Asche zu Asche

Neulich habe ich meinen Großvater auf dem Friedhof besucht..

Mein Großvater und ich standen uns zu seinen Lebzeiten nicht sonderlich nah, abgesehen von obligatorischen Geburtstagen und sonstigen langweiligen Familiengezwungenheiten, haben uns die Wege nur äußerst selten zusammengeführt. Wirklich vermisst habe ich meinen Großvater seit seinem Tod nicht. Wie auch, hat er doch nie eine Rolle in meinem Leben gespielt..

Das Grab meines Großvaters, ein Urnengrab, sah erstaunlich verwahrlost aus. Das Jahr des Todes auf der Grabplatte war mit Blumenerde bedeckt, an der Grablaterne fehlt ein Glas – die Kerze darin war vor Monaten erloschen.. Die Bepflanzung – wohl eher Geschmackssache.. Zwei schmutzige, kleine Engel zieren die, zu allem Überfluss, abgesackte Grabplatte.. Alles in Allem – ein trauriger Anblick eines Andenken, an einen geliebten Menschen.. Kurz dachte ich darüber nach, wer meinem Großvater überhaupt sehr nah stand.. Einige Sekunden später hoffte ich, dass mein eigenes Grab hoffentlich nie so aussehen wird…

Als ich mich, auf der Suche nach einer Gießkanne, auf dem Friedhof weiter umgesehen hatte, fiel mir eine Reihe merkwürdiger Gräber auf.  Über einem davon schwebte ein Helium-Luftballon mit einer riesigen „3“, rechts daneben stand auf einem Grab – Lightning McQueen.

Je näher ich diesen Gräbern kam, desto klarer wurden die Daten auf den Steinen und Kreuzen – das waren alles Gräber von Kindern. Kleine Menschen, die zu einem großen Teil kaum ihren ersten Geburtstag erleben durften. Ein bizarrer Anblick.

Ich stand vor diesen Gräbern und dachte kurz über mein eigenes Leben nach; Das Grab meines Großvaters habe ich seit seiner Beerdigung 2008 nicht mehr besucht. Zehn Jahre sind seitdem Vergangen. Zehn Jahre – in denen ich viel erlebt habe und auch selbst Zeit mit meinen eigenen Kindern verbringen durfte.. Doch in diesem Moment kamen mir diese zehn Jahre wie weggeworfen vor.. Ich bin mir sicher, dass die Eltern der verstorbenen Kinder absolut alles dafür geben würden, auch nur einen einzigen Tag mit ihrem Kind verbringen zu dürfen..

Wie groß muss der Schmerz von Eltern sein, die am Grab ihres eigenen Kindes stehen?!

Ich hab ungewöhnlich lang gebraucht und viel Bier trinken müssen, bis die Gedanken um die toten Kinder meinen Kopf nicht mehr dominiert haben.

An dieser Stelle möchte ich allen Eltern, die, aus welchen Gründen auch immer, ihr Kind derart früh verloren haben, mein herzliches Beileid aussprechen. Ich bin mir sicher, dass euch Niemand, jemals den Schmerz nehmen kann.

 

Ich habe mir vorgenommen, dass ich in Zukunft Menschen treffen werde, die ähnliches erlebt haben und gern darüber sprechen möchten. In einer Welt, in der digitale Netzwerke die Kommunikation übernehmen – kommt der Mensch an irgendeiner Stelle zu kurz. Als Konversion zu dem bekannten Themengebiet, werde ich über diese Menschen berichten und ihre Geschichte erzählen.

Den Moralapostel will ich an dieser Stelle zwar ungern spielen, aber wenn euch mal langweilig ist – dann besucht doch einfach mal einen Friedhof und lasst das Gesehene auf euch wirken.

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