Die Geschichte eines (Abgas-) Skandals…

Ich weiß nicht wie es bei euch so ist, aber mir geistern teilweise viele Monate lang immer mal wieder die selben Themen durch den Kopf, die ich dann z.B. neben meiner Arbeit im Stillen immer wieder überdenke und analysiere.

Je mehr und öfters ich über ein gewisses Thema nachgedacht habe, desto konkreter werden gewisse Details. Kausalität, Logik. Schlussendlich werden daraus Überschriften und ganze Sätze. Dann folgen Absätze – schlussendlich bekommt ihr einen neuen Beitrag zu lesen.

Nicht jeder vergangene Beitrag war nun dieser Natur, der nun Folgende wird es aber sein.
Ich hab einfach das Gefühl, dass das Thema nun bereit ist aus meinem Kopf zu verschwinden und in den ersten Tagen nach meinem Urlaub sprudelten die Ideen dazu nur so herum.

Das Thema ist ebenso aktuell wie uralt. Vor allem weil es mich auf der Arbeit betrifft messe ich dem Ganzen auch eine gewisse Bedeutung zu – denn es wird sich um den Dieselmotor drehen.

Aktuell

Im Rahmen der aktuellen Klimadebatte und dem Abgasskandal ist rund um den Dieselmotor eine große Diskussion entfacht.

Dieselabgase – verantwortlich gemacht für schlechte Luft in Innenstädten.

Feinstaub – verantwortlich für Krebserkrankungen.

Für alle nicht so versierten Menschen stellt sich doch eigentlich erstmal die Frage, wie es zu diesem Skandal überhaupt kommen konnte und was die ganze Diskussion über den Dieselmotor eigentlich soll.

Grundlagen

Der Dieselmotor ist eigentlich ein Verbrennungsmotor mit Kompressionszündung.
Im Gegensatz zu seinem Benziner-Pendant benötigt er keine Zündkerzen, denn der Dieselkraftstoff verbrennt beim vorhandensein einer entsprechend hoch komprimierten Luftmenge von selbst im Zylinder.

Vorteil des Dieselmotors im Gegensatz zum Benziner ist sein hoher Wirkungsgrad. Ein hoher Wirkungsgrad bedeutet im dem Fall, dass mehr Energie in nutzbare Leistung als in Wärme umgewandelt wird.

Selbstverständlich könnte ich das an der Stelle noch weiter ausführen, für das Grundverständnis ist aber damit alles gesagt.

Simple Past

Wir schreiben das Jahr 1985. Ein Golf GTI hat zu dieser Zeit 1,8 Liter Hubraum und leistet damit sportliche 125 PS. Selbstverständlich ein Benziner. Denn einen PKW mit Dieselmotor konnte man zu dieser Zeit eigentlich Keinem als sportlich verkaufen.

Der Dieselmotor – maximal in seltenen Turbolader-Versionen (und noch seltener mit Ladeluftkühler) einigermaßen und wenn überhaupt sowas wie ein Konkurrent für den Benziner.

Einige 300er Mercedes Diesel brachten es auf 80 PS. Dieses Fahrzeug beschleunigte nicht – es nahm Fahrt auf.

Der Dieselmotor – etwas für Nutzfahrzeuge, Taxen und schmerzfreie Langstreckenfahrer.

Laut, stinkend, langsam – Diesel. Vorglühen, Sommerdiesel, Winterdiesel – auf sowas kann man gar kein Bock haben.

Past Progressive

Aber all das sollte sich bald ändern. Der hohe Wirkungsgrad des Dieselmotors war allein schon Grund genug um weiter an ihm zu arbeiten.
Was einst selten und teuer war, wurde mit der Zeit erschwinglich und nahm dem Dieselmotor sein bis dahin eher träges Image.
Der Turbolader.

Ab Anfang der 90er gab es fast keinen Hersteller mehr, der seinen Spitzen-Diesel ohne Turbolader angeboten hat. Auch der Ladeluftkühler war kein sensationelles Highlight mehr, sondern wurde zum Standart.
Die altertümlichen Vor- und Wirbelkammerdiesel wurden schließlich durch die Direkteinspritzung ersetzt – und der Dieselmotor seit diesem Moment nicht mehr länger nur eine Randnotiz.

TDI, CDI, DTI. Diesel fahren kann plötzlich auch sportlich sein. Bei nur 5 Litern Kraftstoffverbrauch ist der Gestank und das Geräusch dann auch eher Nebensächlich.

Während der Benzinmotor in seiner Entwicklung weitesgehend stagnierte, legte der Dieselmotor ordentlich zu und gewann zunehmend an Bedeutung.

Simple Present

Sehr schnell sprach es sich nicht um, aber es sprach sich rum. Turbodiesel mit Direkteinspritzung sind klasse.
In der KFZ-Steuer lag so ein 1,9 Liter TDI zwar bei stolzen 330 € pro Jahr, bei einem Verbrauch von nur 5 Litern Diesel pro 100 KM konnte man aber immernoch sehr adäquat Auto fahren.
Diese Rechnung lohnt sich dann auch irgendwann für vielfahrende Personen, sondern auch für die, die es werden wollen.

So kam der ein oder andere schlaue Mensch auf die Idee seinen Benziner durch einen Diesel zu ersetzen.
Auch die Hersteller zollten diesem Tribut. Nur eine Modellgeneration später gab es den Golf GTI nicht nur als Benziner, sondern auch als Diesel.
Die regulären Strecken bleiben sich ja gleich, aber man kann ja jetzt auch noch mehr fahren – schließlich ist der Kraftstoff viel günstiger und der Verbrauch viel geringer.

Mal hier hin, mal da hin. Was der Benziner an der Tankstelle gnadenlos bestraft – lässt das Herz des Dieselfahrers höher schlagen.

Wer die Möglichkeit hat, der fährt. Vorallem wenn es günstig ist. Faulheit liegt in der Natur des Menschen. Um Nebensächlichkeiten wie dem Abgasverhalten oder sowas macht sich ja erstmal keiner Gedanken.

Present Progressive

Diejenigen, die sich allerdings über das Abgasverhalten ihre Gedanken gemacht haben – waren die Politiker, die die Grenzwerte für Abgasnormen festgelegt haben und die jeweiligen Daten zur Einhaltung der jeweiligen Grenzwerte festgelegt haben. Euro 2, 3, 4, 5 und so weiter und so fort.

Die Hersteller waren also gefordert Maßnahmen zu treffen um das Abgasverhalten des Dieselmotors zu verbessern.
Maßnahmen wie die Abgasrückführung, verbesserte Einspritztechnologien, Partikelfilter usw. waren das Resultat der Bemühungen, seitens der Hersteller.
Maßnahmen, die ihre Wirkung nicht verfehlen, sofern denn das Fahrzeug so genutzt wird, wie es sich für ein Fahrzeug mit Dieselmotor denn eigentlich gehört.

Die Interpretation zu diesem sog. „Nutzungsprofil“ ist bei einem Fahrzeug mit Dieselmotor und diversen Abgasnachbehandlungssystemen eigentlich ganz einfach: Man steigt ein, fährt den ganzen Tag, stellt es dann ab und wiederholt den Vorgang am nächsten Tag.
Wichtig für so einen Diesel-PKW ist nämlich, dass er regelmäßig und über einen längeren Zeitraum die Betriebstemperatur erreicht, denn ohne erreichte Betriebstemperatur erfolgt auch keine gezielte Abgasnachbehandlung.

Das blöde an so einem moderenen Diesel ist jetzt aber, dass sich so viele Menschen an den geringen Verbrauch und den neuen Diesel-Fahrkomfort gewöhnt haben und gar nicht einsehen jetzt irgendwie anders Auto zu fahren, nur weil jetzt auf einmal das Abgas eine Rolle spielt?!

Morgens 3 Kilometer zum Kindergarten, dann 2 Kilometer weiter in den Supermarkt, von dort aus 5 Kilometer nach Hause und um 12:30 Uhr wird die Prozedur nochmal wiederholt.
Ein Fahrprofil, dass nichtmal einen kleinen Benzinmotor auf Temperatur bringen würde – aber, weil Diesel fahren ja nichts kostet (abgesehen von so ein bischen Kfz-Steuer) macht man eben so weiter.

Mehr Diesel-PKW. Mehr kürzere Strecken. Das Abgasverhalten ebenso gut ausgeblendet wie den Besitz eines Fahrrads.

Skandal 

Abgesehen vom menschlichen Versagen eines Jeden am Steuer eines Diesel-PKW auf kurzen Strecken – konnten auch die Hersteller die immer kürzeren Abstände neuer Emissionsgrenzwerte nicht mit neuen Technologien bedienen.

Da die Automobilindustrie vom Wachstum lebt und neue Fahrzeuge verkauft werden müssen um Umstätze und Gewinnprognosen einhalten zu können – behalf man sich eines genialen Tricks.

Seitens der Hersteller hat man gemerkt, dass ein Dieselmotor mit Euro 5 Abgasnorm zwar realisierbar – aber für den Fahrbetrieb ungeeignet ist.
Dementsprechend hat man das Motorsteuergerät einfach mit einem Prüfstandmodus versehen und so die altertümlichen Messverfahren der zuständigen Behörden besänftigt.

Natürlich ist sowas in erster Linie möglich, weil seitens des Gesetzgebers viel zu wenig getan wurde. Analog zur Digitalisierung der Verwaltungsakte – hat man, beinahe selbstverständlich, auch in allen anderen Bereichen gepennt.
Man muss wissen, dass auch moderne Dieselmotoren nach den selben Verfahren geprüft wurden, wie vor 50 Jahren.
Aber selbstverständlich schaffen wir das. Gemeinsam.

Wer sein Auto schon mal über den TÜV gemogelt hat, der kann nun nachvollziehen, wie sich die Automobilhersteller wohl die Hände gerieben haben.
Die Hersteller wiegten sich in Sicherheit, bis dann irgendjemand gepetzt hat.

Selbstverständlich ist der Aufschrei riesen groß. Die bösen Hersteller! Manipulieren einfach so die Steuergeräte, nur damit die Werte stimmen – Skandal!

Klagen, Rückrufe, Softwareupdate – die Konsequenzen sind hinlänglich bekannt. Nahezu jeder Hersteller hat sich in dieser Hinsicht nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert.
Auch der Gesetzgeber hat plötzlich gemerkt, dass ein 50 Jahre altes Messverfahren ja gar nicht so toll ist.

Jetzt muss auf einmal alles ganz schnell gehen. Neue Messverfahren. Strafen. Sanktionen. Bußgelder. Messzellen. Fahrverbote. Umweltzonen. Feinstaubplaketten.
Dem blinden Aktionismus werden keine Grenzen gesetzt. Die Luft muss wieder besser werden – JETZT.

Der ganze Fauxpas hat dem Dieselmotor seinen guten Ruf, den er sich zu Beginn der 90er gemacht hat, gekostet. Der Dieselmotor ist ab jetzt nur noch eins – schlecht. Und schlechte Sachen müssen weg.

Und um das nochmal zu verdeutlichen: Wir reden hier von normalen PKW – keinen Nutzfahrzeugen wie LKW oder Schiffen. Die Nutzungsprofile dieser Fahrzeuge reichen in der Regel aus um das Abgasverhalten dem Nutzen verträglich gegenüber zu stellen.
Das ist auch der Grund warum niemand über Schiffe in der Politik spricht.

Ein Containerfrachter z.B. ersetzt auf seinem Seeweg bis zu 20.000 LKW. Und 20.000 LKW sind für die Umwelt deutlich weniger vertäglich, als ein Frachtschiff.

Wir stellen fest

Im Gegensatz zum Benziner, hat der Diesel in den letzten 30 Jahren im Bereich der privaten PKW Nutzung an Bedeutung gewonnen.

Gründe dafür:

  • Groß-Serienreife des Abgasturboladers
  • Verbesserte Einspritztechnologien
    • dadurch verbesserte Fahreigenschaften und gestiegene Attraktivität durch generell bessere Kraftstoff-Verbrauchswerte.

Die Entscheidung einen Diesel zu kaufen wurde erheblich vereinfacht. Während Benziner quasi seit einem halben Jahrhundert nur marginale Veränderungen erfahren haben, die sich hauptsächlich auf die Einspritztechnologie beschränken – hat der Dieselmotor seine Trägheit vermindern können, wurde deutlich leiser und durch das nahezu vollständige Wegfallen des lästigen Vorglühen auch deutlich leichter zu handhaben.

Bis Abgasnorm Euro 3 war es möglich mit einem bis dato modernen Diesel PKW genau so zu verfahren, wie mit einem Benziner – inklusive der Verbrauchsvorteile.

Mit zunehmend strengeren Abgasgrenzwerten seitens der Gesetzgeber stiegen die Anforderungen an das Fahrprofil der Dieselfahrer.

  • Die Hersteller schafften es nicht, technische Maßnahmen zu finden, diese Werte, über die gesamte Bandbreite der Nutzung, zu erreichen.
  • Auch der Gesetzgeber sah sich nicht dazu veranlasst die Anforderungen an Halter von Diesel-PKW entsprechend festzulegen und den Bestand damit sinnvoll zu regulieren.

Autos werden immer schwerer, Benzin immer teurer. Einen SUV mit 2 Tonnen Leergewicht lässt sich als Benziner kaum unterhalten. Ein SUV möchten dennoch gern viele Menschen fahren.  Die Lösung? Ein Dieselmotor.
8 Liter Verbrauch in einem Diesel-SUV lassen sich deutlich besser verkaufen als 15 Liter Benzin.
Das Bewusstsein für die Umwelt spielt bei den Menschen eine untergeordnete Rolle – das ist nunmal so – die Hersteller wissen das.
Und da ein Hersteller  Autos verkaufen will liegt es an der Gesetzgebung entsprechende Maßnahmen zu treffen.

Wir stellen fest: Irgendwann musste es genau so kommen. Der Diesel wurde eine brauchbare Alternative zum Benziner.
Maßnahmen die Attraktivität für Benziner deutlich zu steigern bleiben seit Jahren aus. Maßnahmen für eine umweltverträgliche Alternative zum Diesel wurden nicht in die Wege geleitet, dabei gibt es sie.

Alternativen

Der große Knall ist jetzt da und nun sind schnelle Maßnahmen gefordert. Hersteller wollen und müssen weiterhin Autos verkaufen und können jetzt nicht mal eben die Produktion einstellen um gute Alternativen zu erforschen.

So wählt man den Weg des geringsten Widerstands – und der heisst E-Auto.

Elektromotoren und Akkus gibt es ja schon lange, Steckdosen sind auch überall vorhanden – dementsprechend preiswert ist diese Option.
Das E-Auto ist der billige Versuch der Hersteller sich geschickt aus der Affaire zu ziehen.
Mit Reichweiten von bis zu 150 Kilometer und äusserst fragwürdigen Produktionsprozessen von z.B. Akkus und auch dem benötigten Strom stellt sich die Frage, ob das E-Auto eine Alternative sein soll – oder ein übler Scherz?

Forschungen sind extrem teuer und rentieren sich nur über sehr viele Jahre. Wie kann man als Vorstand eines großen Herstellers seinen Aktionären wohl verkaufen, dass man zehn Jahre weniger Gewinn machen wird, weil die Luft schlecht ist? Schwierig, oder?

Dass das Erdöl nur begrenzt vorrätig ist, habe ich vor gut 30 Jahren schon in der Schule gelernt und verinnerlicht. Offenbar scheint diese Weisheit am Gesetzgeber spurlos vorbei gegangen zu sein, denn warum wurden die Hersteller denn nicht durch entsprechende Vorgaben dazu motiviert Erdöl-unabhängige Alternativen zu Stande zu bringen?

Das nun folgende Video zeigt euch, wie der Entwicklungsstand 1975 war, als der Dieselmotor quasi noch keine echte Alternative war:

 

Wir stellen fest – es geht. Alkohl ist offenbar doch eine Lösung. Auch das Wasserstoffkonzept ist nicht neu. Zwischen 1975 und 2019 liegen 44 Jahre.
In diesen 44 Jahren wurde das Internet erfunden und schaffte seinen Durchbruch. Kassetten und Schallplatten wurden durch CD, DVD, Blue-Ray, MP3 und Streaming ersetzt. Smartphones überall.
Aber Autofahren kann man nach wie vor nur mit Benzin, Diesel und teilweise Gas.

Da muss man sich eigentlich fragen: Was hat die Automobilindustrie die letzten 44 Jahre diesbezüglich eigentlich gemacht?

Es ist ja sehr nett, dass man jetzt in jedem Auto eine Klimaanlage hat und mit diversen Airbags und sonstigen Sicherheitssystemen sowohl bei der Verursachung als auch bei Eintreten von Unfällen geschützt wird – aber dabei handelt es sich hautpsächlich um elektronische Helfer und deren Helfershelfern. Rein mechanisch sind keine wirklichen Durchbrüche zu verzeichnen.
Mehr Elektronik, mehr Plastik, mehr Gewicht, mehr Austattung, immer günstigere Preise und Herstellungskosten – das sind die Resultate von 44 Jahren.

Wie vor 44 Jahren rosten Autos auch heute noch, verursachen viel Lärm, benötigen Wartung und Pflege.
Im Winter vereisen Scheiben und Türen, nur im Sommer ist es dank Klimaanlage, gefüllt mit umweltschädlichen Gasen, ein bischen erträglicher geworden.
Mehr Autos, mehr Verkehr, mehr Unfälle. Mehr Komfort und Sicherheit. Der Aspekt der Umweltverträglichkeit wurde kaum berücksichtigt.

Die Hersteller müssen verkaufen. Das Land braucht Arbeitsplätze und Einnahmen. Man tritt auf der Stelle. In einem Land, das in großen Teilen abhängig von der Automobilindustrie ist, fällt es als Gesetzgeber schon ein bischen schwer die Zügel etwas anzuziehen – nachvollziehbar, aber nicht vertretbar.
Als Gesetzgeber muss klar sein, dass im gelebten Kapitalismus niemand aus reiner Selbstlosigkeit handelt. Es ist seine Pflicht, dafür zu sorgen.

Das folgende Video zeigt euch, wie es mit simplen Maßnahmen möglich ist den regulären, fossilen Kraftstoffverbrauch Mithilfe von Wasserstoff signifikant zu senken:

Ganz geil, oder? Aber nein, das ist keine Erfindung der Automobilindustrie oder Serienausstattung – es handelt sich um ein Bastelprojekt.
Was sagt uns das? Wenn man motiviert genug ist oder wäre – dann kann man der Umwelt zu liebe einiges bewegen.

Und es geht weiter. Im nun folgenden Clip könnt ihr sehen, wie Fahrzeuge mit Druckluft betrieben werden können:

 

Fazit

Eigentlich bleibt an dieser Stelle nur noch Eins zu sagen: Der Dieselskandal ist in dem Sinne kein Skandal, da es wirklich brauchbare Alternativen auf dem Markt gibt. Aber „man“ (was sich auf Industrie und Regierung bezieht) will gar keine Alternativen.

Der eigentliche Skandal ist, dass allein aus wirtschaftlichen Interessen, diesen Alternativen am Markt jegliche Chance genommen wird.

Wir leben in einer Welt, in der Geld und Macht regiert und auch nur Geld und Macht einen Anreiz darstellen. Mehr verkaufen, mehr Umsatz, mehr Gewinn.
Die Umwelt spielt bei all dem keine Rolle.

Das E-Auto und der Abgasskandal sind kein Gewinn für das Weltklima, sondern ein Blendwerk von Industrie und Politik, um der breiten Masse ein gutes Gefühl zu geben und hinter den Kulissen alles genau so weiter laufen zu lassen wie bisher.
Wir werden es nicht erleben, dass sich Politik und Industrie als Sündenböcke preisgeben und vor der Gesellschaft zu Kreuze kriechen.

Das Einzige was in dieser Welt bleibt, sind du und ich. Ich, wie ich einen Beitrag wie diesen schreibe und du, wie du ihn liest und hoffentlich auch verstehst, dass diese Welt krank ist und es mehr braucht als Neuwahlen.

Sommerpause 2019

Mit dem heutigen Beitrag verabschiede ich mich in die Sommerpause.

smarter Rückblick

Seit meinem Umzug ist in meinem Smart-Home noch nicht wirklich viel (neues) passiert. Wie bereits erwähnt habe ich das gesamte Sortiment an Sonoff-Komponenten rausgeworfen und bin komplett auf Zigbee umgestiegen. Generell habe ich mich etwas mehr mit Zigbee auseinander gesetzt und unter Anderem auch einen Router gebaut.

Meine Sonoff S20 Steckdosen habe ich durch Osram Smart + Plugs ersetzt. Ich muss gestehen, dass ich derzeit aber nur eine einzige Steckdose in Betrieb habe.

Sehr zu empfehlen ist die Verwendung von Libreelec auf dem Asus Tinkerboard. Derzeit habe ich diese Konstellation in meinem Schlafzimmer in Betrieb und bin absolut zufrieden.

Wie einige von euch wissen arbeite ich in einer freien Kfz-Werkstatt spezialisiert auf die Marke Smart.
Meiner Abneigung der Fahrzeuge zum Trotz, habe ich mir in diesem Jahr tatsächlich mal selbst ein Smart (Cabrio) zugelegt und meinen Vorstellungen entsprechend aufgebaut. Dieses kleine Projekt war auch der Grund für die eher schleppenden Fortschritte in meinem Smart-Home.
Mein kleines Cab habe ich aber für’s erste fertig gestellt und genieße im Sommer nun die Fahrten oben ohne 😉

Zeit also sich einige Gedanken um zukünftige Projekte zu machen.

smarter Ausblick

Vor geraumer Zeit hatte ich bereits mal einen Smart-Mirror gebaut. Bisher  bin ich aber wirklich nicht in der Lage gewesen das Projekt komplett fertig zu stellen.
Gern möchte ich das in Zukunft ändern und den Mirror sowohl als digitalen Bilderrahmen, als auch als Status-Display für mein Smart-Home nutzen. Mal sehen ob mich das Ergebnis denn selbst zufrieden stellen kann.

Ebenfalls habe ich mir in den letzen Monaten zwei alte Röhrenradios gekauft. Eines davon wollte ich orignal überarbeiten und in meiner Wohnung als Deko-Element nutzen und aus dem Anderen wollte ich meine eigene, moderne Interpretation eines Radios bauen.
Aktuell sind beide Radios bis auf die letzte Schraube zerlegt und die Gehäuse warten auf ihre Überarbeitung.

Mehr möchte ich an dieser Stelle erstmal nicht versprechen. Wer weiß wann ich die Motivation finde ein Projekt anzugehen.

Schlusswort

Seit knapp vier Monaten wohne ich nun, zum ersten Mal in meinem Leben, alleine. Die Entscheidung zu gehen und noch einmal bei Null anzufangen war schwer und oft war ich kurz davor aufzugeben.
Innerlich legt man sich einen Plan zurecht. Aber Erstens – kommt es anders und Zweitens – als man denkt.
Oft hat mir das Schreiben geholfen mich ein bischen von dem nagenden Kummer abzulenken, auch keine kleinen Projekte waren sehr hilfreich. Reden, etwas unternehmen, meine Kids.
In sehr kleinen Schritten habe ich den Weg in sowas wie Normalität zurückgefunden.

Die wichtigste Lektion aber war, das man ab und zu auch konsequent sein muss. Rumgeeier hat mir noch nie gut gefallen und nie hat es mir so sehr missfallen wie in den letzten Monaten. Daher war es auch an der ein oder anderen Stelle richtig zu sagen – „Nein – so nicht mehr“. Klar, fällt es mir immer noch nicht leicht andere Menschen zu enttäuschen, aber es Allen recht zu machen ist eindeutig nicht die Lösung.

Wohin mich mein Weg führen wird weiß ich nicht. Ich habe auch aufgehört mir konkrete Pläne zu erarbeiten. Je versessener man selbst an einem Plan arbeitet, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass man an seinem eigenen Anspruch zerbricht.
Ich habe gelernt ein Stück weit den Moment zu leben und nicht ständig alles langfristig auszulegen.
Es fühlt sich gut an. Gut, ohne Hintergedanken, Sorgen oder Reue einfach genau das zu tun, was man grade tut. Egal was, egal wie lang. Nur der Moment und ich.

Momentan habe ich Bock darauf mich beruflich mal neu zu erfinden. Ich habe Bock meinem kleinen Bruder Nachhilfe zu geben und ich habe Bock oben ohne in meinem selbst gebauten Cabrio durch die Gegend zu fahren.
Habe Bock auf gutes Essen, Bock auf Bier, Bock auf gute Stimmung.
Was mal war interessiert mich grade eigentlich gar nicht und ich bin froh darum mal eine Zeit zu erleben, die nicht an die Missstände der Vergangenheit erinnert.

Es ist für den Moment einfach schön frei zu sein. Frei von dem was mal war und bereit für alles was kommt.
Ich denke im Gegensatz zu dem was war, ist das schon ein riesen Schritt.

 

Ich denke ich werde ab September langsam wieder anfangen einige Beiträge zu veröffentlichen.
Bis dahin wünsche ich euch allen einen wunderschönen Sommer und ein gutes Gelingen bei all euren kleinen Projekten.

 

 

 

 

Nachruf

„Lebst du noch?“

Eigentlich eine gängige Frage, über die man sich nur wenig Gedanken macht. Im Laufe des Lebens lernt man viele Menschen kennen.
Einige mag man, einige nicht. Mit einigen hat man viel Kontakt, zu Anderen weniger. Kindergartenfreunde, Klassenkameraden, Arbeitskollegen, Kommilitonen,  Freunde, Bekannte, Verwandte.

Manchen schreibt man regelmäßig, manchen nur sporadisch.
Dann, irgendwann, kommt der Moment an dem einem einfällt „Mensch, von dem hast du ja schon lang nichts mehr gehört“.
Bei Facebook mal schnell das Profil gesucht und plötzlich stellst du fest, dass dieser Mensch tot ist.

Diesen Eintrag widme ich meinem alten Arbeitskollegen Thomas.
Auf das die Wolken am Himmel verbranntes Öl sind, die Einer deiner zahllosen Motoren, die du gebaut hast, zum Auspuff hinaus bläst.

Auch wenn ich von deinem Tod (ende März) erst jetzt erfahren habe berührt es mich sehr. Du warst ein herzensguter Mensch und hattest immer ein offenes Ohr.

Danke, dass ich dich kennenlernen durfte. Ich hoffe der Ort, an dem du jetzt bist, ist ein Besserer.

Mögest du in frieden Ruhen, alter Freund.

Nüchtern betrachtet

Liebe Leser,

vor einigen Wochen berichtete ich euch davon, dass dieses Land krank sei. Um einen kleinen Eindruck davon zu bekommen, wie ich „krank“ interpretiere – habe ich euch ein kleines Video mitgebracht:

 

Während der Deutsche sich also vom Staat verarschen lässt, lässt sich der deutsche Staat von Schutzsuchenden und Einwanderern verarschen.

Schuld daran sind aber nicht etwa die Schutzsuchenden und Einwanderer, das wäre zu einfach, schuld ist der Deutsche. Schließlich darf jeder Deutsche selbst wählen, wer das Land regieren darf und welche Gesetze gelten sollen.

Uns hier fängt das Dilemmma an.

In der Regel interessieren sich die wenigsten Deutschen für Politik. Wozu auch, wer 40 Stunden pro Woche arbeiten geht, der will das verdiente Geld auch irgendwann mal zum Fenster raus hauen. Der Deutsche feiert, der Deutsche säuft. Der Deutsche renoviert, der Deutsche baut. Nebenbei hat man dann noch Familie und Freunde zu bespaßen, da bleibt keine Zeit für Politik.
Über Politik wird immer nur dann gesprochen, wenn es was zu mosern gibt – und davon gibt es beileibe viel zu viel.

Gesundheitssystem scheiße, Rentensystem scheiße, Pflegesystem scheiße, Arbeitsmarkt scheiße, Einwanderungspolitik scheiße, Straßen scheiße, Steuersystem scheiße. Überall wird man verarscht.
Unternehmen, mit viel zu viel Einfluß. Polizei mit zu wenig Personal  und zu guter Letzt: Ein Flughafen, der niemals fertig wird.

Deutschland. Das Land der Dichter und Denker – hat sich selbst abgeschafft. Schon lang bevor alle über Thilos Buch gelacht haben.

Vom einstigen Wohlstand ist nicht mehr viel da. Der Wohlstand wurde nach Asien ausgelagert. Im Auslagern ist Deutschland nämlich immernoch am Besten.
Grundig, Telefunken, Loewe, Blaupunkt, Nordmende, Graetz – heute Samsung, LG, Sony, Philips und die chinesischen Lizenznehmer nicht zu vergessen.

Produktionslinien für Fahrzeugteile und/oder ganze Fahrzeuge – ausgelagert. Nach Tschechien, Spanien, Polen.

Wirkstoffe für Arzneimittel werden übrigens ebenfalls hauptsächlich in China produziert. Das klappt sogar so gut, dass im gebliebten Vaterland teilweise Lieferengpässe herrschen.

Wer jetzt einen kurzen Moment inne gehalten hat, der stellt fest: Man, das sind verdammt viele Arbeitsplätze..

Korrekt, aber es sind nicht nur Arbeitplätze – es ist auch das Know-How das verschwindet. Wenn eh alle Fernseher in China produziert werden, brauch das doch in Deutschland keiner mehr lernen?! Dann lieber BWL studieren und anschließend bei KIK ne Filiale leiten und Klamotten aus Bangladesch verscheuern.

Der Deutsche ist sich selbst zu teuer und an seinem eigenen Geiz gestorben. Jetzt wird halt nur noch gemosert. Das Miteinander und das Vertrauen sind mit der Zeit verloren gegangen. Der Deutsche kämpft einsam. Am Stammtisch, am Mittagstisch, im Freundeskreis, beim Abendbrot.

Jetzt. Ich meine im Hier und jetzt. In diesem Moment, wo du diesen Beitrag liest – wird dir wieder klar „der Mann hat Recht“ und eigentlich siehst du all das genau so. Geschehen wird trotzdem nichts. Und warum nicht?

Bevor dieses Land seine Krankheiten loswerden kann, muss erstmal das Weltklima gerettet werden.
Dumme Gören flitzen nun Freitags durch die Innenstädte, schwänzen die Schule und gröhlen Parolen, für dessen  Verständnis ihnen jede Kompetenz abgesprochen werden muss.
Angestiftet durch Grün/Linkes Lehrergesochs, das keinen Unterricht mehr macht, sondern Meinungsmache betreibt.  Und die Masse jubelt und klatscht. Schnell den Nobelpreis verleihen, damit der größten Verasche, der gesamten Menschheit auch ja genug Tribut gezollt wird.
Das Gewissen, dem Klima gegenüber, muss so dermaßen schlecht sein, dass dem Deutschen keine Zeit mehr bleibt die ganzen anderen, wichtigeren Baustellen zu erkennen, sich zusammen zu schließen und dem Irrsinn ein Ende zu bereiten.

Dieses Land ist krank, meine lieben Leser. Und Kranke heilen nicht zwangsläufig, sie sterben auch manchmal.

Alles gut

Wollen, aber nicht können. Können aber nicht wollen.

Seit Tagen eiern mir diese Worte im Kopf rum, aber ich hab sie einfach nicht einordnen können.
Ich will was schreiben, aber ich kann nicht.

Ein Beitrag zu ehren eines Helfers. Geräuschlos und geräuschvoll. Unsichtbar und sichtbar. Vergessen, aber immer präsent. Weit weg und doch sehr nah.
Rotierend oder schwingend. Gefangen und frei.
So vielseitig und so wenig gewürdigt.

Auf seiner Ewigen reise durch die Kabel dieser Erde, leistet das Elektron heldenhafte Arbeit – und niemand spricht darüber.
Niemand nennt seinen Namen, niemand feiert ihm zu Ehren ein Fest.

Kein Bild, kein Ton – ohne Elektron. Held des Alltags. Auf das dich dieser Beitrag für immer in der Form würdigt, die dir gebührt.

Immernoch blockiert. Dabei strömen sekündlich neue Ideen durch mein Gehirn. Jede für sich, kein Gesamtbild. Eine endlose Kette mit losen Gliedern, die darauf wartet zusammengefügt zu werden.
Tic Tac – die Uhr schreitet voran. Schon wieder vierzehn Uhr und das Uhrwerk dreht sich unaufhaltsam. Wieder ein Elektron, das tapfer seinen Dienst verrichtet.

Während senkrecht ständig die Worte vor dem inneren Augen entlang schwinden, senkt und hebt sich die Sonne. Es wird dunkel, es wird hell. Manchmal träume ich sogar davon.  Ich wache auf, wenn die Sonne untergeht. Du tippst, aber keine Nachricht kommt. Manchmal hab ich sogar was geschrieben, vollkommen surreal und ohne Kontext.  Dann wache ich auf.

Ich will es verstehen und kann es nicht. Ein langer Weg, durch einen riesigen Irrgarten. Der Wind pfeifft heftig, wenn ich falsch abbiege – doch auch wenn ich stundenlang den richtigen Weg gegangen bin, komme ich nicht am Ziel an.
Manchmal werde ich müde. Irgendwo muss doch dieser scheiß Ausgang sein..
Erstmal Kaffee und Tablette, dann wird es schon.
Irgendwann wird schon was passieren. Aber was nur? Erstmal nen Bier. Bald wird es wieder dunkel, dann wieder hell.
Zwischendurch sehe ich wieder diese Nachrichten. Sehe eine Welt, die schön ist. Dann wache ich auf – und bin traurig.
Irgendwann wird schon was passieren. Wenn die Uhr nur oft genug ihre Runde gedreht hat. Tic Tac – wieder ein Tag vorbei.

Ich sitze da, es fühlt sich langsam an. So langsam wie ein Reptil, das in der Kälte sitzt. Starr und stoisch. Sinnlos.
Ich gehe eine Runde. Eine große Runde. Aber sie fühlt sich gar nicht lang an, sondern nur schnell. Ruck Zuck war ich wieder zuhause. Unterwegs sah ich ein Objekt, mit einem wahnsinns Dekolleté. Der Mund wurde wässrig. Alles noch in Ordnung.

An einem anderen Ort sah ich eine Frau. Ganz flach, aber mit einer so bekannt liebenswerten Aura. Zuckersüß. Ich musste immer hingucken. Alles noch in Ordnung.
Nebenan war immer die Lüge, umgeben von Schwarz. Scheinheiliges grinsen, so widerlich, dass ich kotzen will. Ying und Yang. Immnoch alles in Ordnung.

Hin und wieder werfe ich ein Blick auf’s Display. Schon fünfzehnuhrdreissig. Danke liebe Elektronen.
Ihr seid überall und nirgendwo. Ohne euch wäre meine Welt nicht die Selbe.

Oft ist das fühlen einer Aura ein Fluch. Oft ist es ein Segen. Die Stimmung in einem Raum, die Ausstrahlung einer Person. So kann man auch ohne Augen die Welt sehen.

Es ist schon wieder spät. Tic Tac. Das relative drehen der Zahnräder gibt den Takt an. Ein Zeiger hier, einer da. Früh, spät, um. Zeit haben, Zeit nehmen. Können und wollen. Labern und machen. Alles wie immer, alles in Ordnung.

Sometimes I like to write down something in english. Sometimes I would like to take a guitar. Sometimes I would like to take a mic and scream out everything.
I’d like to travel arround. Watch out the greatness of nature. A roadtrip on a motorcycle. Route 66. Freedom.

Parfois francais, a veces español. No importa lo que traiga el futuro – at this moment, everything is fine.

 

Liberate your Mind

Denkblockade. Geistige Leere.
Die Tür zur Kreativität – verschlossen. Der Schlüssel steckt, aber du kannst ihn nicht drehen.
Ein kleiner grüner Kobold hüpft auf und ab und bewegt seinen Kopf dabei nach links und rechts. Er streckt die Zunge raus, denn nur er kann den Schlüssel drehen.
Sieh nicht hin, sagt er, und ich dreh den Schlüssel um, fährt er fort.

Tiefes einatmen – gleich tauchst du ab und wenn du wieder auftauchst, ist die Tür geöffnet.
Nichts da, du hast geblinzelt. Der kleine Kobold grinst widerlich und dreht den Schlüssel wieder zurück.

Stunde um Stunde. Tag um Tag.
Egal was du auch tust um nicht hinzusehen, immer wieder riskierst du einen Schummler, aber der widerliche Kobold merkt es sofort und du fängst wieder ganz von vorne an..

Znwaizg Tgae snid voebri. Ncoh iemmr am Nplulnkt. Etgiecnlh wlelstott du das sonhcn imemr mal mhecn, aebr iwrdnegie oedr idaenrwgs hat dcih dvaon agehalbten. Auf einmal stellst du fest, dass der Kobold eigentlich du selbst bist.
Die Tür geht wieder auf. Der Blick in den Raum ist irgendwie ungewohnt. Fast wie neu, aber doch bekannt.
If this door  have been closed – then maybe for ever?
Is my mind playing a game? And where is that green thing  gone to?
I can’t remember myself – ever been that ugly?!

Lost in a dream of mirrors. Lost in a paradox. 14,7:1  – 7° v. OT nur der Funke fehlt.

Mental Omega

Liebe Leser,

mit meinem heutigen Blogeintrag widme ich mich einem sehr persönlichen Thema und hoffe wieder einmal, ein Bewusstsein schaffen zu können.
Ein Bewusstsein dafür, dass man nicht nur mit den Augen sehen kann. Ein Bewusstsein dafür, wie der Schmetterlingseffekt wirken kann und das man selbst lieber nicht derjenige sein will, der die Flügel schlägt.

chronisch 

Ich nehme an, dass jeder von euch jemanden kennt, der an einer chronischen Krankheit leidet – oder ihr gar zum Opfer gefallen ist.
Asthma, Rheuma, Herz-Kreislauf, Neurodermitis, Diabetes, Krebs.

Wer mal eine Erkältung hatte, der weiß wie es sich anfühlt krank zu sein. Eine Erkältung klingt zum Glück nach ein bis zwei Wochen wieder ab – eine chronische Krankheit bleibt. Für immer.
Und im schlimmsten Fall fühlt sich ein jeder Tag eines chronisch Kranken genau so an, wie ihr euch bei einer Erkältung fühlt..

Allerdings könnt ihr das natürlich alle auch nachvollziehen. Schliesslich machen viele der chronischen Krankheiten den Betroffenen ja auch sichtbar krank – und meist glaubt man ja nur was man auch mit den eigenen Augen sehen kann.

Es schmerzt sehr seine eigene Mutter, nach einer Krebs-Therapie, ohne Haar sehen zu müssen.
Es schmerzt sehr, zu sehen, wie ein geliebter Mensch leidet.
Es schmerzt sehr, wieder einen Mensch zum Grabe zu tragen, der den Kampf verloren hat.

Diesen Schmerz kennt leider jeder von euch. Verlust.
Eine Zeit lang fragt man sich selbst, was man hätte tun können, damit es dem Betroffenen vielleicht besser geht / gegangen wäre. Fühlt sich elend und leer.
Man realisiert eine kurze Zeit, wie schön es ist gesund zu sein und kehrt dann in den Alltag zurück.

imagine this

Sich elend und leer fühlen – das ist beileibe kein Zustand, in dem man sich lange befinden möchte. Das wird jeder nachvollziehen können.
Doch es gibt Menschen, die befinden sich dauerhaft in diesem. Auch diese Menschen sind krank. Doch niemand realisiert es.

Depressionen. Eine chronische Krankheit, die wirklich eine ist – aber nicht als diese wahrgenommen wird, dabei leidet ein Betroffener jeden Tag fürchterlich. Für das Auge unsichtbar.

Zu sehen ist nur ein Haufen Elend. Antriebslos, freudlos, lustlos, zurückgezogen.

Für das sehende Auge sind diese Symptome leicht zu verwechseln mit schlechter Laune, Faulheit oder Verschrobenheit.

Nichts, worüber man sich Gedanken machen müsste. Das geht nach zwei Wochen schon von selbst wieder weg. Geht ja jedem mal so. Soll sich mal nicht so anstellen. Muss sich mal zusammen reißen. Das wird schon wieder.

Das, meine lieben Leser, sind die absoluten größten Fehleinschätzungen, die ihr einem chronisch Depressiven gegenüber äussern könnt oder denken solltet.

Wer von euch schon mal richtigen Liebeskummer hatte, der kann vielleicht im Ansatz nachvollziehen, wie sich ein an Depressionen leidender Mensch über viele Jahre hinweg fühlt.

understand this

Depressionen sind sehr vielfältig. Mal eine längere Zeit schlecht drauf ein, oder mal kein Bock zu haben – das hat mit Depressionen nicht zu tun.

Chronische Depressionen dauern viele Jahre an, sie kommen und gehen. Die Ursache beschränkt sich auch nicht immer nur auf einen Vorfall, sondern auf ein großes Konstrukt aus einem hohen Level an negativem Stress, Angst, mangelhaften Selbstwertgefühl, verletztem Vertrauen und weiteren, meist persönlichen Vorfällen, die dem ganzen dann noch die Krone aufsetzen..

Merke: Es gibt niemals nur das eine Problem.

Der Depressive ist nicht immer nur total down, viel mehr oszilliert seine Stimmung um den Nullpunkt. Wobei der Nullpunkt für einen Depressiven schon eher als ein guter Tag zu bezeichnen ist. Eine Grundstimmung gibt es nicht.
Wie gut – oder wie schlecht ein Tag ist – also quasi die Amplitude der Oszillation, um dem Nullpunkt, ist nie vorhersehbar.

Einem super Tag können zwei ganz miese Wochen folgen. Ebenso kann ein angebrochener, mieser Tag – immernoch ein super Tag werden. Manchmal ist man sogar zwei Wochen lang richtig gut drauf und reißt in der Zeit ganze Bäume aus. Im Fachkreis spricht man dann von einer Manie.

Bei einer Manie ist man aber nicht grad mal kurz geheilt, sondern weiterhin krank. Denn nach einer Hoch-Phase – folgt immer wieder ein tiefes Tief.

Es muss auch nicht immer irgendwas besonderes vorgefallen sein, warum ein super Tag dann plötzlich scheiße wird. Manchmal sieht man kurz die Sonne – und schon ist ein mieser Tag wieder gut. Manchmal scheint die Sonne und man will lieber den ganzen Tag im Bett liegen bleiben und in Embyonalstellung die Wand anstarren.

An einem solchen Tag oder in einer solchen Phase hilft auch gut zureden nichts. Der Depressive ist dann nicht in der Lage sich selbst zu helfen – er will es, aber kann es nicht.

Es ist auch niemals schon wieder irgendwas – es ist immer das Gleiche. Der Depressive befindet sich in einem geschlossenen Kreis und jagt seinem eigenen Schwanz nach.

Merke: Für einen Depressiven ist jeder Tag ein Kampf gegen eine unüberwindbare Hürde in seinem Kopf. Manchmal schafft er es ein Stück hoch zu klettern, manchmal rutscht er wieder ab. Manchmal sitzt er oben drauf,  manchmal steht er unten vor und hat keine Ahnung wie man klettert oder springt.

Die Verkettung der ungünstigsten Umstände, die zur chronischen Depression führen, liegen stets in der Vergangenheit und nie in der Zukunft.
Ein Depressiver hat nur an mehreren, aufeinanderfolgenden guten Tagen eine vage Vorstellung von der Zukunft.
Es sind meist extrem komplexe und detaillierte Vorstellungen, eng verzweigt – und am besten müssen alle davon zeitgleich ablaufen, damit der Depressive soviel positive Energie, wie nur eben möglich aus den Situationen ziehen kann.

Merke: Ein Depressiver will nicht depressiv sein. Häufig steht er sich selbst im Weg.

An schlechten Tagen sieht er absolut schwarz. Eine Zukunft existiert in diesem Moment nicht. Zu sehr quält der Tag mit dem unsäglichen Leid, der Vergangenheit.
Es fällt an diesen Tagen unwahrscheinlich schwer sich festzulegen oder zu entscheiden, keine Vorstellung von der Zukunft – keine Entscheidungsfreude. Irgendwie logisch.

In diesen Phasen strebt der Depressive nach maximalem Freiraum. Im Umkehrschluss fühlt er sich von allem eingeengt. Dieses Gefühl, der Enge, kann zu Kurzschlussreaktion führen. Ebenfalls sind Depressive in diesen Phasen häufig gereizt und genervt.

An dieser Stelle irgendwelche Diskussionen oder Streitgespräche anzufangen, ist für den Depressiven ein Anlass sich nur noch schlechter zu fühlen, denn in diesen Phasen wird ausschließlich Negatives absorbiert.
Im Endeffekt wird sich der Depressive auch aufgrund von Streitgesprächen möglicherweise noch Wochen später schlecht fühlen.

Merke: Wenn man weiß, dass ein Depressiver in einer schlechten Phase steckt – dann nimm darauf Rücksicht. Dem Depressiven ist es viel mehr geholfen, wenn man ihn versucht mit nem lockeren Gespräch aufzuheitern, als ihm vorzuführen, wie scheiße er ist – denn Eins muss euch klar werden – der Depressive fühlt sich so, weil er sich selbst für Scheiße hält – das braucht ihm dann niemand weiter unter die Nase reiben.

thin line between life and death

Wer ständig darüber grübeln muss, warum man selbst Scheiße ist und nach maximalem Freiraum strebt, der denkt zwangsläufig daran sich das Leben zu nehmen. Denn nirgends genießt man mehr Freiheit, als six feet under.

Ein Depressiver braucht das auch nicht von langer Hand zu planen, ihm reicht dazu eine banale Situation, in einer Phase des Tiefs.

Auf der Maloche war nur Stress, zuhause wartet noch mehr Arbeit – dann sitzt man gemütlich mit ner Dose Bier auf der Couch – die scheiß Dose rutscht einem aus der Hand und Bier läuft auf Hose.
Der gesunde Mensch flucht, trocknet die feuchten Stellen, zieht sich ne frische Hose an und macht weiter.
Der Depressive flucht, steht auf um ein Trockentuch zu holen und überlegt gleichzeitig nicht direkt aus dem Fenster zu springen. Entweder springt er dann tatsächlich, oder trocknet wenigstens die Hose ab – ne frische Hose anziehen würde bedeuten, dass man die dreckige Hose ja waschen müsste – das wäre wieder mit Arbeit verbunden. Zwang.
Den Rest des Abends denkt er dann darüber nach, wie es sich wohl anfühlt zu springen und ob das Fenster überhaupt hoch genug liegen würde.

Der Grat zwischen Ich springe einfach, dann ist es endlich vorbei und dem, zumindest in Ansätzen, Handeln wie ein normaler Mensch ist verdammt schmal.

Es ist wenig förderlich einen Depressiven in einer tiefen Phase irgendwo unter Druck zu setzen. Es reicht sogar schon recht wenig Druck – um die Entscheidung zwischen Springen und Abtrocknen fliessend werden zu lassen.

Grundsätzlich lässt sich der Depressive nur ungern in irgendwas hinein zwingen. Bei Aktivitäten, die ihm Missfallen, denkt er mitunter zwangsläufig irgendwann mal daran eben vom Viadukt zu springen.

Im Kopf herrscht eben sehr viel mehr Verkehr, als es üblicherweise sein sollte. Autos fahren nicht die Straße entlang und biegen am Ende links oder rechts ab – nein, im Kopf, des Depressiven biegt das Auto links ab, rechts ab und fährt zusätzlich noch geradeaus weiter und wendet auf der Kreuzung. Alles zugleich. Aus einem banalen Szenario entstehen gewaltige Gedankenströme, die alle analysiert und miteinander verglichen werden wollen – jeder zusätzliche Parameter kann dann schon am Ende eine ziemlich gute oder eine ziemlich schlechte Reaktion hervorrufen.
Die Flucht vor diesen ganzen Gedankenströmen, die alle sehr viel Energie kosten? Die Embryonalstellung im Bett – und das anstarren der Wand.
Das es bei all dem Chaos nur umso verständlicher ist von einer Brücke zu springen liegt da beinah näher, als in Erwägung zu ziehen, dass der Depressive ohne Hilfe das Verkehrschaos in seinem Kopf beseitigen kann.

Dos & Don’ts

Wer bis hier hin einigermaßen folgen konnte, der wird sicherlich festgestellt haben, dass man, neben der eigentlichen Wahrnehmung der Krankheit, auch ein gewisses Einfühlungsvermögen, im Umgang mit dem Kranken, beweisen sollte.

Ein Depressiver muss nicht in Watte gepackt werden, aber er braucht lediglich die richtige Balance aus Freiheit und Verpflichtung. Flexibilität ist Trumpf.

Es bringt nichts einem Depressiven eine Freunde machen zu wollen, wenn man sich nicht zu 105 % sicher ist, dass der Depressive sich auch darüber freut.
Depressive Menschen können sich bei weitem nicht über alles freuen und sind hinterher eher enttäuscht von sich selbst, dass sie sich nicht darüber so freuen konnten, wie es das gegenüber möglicherweise erwartet hat.
Das zieht wieder einen Rattenschwanz nach sich, dass den Depressiven schwer belastet.
Es ist niemals seine Absicht irgendwo ein Leid zu verursachen – das kann er sich selbst nicht verzeihen.

Depressiven ist Anerkennung von Leistungen und Eigenschaften sehr wichtig. Wie oben schon geschrieben besitzt ein Depressiver kaum Selbstwertgefühl und hadern ständig mit sich selbst. Depressive brauchen immer ein Feedback. Dieses kann durchaus auch mal negativ ausfallen. Dass die Dosis hierbei nicht zu harsch ausfallen sollte, dürfte aufgrund des sehr schmalen Grats hoffentlich klar sein. Der Depressive wird sich jede Kritik, im wahrsten Sinne des Wortes, zu Herzen nehmen.

Die Vergangenheit war schwer genug, daher sollte man es tunlichst vermeiden, den Depressiven an irgendeiner Stelle im Regen stehen zu lassen (das gilt selbstverständlich auch für den Umgang mit gesunden Menschen).
Der Depressive will nicht depressiv sein, darum nimmt er jede noch so kleine Chance auf Besserung auch als eine Art Erlösung wahr.
Wenn man denkt, dass man eine Million Euro im Lotto gewonnen hat und sich schon mal ein Haus für diese Summe kauft – hinterher aber feststellt, dass die Lottogesellschaft nicht zahlen wird – hat man eine Million Euro schulden. Diese muss man den Rest seines Lebens abbezahlen.
Der Depressive braucht genau so lange, um eine neuerliche Enttäuschung zu verarbeiten…

Depressive brauchen Unterstützung. Sie brauchen Hilfe dabei zu vergessen und zu verarbeiten. Sie brauchen einen Sinn im Leben. Einen Sinn, den sie auch wollen. Für diesen Sinn würde der Depressive alles geben. Ausnahmslos. Der Depressive will geben und er muss nehmen. Mal mehr, mal weniger.
Ein Depressiver weiß, was er will und er braucht es sofort. Der Moment, in dem durch einen schmalen Spalt, das Licht einer hoffnungsvollen Zukunft auf die dunkle Seele scheint, ist der Einzige, an dem er es schaffen kann, die Hürde in seinem Kopf zu überwinden. Sei keine Bremse, sondern eine Hilfe.
Es geht dabei um das richtige Leben bzw. das Überleben. Eine Stunde deiner Zeit, hilft dem Depressiven möglicherweise sich eine Woche lang gut zu fühlen und Kraft zu tanken.

Kleinere und größere Veränderungen sind für einen Depressiven extrem anspruchsvolle Aufgaben, die jede Menge Kraft erfordern. Kraft, die mühselig über sehr lange Zeit zusammen gekratzt werden muss.
Auch wenn gewisse Handlungen nicht immer auf den ersten Blick nachvollziehbar sind, sie haben ihren triftigen Grund. Gründe, die man zumeist erst lernen muss zu verstehen.
Depressive nehmen sich viel, viel mehr Zeit zum Überlegen und wägen sämtliche Konsequenzen sehr sorgfältig ab. Versucht nicht das Handeln nachzuvollziehen, das könnt ihr nicht. Fragt einfach nach und vorverurteilt nicht. Ein Depressiver erweckt nicht den Anschein, aber er will reden. Wenn er auch grade nicht über sich sprechen möchte, dann ist so eine Hass-Predigt zumindest ein guter Anfang, die Stimmung, für ihn, etwas anzuheben.

outro

Für Jemanden, der selbst seit Jahren die ständigen Aufs und Abs am eigenen Leib erfahren muss, ist jeder Tag eine sehr spezielle Herausforderung. Man entdeckt das große Ganze und lernt das Punktuelle zu schätzen.
Zwei Situationen sind niemals gleich, aber immer besonders.

Diesen Beitrag habe ich in einem Tief geschrieben. Hätte ich ihn in einer Hoch-Phase geschrieben, würde jetzt ein Tief folgen – das weiß ich. Zu lang schon bin ich auf der Suche und zu lang schon analysiere ich Tag für Tag enorme Datenmengen und male mir meine Welt selbst schwarz an.
Vielleicht folgt ja jetzt ein Hoch – wer weiß das schon.
Der Verlauf einer Krankheit ist selten vorhersehbar, aber am Ende wäre jeder froh wieder gesund zu sein und seine Medizin gefunden zu haben (vorausgesetzt man bekommt sie auch).

Das Heilmittel für Depressionen? Der Sinn des Lebens. Einen Sinn, den man in jeder Konsequenz tragen will. Für den es sich lohnt. Immer.

Tabletten können Symptome lindern, aber keinen Wert vermitteln. Keine Kommunikation ersetzten und nicht dabei helfen, sich selbst zu helfen.
Denn schlussendlich weiß nur der Depressive selbst, was der Sinn seines Lebens sein kann – und auch wenn es unter Umständen sehr lange dauert und dem Weg durch die Hölle gleicht – der Kampf für den Sinn, ist der Kampf gegen die Depression.

#ichwillnichtkranksein

Danke.

 

Salvation

Als erstes möchte ich euch heute für euren, womöglich erneuten, Besuch meines Blogs einen herzlichen Dank aussprechen.
In Zeiten der Youtuber, Influencer, Berlin Tag und Nacht und WhatsApp Sprachnachrichten bewahrt ihr die Treue und seid jede Woche erneut die Zeugen meines Wahnsinns.

Es ist schön zu sehen, dass es tatsächlich noch Menschen gibt, die gern das geschriebene Wort lesen.
So bleibt der Tinkerblog die, mitunter, letzte Festung im Irrsinn einer Konsum – getriebenen Wegwerfgesellschaft, die sich den Mund hat verbieten lassen, die nicht bereit ist zusammen zu stehen, die regungslos alles frisst, was ihr vorgeworfen wird.

Ich würde all das hier niemals niederschreiben, wenn ich nicht genau wüsste, dass tief im Inneren einiger Vieler der verzweifelte Wunsch nach einem Ausbruch aus diesem System stillschweigend auf seine Freilassung wartet.

Aktiv etwas dafür tun – nein. Die richtige Motivation fehlt. Der richtige Blick fehlt.

Downfall

Es schmerzt hart, nicht körperlich – aber seelisch, wenn man so hart auf dem Boden der Tatsachen aufschlägt, dass der Knall davon noch Jahre später in den Ohren klingelt.
Es ist dunkel hier, so dunkel, dass man die Hände vor den Augen nicht sieht. Ausserdem ist es still. So still, dass man sich schon nach kurzer Zeit an das rhythmische Schlagen seines Herzen gewöhnen muss. Vor allem ist es einsam.

Vereinzelt blitzen kleine Lichter auf.  Es sind Erkenntnisse. Erkenntnisse, die man sammelt, während man verzweifelt durch das Nichts watet, nur um irgendwo wieder auf ein neues Licht zu treffen.

Man hat nicht viele Optionen hier unten. Entweder beendet man die Reise, indem man sich einfach weiter in den Schlamm einsinken lässt – oder man beginnt die vielen kleinen Lichter, zu einem Großen zu bündeln und sucht sich seinen Weg aus dem riesigen Sumpf, der eigenen Fehlentscheidungen.

Das große Licht ist grell – es brennt fürchterlich in den Augen. Nach einer Weile gewöhnt man sich daran, aber nun sieht man klar.

Vortex

Was man zu sehen bekommt ist dann immer wieder das Selbe. Ein grotesker Irrsinn.

Die wertvollste Lehre der Einsamkeit ist, dass man gemeinsam viel stärker ist. Ein einziger Mensch, mit der richtigen Motivation, ist allein schon eine gefährliche Waffe – was wären zwei oder gar drei dann erst?

Zu welch gewaltigen Leistungen der im Kollektiv wirkende und motivierte Mensch fähig ist, das sieht man immer wieder schön in diversen Team-Sportarten, wie z.B. Fußball.
Der klamme Regionalligist spielt im Pokal gegen den satten Bundesligisten und ist motiviert, bis in die letzte Haarspitze.
Nichts zu verlieren. Das Spiel des Lebens. Moral, Kampfgeist, WILLE.
Was daraus resultiert zieht jede Woche erneut die Massen in die Stadien oder vor den Fernseher.

Es ist einfach schön anzusehen, wie das Kollektiv sich zusammen rafft, um das Unmögliche – möglich zu machen.
Nicht nur im Sport, auch auf der Arbeit oder in Partnerschaften ist die Zusammenarbeit von elementarer Wichtigkeit. Wenn man nicht zusammen steht – erreicht man nichts.
Teamwork. Ein Faktor, der zu oft gepredigt, aber selten bis gar nicht ausgespielt wird.
Schade, denn über die Probleme der Welt – kann das Kollektiv nur lachen.
Auch das bedingungslose Füreinander hat unter dem Einfluß von nichtigem Geld seinen Stellenwert in der Gesellschaft verloren.
Eine Hand wäscht die Andere – für entsprechende Entlohnung.
Jeden Tag – eine gute Tat, solang die Bezahlung passt.

Das einzige Team was die Zeit überstanden hat ist der Ego, sein Geld und die Gier nach mehr davon. Denn Geld ist Macht – und Macht ist Geil..
Geld hilft bei Vielem, aber nicht bei dem, was das richtige Leben ausmacht.
Einen echten Freund kann man nicht kaufen. Die Liebe seines Lebens kann man nicht kaufen. Das Lachen seines eigenen Kindes kann man nicht kaufen. Gesundheit kann man nicht kaufen.
Unter dem Strich also, kann man Leben nicht kaufen. Wozu dann diese Gier? Damit man dann alleine in seinem Palast auf seinem beheizten Klositz hockt und gespannt am 65″ Display Köln 50667 guckt?

Im Big Pictures Blogpost vor einigen Wochen habe ich es schon mal durch die Blume gesagt – und ich tue es wieder, denn wenn nur ein einziger anfängt um zu denken, dann habe ich mein Ziel erreicht:

Das Einzige was zählt, ist der reine Wille. Das Leben ist mehr als Geld, Macht und Besitz. Das Leben ist – zu tun was man möchte, wann man es möchte. Im Angesicht des Weltuntergangs sollte sich keiner darüber ärgern müssen, welche Möglichkeiten und Optionen er liegen gelassen hat für belanglosen Scheiß oder Personen, die nicht mitgezogen haben.

 

Wie auch immer, für eine Weile wird das der letzte Beitrag dieser Art sein. Die ewig-gleiche Mär möchte ich euch ja Woche für Woche auch nicht zumuten.

Bis dahin, macht was draus.

 

What – the – Fuck?!

Paris.
Eine Kirche wird bei einem Brand beschädigt.
Siebenhundertmillionen Euro Spenden.
Amen.

In der selben Welt verhungern weiterhin jeden Tag zahllose Menschen und Kinder.

Eine Wirtschaft kann in den dritten Ländern gar nicht entstehen, da auch z.B. staatlich subventionierte Agrarerzeugnisse aus Deutschland dort billiger verkauft werden können, als wenn es die Bauern dort selbst erzeugen würden.

Menschen flüchten aus ihrem Heimatland vor Krieg und Hunger. Krieg, der mit Waffen, die aus westlichen Ländern dorthin verkauft werden, geführt wird.

Obdachlose erfrieren im Winter weltweit zu tausenden auf offener Straße.

Das Weltklima allerdings, das wird in Deutschland gerettet. Für ein reines Gewissen bezahlt der kleine Mann die höchsten Stromkosten in ganz Europa.

Verweigerer des Rundfunkbeitrags werden härter bestraft, als Kinderschänder.

Lebensmittel nahe dem Mindesthaltbarkeitsdatum werden zum größten Teil einfach in den Müll geworfen. Es ist billiger die Lebensmittel in den Müll zu werfen, als sie zu einer entsprechenden Einrichtung, wie z.B. der Tafel, zu befördern.

Marode Schulgebäude und Straßen. Zu wenig bezahlbarer Wohnraum. Doch für die herzlich willkommenen Refugees und einen Flughafen in Berlin, der niemals fertig wird, ist immernoch genug Geld da.
Mit den letzten paar Euros des Bundes wird geflohenen Menschen hier die heile Welt vorgegaukelt. Deutschland ist von Innen heraus krank. Der Fisch stinkt vom Kopf.

Die Katholische-Kirche. Tritt nennenswert nur noch durch Missbrauchsvorfälle, in jeder Hinsicht, in Erscheinung.
Der selben Kirche, die vor lauter Geld kaum mehr den Himmel sehen kann, dieser Kirche wird mit siebenhundertmillionen Euro unter die Arme gegriffen, weil Mal ’nen lächerlicher Kirchturm abgebrannt ist.

Tut euch nen Gefallen und reisst den Trümmer gleich ganz ab und baut etwas sinnvolles dahin. Nen Supermarkt, oder ein Obdachlosenheim z.B., da geht wenigstens mal jemand hin.

Wer auch immer diese verkommenen Menschen sind, die so viel Geld für so einen Scheiß spenden – eure Unternehmen gehören in vollstem Umfang boykottiert und die Kirche, die diese Spenden annimmt – ebenfalls.

Das ganze Szenario ist dermaßen grotesk – man möchte sich angesichts dessen schon fast nicht mehr als Mensch bezeichnen wollen.
Ich, für meinen Teil, möchte ich zumindest nicht mehr weiter als Christ bezeichnen.

Denn alles das, was ich Gutes am Christentum sehe – ist damit endgültig Geschichte.
Die paar Mark Kirchensteuer gebe ich dann lieber direkt einem Obdachlosen..

 

 

ZFT

Liebe Leser, heute feiere ich mein Coming-out. Der Tinker – ein Romantiker. Verliebt in das rythmische Klackern eines Relais, während der Autofahrt. Verliebt in die fließende Bewegung der Scheibenwischer. Verliebt in klassische Technik.

Heute reden wir nicht über so einen billigen Scheiß, den man im Media Markt kaufen kann..
Nein, heute geht es um ehrliche, deutsche Wertarbeit. Qualität – MADE IN GERMANY.

 Gegenwärtig

Berufsbedingt bin ich ja leider immer mal wieder dazu gezwungen auch mal modernere Autos zu fahren. Es tut mir in der Seele weh, denn jedes Mal auf’s Neue muss ich feststellen, dass ich kein Auto mehr fahre – sondern einen Computer bediene..

Ich tippe auf den Blinker – und das sonst so herrlisch rythmische Klackern des Blinkerrelais – Geschichte. Abegelöst durch ein moduliertes Geräusch, das aus einem qualitativ minderwertigen Lautsprecher, irgendwo im Bereich des Kombiinstruments, ertönt.

Es regnet, der Scheibenwischer schaltet von alleine ein. Offensichtlich hat man nach 100 Jahren Automobilbau festgestellt, dass man dem Fahrer die Entscheidungshoheit über den Scheibenwischer nicht weiter anvertrauen kann.
Ein Dilemma. Nicht nur, dass der Wischer von selbst wischt – er arbeitet jetzt auch anders.  Der Wischermotor – nicht länger simpel bestromt, sondern durch aufwendige Steuerungen angetaktet. Auch das sagt mir nicht zu.

All diese Widrigkeiten bleiben mir in meinem 99er Golf zum Glück verborgen und niemals käme es mir in den Sinn, ein durchmoduliertes mein Eigen zu nennen.

Steigender Funktionsumfang, sinkende Qualität – verminderte Haltbarkeit – geplante Obsoleszenz. Die Zerstörung durch Fortschritte der Technologie.

Die Welt will konsumieren. Am Besten muss man alles haben und alles gleichzeitig machen. Haben, haben, haben. So billig wie möglich. Hauptsache ich habe VIEL und immer die MÖGLICHKEIT alles zu tun, falls, ja falls mal der unwahrscheinliche Fall eintritt.

Man kauft sich alles, kostet ja nichts, benutzt es aber nicht – man hat ja auch keine Zeit. Ständig klingelt das Smartphone und in der Whatsapp-Gruppe, der Abschlussschulklasse von 1997, steigen hitzige Diskussionen rund um den toten Hund, der 1995 auf der Klassenfahrt zur Jugendherberge in Detmold an der Straße lag.
Schon wieder ne Stunde vorbei. Jeden Tag.

Währenddessen sitzen in China die kleinen Menschen auf ihren Eimern in riesigen Fabriken und produzieren neue, billige Staufänger aus feinstem Plastik für euer Wohnzimmer. Kann man ja mal gebrauchen.

Einst

Qualität – Made in Germany. Das ist ein Satz, den hört man oft – aber mittlerweile muss man mit dieser Aussage seehr vorsichtig sein.

Grundig, Telefunken, Blaupunkt, Metz – das verbindet man mit Made in Germany.
All diese Unternehmen sind heute nur noch Markennamen. Alles wo jene Namen heute draufstehen, ist Quantität – Made in China drin.
Giganten der deutschen Wirtschaft. Große Arbeitgeber. Was bleibt ist eine Markenrechtslizenz und jede Menge Elektroschrott.

Früher ging man ja eher nicht in den Media Markt, sondern zum örtlichen Fernseh-Fritzen. Da hat Omma auch schon seit 30 Jahren ihre Geräte gekauft.

Der örtliche Fernseh-Fritze – das war meist ein Radio-/Fernsehtechniker. Der Herr über ein Massaker aus Widerständen, Kondensatoren, Röhren und Kabeln.
Im Gegensatz zum Media Markt war es hier zwar immer viel teurer – aber dafür war die Beratung viel besser. Es gab auch sowas wie eine Reparaturwerkstatt für Geräte und wirklich, echten Service von Menschen, die Ahnung haben von dem was sie da tun.

Früher, da waren die Menschen noch misstraurisch gegenüber so dubiosen Konglomeraten wie dem Media Markt  „Lieber geh ich dahin, wo auch Omma schon immer hingegangen ist, da bezahl ich lieber ein paar Mark mehr“

Radio-/ Fernsehtechniker sind mittlerweile fast komplett ausgestorben. Den örtlichen Fernseh-Fritzen findet man auch nur noch sehr selten. Zu Groß die Gier der Massen, sich der Verlockung aus Fernost zu widersetzen und stattdessen auf bewährte Qualität zu setzen.

Fernseher und Radios, früher hielten die über 20 Jahre. Und wenn dann mal kaputt ging, dann konnte der lokale Fernseh-Fritze immer weiter helfen.
Mittlerweile kann man froh sein, wenn ein moderner Fernseher noch 2 Jahre über die Garantie hinaus funktionsfähig ist.
Aber was macht man dann? Is egal, kauf ich halt nen Neuen, Größeren. Der Alte, Defekte kommt in den Müll – an seinem Endlager in Afrika, kann sich dann ein fleißiger kleiner Neger, mit fliegen im Gesicht, vom Verkauf der ausgebauten Innereien vielleicht ne Scheibe Brot kaufen..

Diese ganze Konsum-Gier hat aber nicht nur das Radio-/Fernsehtechniker Handwerk zerstört. Szenarien wie das Obige finden täglich auch in vielen anderen Bereichen statt:

  • Wurst und Fleisch kauft man nicht mehr beim örtlichen Metzger.
    Lieber kauft man abgepackte Scheiße im Supermarkt, weil es 50 cent billiger ist. Herkunft? Unbekannt & egal. Arbeitsbedingungen beim Produzenten? Unbekannt & egal.
    Hauptsache – fressen. Immer rein damit.
  • Brot & Backwaren kauft man auch lieber abgepackt im Diskounter oder der SB-Bäckerrei.
    Ist ja schließlich zuviel verlangt nen paar Cent mehr pro Ware zu bezahlen. An den paar Cents hängen Jobs von Fachverkäuferinnen und schlussendlich auch vom Bäcker und seinem Laden.
    Lieber für nen Euro eben nen Pfund im Aldi kaufen. Der Großbäcker beschäftigt die Sklaven dort für den Mindestlohn – hauptsache euch schmeckts.
  • Schuster – ausgestorben. Lieber nen paar Schuhe bei Deichmann für 25 € kaufen – durchlatschen und wegwerfen.

Aber immer über den vielen Müll jammern. Müll. Überall Müll. Die armen Ozeane – so voller Müll.
Jammern auf hohem Niveau, während man sich dann Zuhause ne Kaffeekapsel in seinen Automat schiebt.

Meet & Greet

Stellt euch mal vor, damals hat man sich sogar mal beim Bäcker oder dem Metzger – getroffen und geredet.
Heute kaum noch vorstellbar. Da gibt man seinen Einkauf mal eben bei Amazon durch und checkt dann, ob die Geschichte um den toten Hund in der WhatsApp-Gruppe aufgelöst werden konnte.

Direkte – unmittelbare – KOMMUNIKATION. Man spricht (!!) mit einem anderen Menschen.
Manchmal mach ich das einfach auf der Straße – die Reaktion der Leute ist sensationell.
Frauen reagieren meist so panisch, die Rufen direkt bei der Polizei an und melden einen sexuellen Übergriff.
Männer hingegen fragen mich dann direkt nach meinem Problem, um wenige Sekunden später wieder den Blick auf’s Gorilla-Glas zu senken.

Kritik. Die Welt braucht das.
Versucht doch mal jemanden zu kritisieren – der fängt direkt an zu weinen und bekommt ein Burn-Out. Jahrelang Berufsunfähig.
Die Meisten sind gar nicht mehr in der Lage sowas wie Kritik überhaupt verstehen zu wollen – viel zu heile ist die Welt vor dem 55 Zoll Bildschirm vom Media Markt, der grade aus der Garantie gelaufen ist.

Erstmal irgendwo rum sitzen, erstmal irgendwo hin fahren. Weg sein. Zwischendurch mal ne Bifi fressen und die Welt ist in Ordnung.
Solang alle anderen die Schnauze halten, halte ich die Schnauze erst recht. Als nächstes kauf ich mir dann nen 65 Zoll Display.

Der Ich-Mensch gefangen in den Unweiten des Konsums. Schaufelt sich sein eigenes Grab.
Unfähig über seinen eigenen Schatten zu springen. Unfähig zu kommunizieren. Unfähig Veränderungen herbeizuführen. Unfähig einzusehen.

Der gierige Ich-Mensch war es, der den Schuster um seinen Stand brachte. Der gierige Ich-Mensch war es, der Qualität – Made in Germany für Quantität aus Fernost geopfert hat.
Und das um nur einige Beispiele zu nennen. Denn dem gierigen Ich-Mensch wird noch so einiges zum Opfer fallen – und Jahre später wird dann wieder gejammert „Ohhh früher war alles viel besser„.

Manchmal verstehe ich die Angst der Leute nicht, sie könnten eines Tages von Robotern ersetzt werden… Ihr macht euch grade doch selbst dazu.