einen billigen Scheiß, den man im Media Markt kaufen kann..
Nein, heute geht es um ehrliche, deutsche Wertarbeit. Qualität – MADE IN GERMANY.

 Gegenwärtig

Berufsbedingt bin ich ja leider immer mal wieder dazu gezwungen auch mal modernere Autos zu fahren. Es tut mir in der Seele weh, denn jedes Mal auf’s Neue muss ich feststellen, dass ich kein Auto mehr fahre – sondern einen Computer bediene..

Ich tippe auf den Blinker – und das sonst so herrlisch rythmische Klackern des Blinkerrelais – Geschichte. Abegelöst durch ein moduliertes Geräusch, das aus einem qualitativ minderwertigen Lautsprecher, irgendwo im Bereich des Kombiinstruments, ertönt.

Es regnet, der Scheibenwischer schaltet von alleine ein. Offensichtlich hat man nach 100 Jahren Automobilbau festgestellt, dass man dem Fahrer die Entscheidungshoheit über den Scheibenwischer nicht weiter anvertrauen kann.
Ein Dilemma. Nicht nur, dass der Wischer von selbst wischt – er arbeitet jetzt auch anders.  Der Wischermotor – nicht länger simpel bestromt, sondern durch aufwendige Steuerungen angetaktet. Auch das sagt mir nicht zu.

All diese Widrigkeiten bleiben mir in meinem 99er Golf zum Glück verborgen und niemals käme es mir in den Sinn, ein durchmoduliertes mein Eigen zu nennen.

Steigender Funktionsumfang, sinkende Qualität – verminderte Haltbarkeit – geplante Obsoleszenz. Die Zerstörung durch Fortschritte der Technologie.

Die Welt will konsumieren. Am Besten muss man alles haben und alles gleichzeitig machen. Haben, haben, haben. So billig wie möglich. Hauptsache ich habe VIEL und immer die MÖGLICHKEIT alles zu tun, falls, ja falls mal der unwahrscheinliche Fall eintritt.

Man kauft sich alles, kostet ja nichts, benutzt es aber nicht – man hat ja auch keine Zeit. Ständig klingelt das Smartphone und in der Whatsapp-Gruppe, der Abschlussschulklasse von 1997, steigen hitzige Diskussionen rund um den toten Hund, der 1995 auf der Klassenfahrt zur Jugendherberge in Detmold an der Straße lag.
Schon wieder ne Stunde vorbei. Jeden Tag.

Währenddessen sitzen in China die kleinen Menschen auf ihren Eimern in riesigen Fabriken und produzieren neue, billige Staufänger aus feinstem Plastik für euer Wohnzimmer. Kann man ja mal gebrauchen.

Einst

Qualität – Made in Germany. Das ist ein Satz, den hört man oft – aber mittlerweile muss man mit dieser Aussage seehr vorsichtig sein.

Grundig, Telefunken, Blaupunkt, Metz – das verbindet man mit Made in Germany.
All diese Unternehmen sind heute nur noch Markennamen. Alles wo jene Namen heute draufstehen, ist Quantität – Made in China drin.
Giganten der deutschen Wirtschaft. Große Arbeitgeber. Was bleibt ist eine Markenrechtslizenz und jede Menge Elektroschrott.

Früher ging man ja eher nicht in den Media Markt, sondern zum örtlichen Fernseh-Fritzen. Da hat Omma auch schon seit 30 Jahren ihre Geräte gekauft.

Der örtliche Fernseh-Fritze – das war meist ein Radio-/Fernsehtechniker. Der Herr über ein Massaker aus Widerständen, Kondensatoren, Röhren und Kabeln.
Im Gegensatz zum Media Markt war es hier zwar immer viel teurer – aber dafür war die Beratung viel besser. Es gab auch sowas wie eine Reparaturwerkstatt für Geräte und wirklich, echten Service von Menschen, die Ahnung haben von dem was sie da tun.

Früher, da waren die Menschen noch misstraurisch gegenüber so dubiosen Konglomeraten wie dem Media Markt  „Lieber geh ich dahin, wo auch Omma schon immer hingegangen ist, da bezahl ich lieber ein paar Mark mehr“

Radio-/ Fernsehtechniker sind mittlerweile fast komplett ausgestorben. Den örtlichen Fernseh-Fritzen findet man auch nur noch sehr selten. Zu Groß die Gier der Massen, sich der Verlockung aus Fernost zu widersetzen und stattdessen auf bewährte Qualität zu setzen.

Fernseher und Radios, früher hielten die über 20 Jahre. Und wenn dann mal kaputt ging, dann konnte der lokale Fernseh-Fritze immer weiter helfen.
Mittlerweile kann man froh sein, wenn ein moderner Fernseher noch 2 Jahre über die Garantie hinaus funktionsfähig ist.
Aber was macht man dann? Is egal, kauf ich halt nen Neuen, Größeren. Der Alte, Defekte kommt in den Müll – an seinem Endlager in Afrika, kann sich dann ein fleißiger kleiner Neger, mit fliegen im Gesicht, vom Verkauf der ausgebauten Innereien vielleicht ne Scheibe Brot kaufen..

Diese ganze Konsum-Gier hat aber nicht nur das Radio-/Fernsehtechniker Handwerk zerstört. Szenarien wie das Obige finden täglich auch in vielen anderen Bereichen statt:

  • Wurst und Fleisch kauft man nicht mehr beim örtlichen Metzger.
    Lieber kauft man abgepackte Scheiße im Supermarkt, weil es 50 cent billiger ist. Herkunft? Unbekannt & egal. Arbeitsbedingungen beim Produzenten? Unbekannt & egal.
    Hauptsache – fressen. Immer rein damit.
  • Brot & Backwaren kauft man auch lieber abgepackt im Diskounter oder der SB-Bäckerrei.
    Ist ja schließlich zuviel verlangt nen paar Cent mehr pro Ware zu bezahlen. An den paar Cents hängen Jobs von Fachverkäuferinnen und schlussendlich auch vom Bäcker und seinem Laden.
    Lieber für nen Euro eben nen Pfund im Aldi kaufen. Der Großbäcker beschäftigt die Sklaven dort für den Mindestlohn – hauptsache euch schmeckts.
  • Schuster – ausgestorben. Lieber nen paar Schuhe bei Deichmann für 25 € kaufen – durchlatschen und wegwerfen.

Aber immer über den vielen Müll jammern. Müll. Überall Müll. Die armen Ozeane – so voller Müll.
Jammern auf hohem Niveau, während man sich dann Zuhause ne Kaffeekapsel in seinen Automat schiebt.

Meet & Greet

Stellt euch mal vor, damals hat man sich sogar mal beim Bäcker oder dem Metzger – getroffen und geredet.
Heute kaum noch vorstellbar. Da gibt man seinen Einkauf mal eben bei Amazon durch und checkt dann, ob die Geschichte um den toten Hund in der WhatsApp-Gruppe aufgelöst werden konnte.

Direkte – unmittelbare – KOMMUNIKATION. Man spricht (!!) mit einem anderen Menschen.
Manchmal mach ich das einfach auf der Straße – die Reaktion der Leute ist sensationell.
Frauen reagieren meist so panisch, die Rufen direkt bei der Polizei an und melden einen sexuellen Übergriff.
Männer hingegen fragen mich dann direkt nach meinem Problem, um wenige Sekunden später wieder den Blick auf’s Gorilla-Glas zu senken.

Kritik. Die Welt braucht das.
Versucht doch mal jemanden zu kritisieren – der fängt direkt an zu weinen und bekommt ein Burn-Out. Jahrelang Berufsunfähig.
Die Meisten sind gar nicht mehr in der Lage sowas wie Kritik überhaupt verstehen zu wollen – viel zu heile ist die Welt vor dem 55 Zoll Bildschirm vom Media Markt, der grade aus der Garantie gelaufen ist.

Erstmal irgendwo rum sitzen, erstmal irgendwo hin fahren. Weg sein. Zwischendurch mal ne Bifi fressen und die Welt ist in Ordnung.
Solang alle anderen die Schnauze halten, halte ich die Schnauze erst recht. Als nächstes kauf ich mir dann nen 65 Zoll Display.

Der Ich-Mensch gefangen in den Unweiten des Konsums. Schaufelt sich sein eigenes Grab.
Unfähig über seinen eigenen Schatten zu springen. Unfähig zu kommunizieren. Unfähig Veränderungen herbeizuführen. Unfähig einzusehen.

Der gierige Ich-Mensch war es, der den Schuster um seinen Stand brachte. Der gierige Ich-Mensch war es, der Qualität – Made in Germany für Quantität aus Fernost geopfert hat.
Und das um nur einige Beispiele zu nennen. Denn dem gierigen Ich-Mensch wird noch so einiges zum Opfer fallen – und Jahre später wird dann wieder gejammert „Ohhh früher war alles viel besser„.

Manchmal verstehe ich die Angst der Leute nicht, sie könnten eines Tages von Robotern ersetzt werden… Ihr macht euch grade doch selbst dazu.

 

 

 

 

 

Kausalität

Ursache & Wirkung.

Ich stoße mich – es schmerzt.

Zustand A tritt ein – Wirkung B ist die Folge.

Ein Stein fällt  – eine Scheibe zerbricht.

Ursache und Wirkung. Allgegenwärtige Faktoren. Faktoren der Zeit. Faktoren des Seins.

Ein Rückblick. Wir befinden uns in B und analysieren A.

Was wäre wenn?

Wie hätte B sein können, wenn A abweichend wäre?

Kausale Ketten. Wo wäre ich jetzt, wenn Ereignisse vor einem halben Jahr nicht eingetreten wären?

Weil der Junge, der nicht hätte hier sein sollen – einen Glühwurm fing, konnte es ein Mädchen zwei Straßen weiter nicht. Das Mädchen musste viel weiter raus, sodass ihr Vater sie nicht mehr finden konnte. Auf seiner Suche nach seiner Tochter, fuhr er im strömenden Regen eine Straße entlang. Ein anderer Junge kreuzte die Straße und der Vater, auf der Suche nach seiner Tochter, konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen. Ein tragischer Zwischenfall. Tod.

Die Ursache – ein Fakor, der niemals hätte sein dürfen. Die Wirkung  – tragisch. Doch wer brachte den Jungen, der nicht hätte sein sollen, her?

Ereignisse, die eintreten. Gründe, die geschaffen wurden. Folgen, die resultierten. Wer übernimmt die Verantwortung  für das Geschehene?

Der Vater, der in ein Paralleluniversum reist, um einen Jungen zu holen, der nicht in diese Welt gehört? Der Junge, der ein Glühwurm fängt? Die Tochter, die sich zu weit entfernt? Der andere Vater, auf der Suche nach seiner Tochter?

Ursache – Wirkung. Das sind Faktoren, von denen nur die Wirkung wirklich offensichtlich ist – die Ursache ist, bleibt und wird immer ein Rätsel sein.

 

Forsaken

Die letzten knapp 30 Tage war ich ungeplant offline. Es waren aber nicht  nur belanglose Tage für mich, sondern Zeit eine Bilanz für mein Leben zu ziehen und die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Untitled

Die ersten Nächte in meiner eigenen Wohnung waren ungewohnt. Nicht nur die Stille, auch das Alleinsein und der Staub haben mich wahnsinnig gemacht.

In der ganzen Wohnung gibt es keine Jalosien, meine Tage beginnen jetzt viel früher und subjektiv gesehen vergeht auch die Zeit viel langsamer.

Ich schlafe schlecht, werde oft wach. Tagsüber fühle mich elend und leer. Mühseelig überwinde ich den inneren Schweinehund um die Arbeit im Haushalt zu erledigen.

In meinem Badezimmer kann man sich nur schlecht die Haare waschen,  darum trag ich jetzt Glatze. Mein Spiegelbild ertrage ich seitdem zwar etwas lieber, mögen tue ich es dennoch nicht.

Ständig beschleicht mich das Gefühl, dass all die Worte, die maßgeblich zu meiner Entscheidung beigetragen haben doch nur wieder in einer Enttäuschung münden werden. Der Gedanke daran ist nur schwer zu ertragen.

Oft habe ich wach gelegen und überlegt, ob einige Kapitel vielleicht schon zuende geschrieben wurden und ob ich es vielleicht einfach nicht glauben wollte? Fällt das loslassen so schwer, oder überwiegt die Enttäuschung?

Ich weiß es nicht. Ich habe gehofft, dass es sich vielleicht von selbst aufklärt – 30 Tage lang. Es wurde nicht besser. Es hat sich nichts aufgeklärt – ich will nicht, aber ich muss loslassen.

Beinah jeden Tag hatte ich den selben Ohrwurm. Chop Suey. 30 Tage lang – und jetzt auch noch. I don’t think you trust – in – my – self righteous  suicide.  I – cry – when Angels deserve to die.

In der  Vergangenheit hatten solch Langzeit-Ohrwürmer immer einen tieferen Sinn.

Why have you forsaken me? In your eyes forsaken me – in your thoughts forsaken me – in your heart forsaken me? 

Forsaken / Verlassen – dann fiel es mir endlich auf. Das was mich verlassen hat war sowohl mein Glaube, als auch meine sonst so unendliche Geduld.

Warten. Abwarten. Zeit. Alltag. Es kotzt mich so sehr an und ich will es nicht mehr. Ich ertrage das rum-eiern nicht mehr. Ich will Nägel mit Köpfen und keine Dampfplauderer.

Alles was bis hierhin war ist ab jetzt Geschichte. Ich habe alles gründlich hinterfragt. Beobachtet und einen Schluss gezogen. Wer oder was nicht mitziehen will, kann gehen. Wer nicht gehen will, soll kämpfen. Die Zeiten des Wartens, des Hinterherlaufens und des zu Kreuze Kriechens – vorbei.

Wenn man wirklich etwas ändern will, dann muss man  unbequeme Entscheidungen  treffen. Vielleicht auch mal eine Falsche, doch den Weg in mein neues Leben gehe ich nicht mehr mit Lügen – sondern beim geringsten Zweifel –  allein.

 

Der selbe Mond

Klägliche Kälte. Die Nacht, ein breiter Schatten legt sich friedlich über die Stadt. Stille.

Blumenduft, lieblich und unverkennbar. Der Dämon tanzt in weiter Ferne auf einer großen Wiese umgeben von Bäumen, derern Blätter Zungen sind.

Leiser Gesang. Phantastische Melodie. Ein herrliches Feuer knistert. Betört von tausend Stimmen gibt er sich dem hin.

In weiterer Ferne – ein Riese. Gewaltig anzusehen, strotzend vor Kraft. Stark genug den Dämon wie eine Made zu zerquetschen. Komm näher. Bitte geh nicht fort..

Der Riese nähert sich. Der Blumenduft erreicht eine neue Intensität. Sein majestätischer Anblick im Licht des Feuers bringt die innere Spannung zur totalen Entladung.

Ein neuer Ort. Wohltuende Leichtigkeit. Weit und breit kein Dämon zu sehen. Ein Moment lang totale Unbeschwertheit. Mehr davon, bitte lieber Riese – lass mich für immer hier..

Ein Blick in das schönste Blau. Der Riese trägt mich auf seinen Schultern durch die endliche Dunkelheit. Jede Sekunde – eine Stunde lang.

Da ist es – am Horizont. Das Feuer steigt weiter auf und verschlingt langsam den Schatten der Nacht. Wärme. Der ganze Körper glüht. Federleicht.

Doch der Riese hadert. Mein immer stärker wachsendes Gewicht auf seinen Schultern zwingt ihn in die Knie. Riese – geh noch nicht. Zweifel.

Die Reise war zuende. Von den Schultern des Riesen springe ich auf die Blumenwiese. Friedlich ruht der Dämon unter einen Baum. Eingerollt, wie eine Katze. Der liebliche Duft verfliegt.

Da bin ich wieder, mein alter Freund. Furchtlos. Unbeschwert. Müde. In vollkommener Stille hört man den Baum leise singen.

In der Ferne, schemenhaft – der Riese. Bald schon ist er nicht mehr zu sehen. Ich spüre das wiederliche Grinsen des Dämon, während er mich mit einem Auge, zusammengerollt, ansieht.

Der Mond. Eine Straße ist zu sehen – eine Weile gehe ich sie entlang. Ohne Ziel. Stundenlang. Taghell. Langsam gleitet die Wärme heraus.

Mitten im Nirgendwo – ein altes Haus. Die Tür steht auf, doch es ist nicht meins. Ich gehe hinein – wohltuende Wärme. Aus einem Fenster in der Küche sehe ich den Dämon im Vorgarten auf der Wiese umhertollen.

Eine Weile lang sitze ich da und beobachte den Dämon, wie er im Licht des Mondes seinen eigenen Schatten jagt. Während ich im Tagtraum auf den Schultern des Riesen sitze, entgleitet meinem geschundenen Körper die letzte Kraft…

Es ist ruhig geworden. Still und kalt. Der einzige Duft ist der, der letzten Zigarette. Durch einen winzigen Spalt in der Tür strahlen mich die leuchtend roten Augen des Dämons sehnsüchtig an.

Ich gehe hinaus. Gemeinsam schauen wir zum Himmel hinauf – da ist er; weiß und prächtig. Sein Licht strahlt mit ganzer Pracht und kann doch die Dunkelheit nicht verdrängen.

Ein leiser Ruf nach Morgen, der Sonnenaufgang naht – schon bald sehen wir uns wieder, der selbe Mond, ein anderer Tag… Die letzten Sekunden der Nacht. Der selbe Traum; die selben Zweifel, die selbe Hoffnung, die selben Hindernisse. Der selbe Riese, der selbe Dämon – das selbe alte Haus, das nicht meins ist.

Gefangen. Eine Schleife des Wahnsinns umgibt mich. Kaum ist mehr möglich den Traum von der Wahrheit zu unterscheiden. Ein Traum in schwarzer Nacht und weißen Mond. Das Ende naht, denn ich gebe auf. Ich habe verloren.

Stolz der Erkenntnis ziehe ich allein mit meiner Fackel weiter auf der Straße, die nur das Mondlicht erhellt – doch jetzt sehe ich mehr..

 

Big Pictures

Neulich Abend habe ich mich tatsächlich dazu herabgelassen und auf Pro7 um 20:15 Uhr Galileo Big Pictures eingeschaltet.

Gezeigt wurde eine Bildfolge, die unter dem Thema „gigantisch“ lief.

Wer mal reinschauen will – hier es geht um Big Picture Nr. 3

Eins der vielen Bildern zeigte das Sonnensystem und wahrlich gigantische Planeten. Unter anderem wurde erklärt, dass Planeten dazu neigen sich vor ihrer Implosion aufzublähen – die eigentliche Implosion nehmen wir Erdlinge als Sternschnuppe am Nachthimmel wahr.
Es wurden Planeten mit gigantischen Ausmaßen gezeigt, weit weg von unserer schönen Erde – um ein Vielfaches größer als unsere Sonne.

Das Entscheidende aber war, dass berichtet wurde, dass auch die Sonne eines Tages implodieren wird und die Erde dabei mit in das unendliche NICHTS reißen wird.

Der Zeitraum „eines Tages“ wurde auf 5 Milliarden Jahre beziffert. 5 Milliarden Jahre – das ist für einen Mensch, der nur knapp 100 Jahre alt wird natürlich weit weg, oder?

Was wenn die sich verrechnet haben?

Was ist das Leben, so wie wir es leben, noch wert, wenn die Erde nächste Woche Dienstag von der implodierenden Sonne verschluckt wird?
Was kann man von sich behaupten in seinem Leben lebenswertes getan zu haben, angesichts der Tatsache, dass es zwangsläufig eines Tages enden wird?

Was ist all das Geschaffene auf der Erde wert, wenn es eigentlich gar nichts wert ist?

100 Jahre oder 5 Milliarden. So oder so – eines Tages wird all das hier nichts mehr sein. Mir stellt sich da die Frage – wer nimmt sich da das Recht heraus und ordnet die Menschen einem System unter und entscheidet darüber, wie das Leben zu sein hat?

Wie kann man mit der Tatsache normal weiter leben, wenn man weiß, dass in lächerlichen 5 Milliarden Jahren einfach nichts mehr sein wird?

Was passiert nach dem Tod? Was passiert nach dem Tod, wenn es gar keine Erde mehr gibt? Muss ich davor Angst haben? Gibt’s in 5 milliarden Jahren überhaupt noch Menschen?

Was kann ich bei Lebzeiten mit meinem Leben anfangen? Ist es wirklich der Sinn des Lebens, sich beliebigen Faktoren wie Geld und Zeit unterzuordnen?
Ist es nicht viel eher mein Recht und meine Pflicht den Lebewesen um mich herum die bestmöglichen Lebensbedingungen zu bieten, die ihr endliches Leben auf der Erde so annehmlich wie möglich machen?

Ich bin ehrlich. Seit ich realisiert habe wie wenig wert all das Geschaffene ist, ist meine Motivation im Keller.
Wozu soll ich arbeiten gehen? Ich hasse die Arbeit. Im Gegenzug für meine Leistung bekomme ich bedrucktes Papier.
Mit jenem Papier kann ich irgendwo hin gehen und bedrucktes Papier gegen beliebiges Gut eintauschen. Gut, das nur mir etwas nützt – keinem sonst.

Ich horte bedrucktes Papier in meinem Safe, horte bedrucktes Papier auf meinem Konto.
Ich habe ein schlechtes Gefühl, weil ich einer Bank bedrucktes Papier schulde.
Was nützt all das bedruckte Papier, wenn die Sonne morgen gar kein Bock mehr hat?!

Wir würden es ja noch nicht einmal merken. Von heute auf morgen – alles weg. Was bleibt ist die endlose, schwarze Leere des Weltraums. Zig Milliarden weiterer Planeten, die eines Tages alle den Weg der Sonne und der Erde gehen.

Das Leben – so wie es ist – es fühlt sich so unheimlich falsch an..

Immerzu muss ich daran denken, wie wenig das System „Leben“ zu bieten hat und wie unzufrieden die Menschen sind. Unzufrieden mit dem, was uns aufgezwungen wird. Aufgezwungen zum Wohl der Menschheit. Die Menschheit, die nur noch 5 Milliarden Jahre hat.

Ich denke wenn man all das berücksichtigt, dann kann man so nicht mehr weiter leben. Alles ist nichts – und die lächerlichen 100 Jahre, die ein Mensch, mit Wohlwollen, auf der Erde verbringen darf, die sollte er exakt so verbringen, dass es ihn zufrieden stellt.

Lebt so, wie es sein soll und nicht so, wie es euch aufgezwungen wird. Geld ist nichts. Geld wird generiert. Keins mehr da? Dann wird es eben neu geschrieben. Das ist die bittere Wahrheit. Eine Änderung von Zahlen, mit einer Tastatur, so wie ich sie in diesem Moment benutze.
Niemand hat das Recht euch irgendetwas zu nehmen, schließlich hattet ihr auch nie die Gelegenheit euch für oder gegen das System zu entscheiden. Ihr werdet hinein gezwungen und nun sollt ihr den Scheiß ausbaden. Das ist kein Leben, das ist Sklaverei. Sklaverei für einen Zweck, jeder Moral zum Trotz.

Sozialer Zusammenhalt – das ist es. Dann kann man auch hergehen und seinen scheiß Job kündigen. Verständnis aufbringen. Wenn, der eine für den Anderen da ist.
Du brauchst Essen und Unterkunft? Natürlich helfe ich dir gerne, denn mein Wunsch ist es, dass es mir und allen um mich herum so gut geht wie nur eben möglich und dafür tue ich, was ich tun kann und ich bin mir sicher, du würdest das Selbe für mich tun.
Selbstlosigkeit. Eines der größten Schätze des Seins.

Es ist erschreckend wie lobend anerkennend mittlerweile über Grundtugenden der Menschlichkeit gesprochen werden muss, weil sie einfach nur noch so wenig vorhanden sind. (Zivil)Courage, Güte, Respekt, Vertrauen – eingetauscht gegen Geld, Gesetzte, Macht und Gier.

Wir wurden auseinander gebracht. Widerwillig geben wir unser hart verdientes Geld ab, damit es anderen besser geht, während es uns selbst dabei noch gar nicht so gut geht. Wozu das Ganze? Für Rente? Ich bitte euch..
Warum quälen wir uns im vollen Bewusstsein? Nur noch 5 milliarden Jahre. Noch, wohlwollend, 68 für mich.

Die Uhr tickt.

Und so lang die Uhr noch für mich tickt, will ich die Grundtugenden der Menschlichkeit leben – denn sie machen das Leben lebenswert.