Revelation…. Part 2

Der Januar 2019 neigt sich dem Ende. Ich sitze hier, im Exil, hinter mir liegt ein sehr steiniger Weg – was vor mir liegt vermag ich mir in diesem Moment nicht auszumalen.

Ich stehe wieder am Anfang. Der Anfang vom Ende einer Zeit, die mir nicht unbedingt positiv in Erinnerung bleiben wird. Eine Zeit, die ich für mich selbst noch nicht aufgearbeitet habe – und dessen objektive Betrachtung mir äusserst schwer fällt.

Der Grund warum ich jetzt hier bin, warum ich all das hier auf schreibe – ist ein Zeichen dafür, dass ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe. Dieses Ende wird ein Anfang sein – für mich.

Momentum

Im Leben eines jungen Mannes gelangt man zwangsläufig in eine Phase, in der man sich die Hörner abstoßen muss. Die Themengebiete dabei können sehr weitläufig sein – Mann kauft sich ein altes Auto und tunt ein bischen daran herum. Mann kauft sich ein schönes, schnelles Auto und stellt sich zur Schau. Mann hat viele, wechselnde Sexualpartner und bleibt dann irgendwo hängen. Mann zieht hinaus in die Welt und arbeitet lang und hart. Mann besäuft sich, Mann nimmt Drogen, Mann macht einfach das, wonach es ihm beliebt.

Ein Mann will immer etwas großartiges schaffen – etwas auf das er stolz sein kann und das ihm im Kreise seiner Vertrauten Ansehen verschafft, ehe er sich niederlässt und früher oder später, bei einem Glas Whiskey, über die wilde Zeit philosophiert.

Nach der Beziehung mit Andrea hätte ich diesen Moment nutzen müssen, um mir meine Hörner abzustoßen. Ich hätte erkennen müssen, dass mein krampfhafter Versuch dem Alleinsein auf meine Art zu entgehen mir nur Ärger bringen wird, weil er mir auch nur Ärger gebracht hat.

Lieblingschannel: Paderborn

Im Chat gab es mittlerweile viele neue lokale Chaträume, in denen man nun leicht Kontakte in der näheren Umgebung knüpfen konnte.

Meine Kölsch-Connection hatte sich derweil durch interne Streitigkeiten entzweit, daher war eine Luftveränderung sowieso längst überfällig.

Im neuen, lokalen Chatroom war ich mit meiner langjährigen Erfahrung im Chat natürlich direkt sowas wie ein bunter Hund. Lange Zeit war ich dort als Moderator tätig und in meiner Periode als Admin war ich auch hauptzuständig für jenen Chatroom und die Aufsicht der nun tätigen Moderatoren.

Selbstverständlich haben sich auch eine Vielzahl neuer Kontakte ergeben und es gab wieder neue Chattertreffen. Teilweise haben sich dann gar meine alten Chatfreunde aus der Kölsch-Connection hinzugesellt und es entstand eine geile Mischung aus alt und neu. Manchmal sind wir dann in größeren Gruppen gen Köln gefahren, untereinander kannte sich ja jeder – es war jedesmal ein Fest.

Neben meinen ganzen Ämtern im Chat habe ich es aber tatsächlich auch noch fertig gebracht die Frauenwelt weiter zu erkunden, schließlich war ich nun Single und Alleinsein war scheiße.

Meine Masche beschränkte sich hauptsächlich auf die Mitleidsschiene, schließlich war ich ja tief verletzt und wollte gerettet werden. Oberflächliche Nummern habe ich nicht gesucht, ich suchte nach tiefer Verbundenheit und Mitleid. Natürlich war all das ja nicht fingiert, sondern mein voller Ernst.

Erstaunlicher Weise fand ich tatsächlich recht schnell jemanden, der mich bemitleiden wollte. Nachdem ich voreilig mein ganzes Wehleid geklagt hatte, trafen wir uns recht bald..

Nice to have

Abseits von all dem musste ich mich beruflich aber auch langsam aber sicher mal orientieren. Nachdem ich das Fachabi abgebrochen hatte, jobbte ich weiterhin im Getränke-Großhandel. Dort hatte ich während der Schulferien mal angefangen nebenbei zu arbeiten, meine Mutter und ihr Lebensgefährte kannten die Geschäftsführer ganz gut und brachten mich dort unter.

Die Arbeit dort war zwar ganz geil, dennoch war es ein Knochenjob und mit knapp 6 €/Stunde auch nicht sonderlich gut bezahlt. Die meiste Zeit war ich damit beschäftigt Leergutkisten zu sortieren oder Bestellungen zusammenzustellen. Seltener bin ich mit auf Auslieferungstour gefahren.

Um mich ein wenig besser zu stellen habe ich dann einen Gabelstaplerschein gemacht, um eine wertvollere Arbeitskraft zu werden. Den Kurs habe ich damals am TBZ  in Paderborn belegt. Während meiner Anwesenheit dort beschlich mich ein merkwürdiges Gefühl…

Nebenbei habe ich mich dann, wenig erfolgreich, um Ausbildungsstellen im Elektronik-Bereich beworben. Eigentlich wollte ich ja immer in die IT – ich kann gar nicht mehr genau sagen warum ich mich nicht so sehr darum bemüht habe?!

Den recht kläglichen Abschluss meiner Bemühungen im Elektro-Bereich unterzukommen, brachte mir ein Praktikum im Anlagenbau. Das war dermaßen scheiße, dass ein Job als Elektriker danach nicht mehr in Frage kam.

Dem Arbeitsamt (so hieß es damals noch) gefiel meine Perspektivlosigkeit eher weniger – im Rahmen eines besonderen Förderprogramms wurde ich dorthin eingeladen, denn sie hatten einen Plan für mich. Neben meinem Berufswunsch in der Elektro- oder IT-Branche gab ich an, KFZ-Mechatroniker werden zu wollen. Einen konkreten Bezug zu Autos hatte ich aber überhaupt nicht.

Im Rahmen eines Sonderprogramms für das Jahr 2006 gäbe es wohl noch Ausbildungsplätze beim TBZ. Während die Beraterfotze das aussprach, beschlich mich wieder dieses merkwürige Gefühl, dass ich einst beim Gabelstapler-Kurs spürte..

Das TBZ ist eine Bildungseinrichtung und hat zu der Zeit keinen wirklich guten Ruf genossen. War es eher ein Sammelbecken für gescheiterte Existenzen und Aussiedler. Das Gefühl von damals? Ich glaube es war einfach nur Widerwille. Ich wollte das nicht -ich hielt mich für wertvoller als das was das TBZ anbot. Die Vorstellung da hin zu müssen fühlte sich an wie sozialer Abstieg.

Da ich aber, nach wie vor, keinen Ausbildungsplatz hatte – willigte ich ein und wurde vom TBZ zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Kraftfahrzeug-Servicemechaniker

.. war die Lehrstelle, die mir das TBZ anbieten konnte. Im Vorstellungsgespräch konnte ich die Dame offenbar überzeugen, dass ich dafür geeignet bin. So bekam ich eine Zusage und konnte ab dem 1.2.2007 meine Ausbildung beginnen.

Den sog. Kraftfahrzeug-Servicemechaniker gab es eine Zeit lang als mittlere Einstiegsstufe in der KFZ-Branche. Angesiedelt zwischen Reifenmonteur und KFZ-Mechatroniker. Während für den gewöhnlichen KFZ-Mechatroniker eher Realschüler in frage kommen, sollte der KFZ-Servicemechaniker auch für Hauptschüler einen Einstieg in den Beruf ermöglichen. Ich, als Realschüler mit abgebrochenem Fachabi, war also überqualifiziert. Die Ausbildung dauerte zwei Jahre und konnte quasi auf die KFZ-Mechatroniker Lehre angerechnet werden. Nach bestandener KFZ-Servicemechaniker Lehre hätte man also noch 1,5 Jahre weiter lernen können und zum KFZ-Mechatroniker aufsteigen können. Das war ein ganz brauchbarer Plan.

Neben mir fing noch ein weiterer Lehrling im KFZ-Bereich an. Sein Name – Heerde. Heerde bekam, im Rahmen des selben Förderprogramms, vom TBZ einen Ausbildungsplatz zum KFZ-Mechatroniker.

Heerde und ich verstanden uns sofort ziemlich gut und während der gesamten Lehre hatten wir eine Menge Spaß. Noch heute, 10 Jahre nach Abschluss meiner Lehre, habe ich immer noch gern Kontakt mit ihm und freue mich auf unser nächstes Pils.

Am Anfang unserer Lehre stellte sich am TBZ ein merkwürdiger Umstand ein. Es gab jetzt zwar uns beiden Lehrlinge, aber Keinen, der uns ausbilden wollte. Wir waren meisterlos und anstatt und mit der Technik von Kraftfahrzeugen zu beschäftigen – lernten wir im Sonderunterricht – Deutsch. Anfangs waren Heerde und ich noch bemüht die Aufgaben, der Lehrerin/Dozentin brav und diszipliniert zu erledigen – nach einer Zeit verstanden wir aber, wie der Hase läuft.

Das gute am TBZ war, dass niemand so recht wusste, was eigentlich Sache war. So hätten wir der Dozentin auch sagen können, dass wir um 14 Uhr wo anders hin müssen – und wären nach Hause gefahren (das ist natürlich nie so passiert ;)).  Unsere damalige Lehrerin/Dozentin saß während unserer „Bearbeitunsphasen“ immer in einem anderen Raum und war dort mit, was auch immer, beschäftigt. Zunehmend nutzen Heerde und ich diese Phasen dann, um im Internet zu surfen und unsere Angelegenheiten im Forum zu regeln. Zuerst waren wir ja auch wirklich noch Vorsichtig – im Laufe der Zeit stellte sich dann irgendwie auch ein Selbstverständnis gegenüber unserer Ignoranz ein.

Ich kann gar nicht mehr sagen wie lange wir gar keinen Lehrmeister hatten, zwischenzeitlich konnten wir jedoch die Berufsschule besuchen und hatten dann, zumindest theoretisch, schon mal was mit Autos zu tun.

Freitag

Was wie die Einleitung zu einem senationellen Wochenende klingt, war der Name unserers neuen Lehrmeisters. Jawoll, das TBZ hat es tatsächlich geschafft jemanden zu organisieren, der sich uns annimmt.

Herr Freitag war damals ca. 60 Jahre alt und hatte mindestens genau so viel Berufserfahrung. Einer der alten Schule, aber überaus freundlich und geduldig. Der Meister ansich war für mich immer eine absolute Respektsperson – Einer zu dem ich aufgeschaut habe. Der Autogott höchst persönlich, gesegenet all das zu tun, wovon ich zu dem Zeitpunkt nicht die geringste Ahnung hatte. Da war er wieder, der heilige Gral – selbst einmal Meister sein – eine absolut surreale Vorstellung, die alles überstieg. Für mich war ein Mondbesuch wahrscheinlicher, als selbst mal Meister zu sein. Ich hatte ja auch noch nichtmal das erste Lehrjahr abgesessen.

Praxis

Die Ausbildung sah vor, dass die praktische Erfahrung in einem „richtigen“ Betrieb gesammelt werden soll. Das TBZ hatte zwar eine voll eingerichtete KFZ-Werkstatt, für allerlei Übungszwecke, aber natürlich keine Kunden. Neben der Berufsschule, die an ein bis zwei Tagen in der Woche stattfand, hielten sich Heerde und ich dann noch einen Tag im TBZ und die restlichen Tage in einer normalen KFZ-Werkstatt auf und erlernten unser Handwerk.

Der Meister in der richtigen Werkstatt, ein arrogantes Schwein, hat uns das Leben nicht wirklich leicht gemacht. Als Lehrling in einer KFZ-Werkstatt ist man sowieso meist nur mit Reifen beschäftigt – mit seiner widerlichen Art hat er es aber immer wieder geschafft uns den Tag zu ruinieren. Die Auftragslage war immer gut, es gab immer viel zu tun – und ich lernte selbständig und schnell zu arbeiten.

Das TBZ, wie auch die Werkstatt, wollten eigentlich auch nur Einen von uns im Betrieb behalten – also musste sich jemand zwangsläufig einen anderen Betrieb für seine Praxisphasen suchen. In meinem Heimatdorf gab es seinerzeit eine kleine Mazda-Werkstatt. Mein Vater hatte dahin ganz gute Kontakte – so konnte ich dort meine Praxis weiter machen.

Der Unterschied zwischen einer kleinen Dorfwerkstatt und der gut besuchten Bude, in der Heerde und ich zusammen gearbeitet haben war enorm. Wirklich viel wurde mir in erster Linie nicht zugetraut, dementsprechend bestand mein Tag meist aus zusehen und Türscharniere schmieren. Der ältere Geselle dort, groß und breit wie ein Bär – wir wurden nicht wirklich warm. Es war beinah egal was er mir sagte, ich verstand es nicht und konnte nicht entsprechend seiner Vorstellung handeln. Seine Reaktionen auf mein Versagen waren eher angsteinflößend und ich kam mir vor wie ein Depp. Das ganze war wenig motivierend und irgendwann hielt ich es auch nicht mehr für nötig dort aufzutauchen.

Dem TBZ hatte ich meine Abwesenheit gar nicht erst erklärt, allerdings rief mich meine zuständige Ansprechpartnerin irgendwann mal an und fragte mich was los sei. Ich hatte zwar ein bischen Angst rausgeschmissen zu werden, aber ich stieß auf Verständnis. Meine Abwesenheit wurde durch Urlaub und einen gelben Schein getilgt und in die Mazda-Werkstatt brauchte ich nicht mehr zurück. Stattdessen ging es für mich wieder zurück in die erste Werkstatt, mit dem arroganten Meister. Während Heerde nun in einen anderen Betrieb wechselte, kam ich zurück.

Bis kurz vor Ende der Lehre lief soweit alles reibungslos. Lehrjahre sind eben keine Herrenjahre. Etwa einen Monat vor der Prüfung konnte ich die widerliche Arroganz meines betrieblichen Lehrmeisters allerdings nicht mehr tolerieren. Ich geigte ihm mal gescheit die Meinung, hörte mir darauf hin an, dass der Betrieb mich nicht nötig hat – dann warf ich ihm nen Kugelschreiber in seine arrogante Fresse und fuhr zum TBZ. Dort schilderte ich wieder meiner Ansprechpartnerin die Situation – irrsinniger Weise kam sie auf die schwachsinnige Idee mit mir nochmal dort hin fahren zu wollen um die Wogen zu glätten. Natürlich teilte ich ihr mit, dass der Typ ein arroganter Affe ist – ich vermute sie hat es mir nicht glauben wollen.

Den letzen Monat verbrachte im TBZ mit einem anderen Lehrmeister im Rahmen der Prüfungsvorbereitung. Da ich, wie schon festgestellt, eigentlich überqualifiziert war und sämtliche Informationen wie ein Schwamm aufgesogen habe – war das ein lässiger Monat für mich. Zumindest bis zu dem Tag, an dem meine Ansprechpartnerin und ich dann tatsächlich in den Betrieb gefahren sind um über die Situation zu sprechen.

Meine Ansprechpartnerin meinte es wirklich nur gut und bat den arroganten Arsch gar darum sich mal eben mit uns in Ruhe irgendwo hin zu setzen, um über den Vorfall zu sprechen. Der Clown allerdings erachtete das nicht für notwendig, hielt in gewohnter Marnier, hinter seinem Tresen, einen kleinen Monolog und bat uns dann höflich die Örtlichkeit zu verlassen. Draußen angekommen sagte meine Ansprechpartnerin nur „Ich weiß jetzt was du meinst“. Hinter die Angelegenheit konnten wir dann endlich einen Haken machen und ich konnte mich in Ruhe mit meiner Prüfung beschäftigen.

Projekt zwo

Während meiner Ausbildung legte ich mir aber auch mein ganz eigenes Projekt zu. Frei nach dem Motto „learning by doing“ erfüllte ich mir einen kleinen Traum und kaufte mir einen Golf 2. Natürlich nicht irgendeinen Golf 2, sondern den billigsten und heruntergekommensten auf dem Markt, schließlich hatte ich kein Geld und wollte selbst Hand an den Wagen anlegen. Es handelte sich um einen Golf 2 GL, mit 1,8L Motor (RP), als 3-Türer, Bj. 1991, in Royal-Blau, ohne Tüv und mit recht unbekannter Laufleistung.

Der Wagen war wirklich heruntergekommen und hatte absolut gar keine Extras (abgesehen einer Zentralverriegelung), das alles störte mich nicht wirklich. Ich brauchte kein eigenes Auto, da ich meist mit dem Wagen meiner Mutter gefahren bin. Ich hatte also genug Zeit und kein Geld. Nach und nach habe ich den Golf dann wieder auf Vordermann gebracht. Hab mich im Golf 2 Forum herumgetrieben und mich umfassend informiert – ausprobiert, Lehrgeld bezahlt und bin dennoch irgendwie an mein Ziel gekommen. Ich hab mich so intensiv mit der Sache auseinander gesetzt und jede Information aufgesaugt, dass ich wahrlich ein echter Golf 2 Profi wurde.

Der Unterschied zwischen einem Golf 2 und den ganzen anderen Auto ist dann eher marginal – vielleicht mal eine andere Achskonstruktion, etwas andere Elektronik.
Im Grunde habe ich mir selbst beigebracht wie Autos funktionieren und das hat mir in meinem Beurf sehr viel gebracht. Ich hab gelernt zu denken und ich hab gelernt zu improvisieren.

Das wirkliche geile an so einem Projekt ist aber, dass das sich das Autofahren ganz anders anfühlt, wenn man an seinem Gefährt jede Schraube persönlich kennengelernt hat. Ein unbeschreiblich geiles Gefühl, dass eindeutig nach immer mehr schreit!

Ich konnte nun verstehen, warum Menschen so viel Zeit und Energie in ihre Autos steckten, um sie zu ihrem ganz persönlichen Unikat zu machen.

Abwrackprämie

Als die Prüfung bestanden war, wollte ich weiter machen und KFZ-Mechatroniker werden. Auch Herr Freitag fand die Idee gut, schließlich war er von meinen Fähigkeiten vollkommen überzeugt. Der Beruf machte mir tatsächlich auch Spaß. Neben viel Scheiße gab es auch immer wieder besondere Highlights, auf die ich nicht verzichten wollte. Während der Lehre habe ich nebenbei auch immer mal wieder etwas rumgeschraubt und ein paar Mark nebenbei verdient. Auch mit meinem eigenen Auto brauchte ich ja nie in eine Werkstatt fahren – ich konnte alles selber machen und sogar noch mehr, geil!

Situationskomik: Eines Nachmittags rief mich Heerde an. Der war grade daran gescheitert einen Zahnriemen am Golf 2 seines Bruders zu wechseln. Kurzerhand fuhr ich vorbei und half Heerde aus seiner Misere heraus. Sein Bruder sagte daraufhin „Guck, das wird mal ein richtiger Mechaniker – nicht so wie du“
In der tat war ich Heerde diesbezüglich immer einen Schritt voraus, was zur Folge hatte, dass er mir Privat einige Aufträge zuschusterte und ich sogar hin und wieder sein Auto reparierte.

Der Zeitpunkt um weiter zu lernen war ziemlich ungünstig. Meine Lehre endete im Februar 2009 – im Jahr der Abwrackprämie. Eine Gelegenheit weiter zu lernen bot sich bei einer Mercedes-Werkstatt direkt neben dem TBZ.
Mercedes – noch so ein heiliger Gral.
Irrsinniger Weise hatte jene Mercedes-Werkstatt kurz vor meinen Probearbeitstagen einen zusätzlichen Gesellen eingestellt. Der Geselle hatte selbst grade erst ausgelernt, meiner Ansicht nach nicht sonderlich fähig, aber war über Vitamin B dort reingekommen.
Eine äusserst ungünstige Situation für mich, zumal die Abwrackprämie dafür gesorgt hatte, dass in vielen Werkstätten tote Hose war, da viele ältere Fahrzeuge einfach verschrottet wurden. Das Ende vom Lied war, dass ich doch nicht dort weiter lernen konnte, da sich die Geschäftsleitung dazu entschieden hatte mit den Gesellen und ohne Lehrling weiter zu arbeiten.

Weitere Bemühnungen irgendwo unterzukommen scheiterten, so reihte sich an meine abgeschlossene Lehre eine Zeit der Arbeitslosigkeit an. Da ich ja kein Job hatte und kein Auto mehr brauchte, habe ich dann sogar meinen geliebten Golf 2 verkauft.. Ihm sollte einige Zeit später ein Golf 3 folgen..

Mentropstraße

Da ich in einem Vorort wohnte und in der Stadt auf die Realschule ging, fuhr ich sieben Jahre lang mit dem Bus. Sieben Jahre lang ging ich jeden Morgen zur Bushaltestelle an der Mentropstraße und fuhr mit der Linie 8 bis in die Stadt – und Mittags von der Stadt, wieder zur Mentropstraße. Teilweise fuhr ich Nachmittags dann wieder in die Stadt – Hermann in seinem PC-Shop besuchen, oder in der Stadt mit Kollegen rumhängen und Abends wieder zurück. Wenn’s mir in der 8 zu langweilig war, stieg in Schloß Neuhaus in die 11 um – wenn ich morgens länger schlafen wollte, kam ich mit der E61 immernoch pünktlich an. Anfangs bin ich sogar so gerne Bus gefahren, dass ich Busfahrer werden wollte.

An der Bushaltestelle an der Mentropstraße traf ich auch das erste mal auf Sie. Sie, das ist diejenige, die mich bemitleiden wollte. Obwohl wir quasi Nachbarn waren, sind wir uns noch nie über den Weg gelaufen. Eigentlich war das unmöglich – ich kannte mein Viertel ganz genau. Jeden Winkel, jede Hecke, jedes Versteck, jedes Haus, jeden Bewohner, jeden Sohn, jede Tocher, jeden Hund – sogar jeden Kanaldeckel kannte ich in meinem Viertel. Sie kannte ich nicht, nicht mal vom Sehen oder Hörensagen. Irgendwas konnte da nicht stimmen – das hat mich neugierig gemacht.

Sie war nett anzusehen, mit schönen blauen Augen und einem freundlichen Lächeln. Viel größer als Andrea, bei weitem nicht so zierlich und um ein vielfaches gesprächiger. Das gefiel mir gut. Ihre offene Art machte Sie sehr sympatisch. Wir gingen spazieren. Die Unbekannte und ich – in meinem Viertel – in meinem Dorf. Sie redete viel, ich benahm mich proletenhaft daneben, eigentlich lief alles wie immer. Die Frage wer wohl wann den ersten Schritt macht oder so – die hab ich mir gar nicht gestellt. Ich war in erster Linie neugierig, wie sich die Unbekannte vor mir verstecken konnte.

Ich weiß gar nicht ob es beim ersten oder zweiten Treffen war, jedenfalls bekam ich beim Ende jenes Treffens sogar einen Abschiedskuss von der Unbekannten. Merkwürdig und irgendwie war ich immernoch neugierig… Immerzu überraschte Sie mich auf’s Neue. Das fühlte sich schön an und war Balsam für meine Seele.

 Die Dinge nahmen ihren Lauf

.. und wir trafen uns häufiger. Wir schrieben SMS – ich glaube wir telefonierten sogar öfters (und das hasse ich bis heute). Einmal lernte ich ihre Freundinnen kennen und wir schauten einen Wrong Turn in dem Haus, in dem ich jetzt, in diesem Moment, sitze und diese Zeile schreibe.

Ansich verstanden wir uns sehr gut und ganz am Anfang konnte ich mir durchaus vorstellen mit ihr längerfristig zusammen zu sein. Jedoch ergab sich für mich nie das Gefühl zu wissen, wer Sie eigentlich ist?! Ich lernte ihre Freundinnen kennen. Ich lernte ihren Vater kennen. Kurz bevor wir in den Urlaub gefahren sind, lernte ich sogar ihre Mutter kennen. Im Urlaub lernte ich dann ihre Schwester kennen – aber Sie kannte ich bis dahin eigentlich nicht.. Natürlich wusste ich Ihren Namen, wo sie wohnt, zur Schule ging oder so – aber irgendwas fehlte..

War es zu schön um wahr zu sein? War der Schmerz der Vergangenheit so groß, dass ich nicht mehr an etwas Positives glauben konnte? Irgendwie fühlte es sich seltsam an das Haar in der Suppe zu suchen – aber ich war von Anfang an sehr verunsichert.

Meine Verunsicherung war natürlich nicht an den Haaren herbei gezogen – es passierten immer merkwürdige Sachen, auf die ich keine schlüssigen Antworten bekam oder fand. Doch diesmal sollte es klappen. Ließ ich es doch nur weit genug voranschreiten, dann würden sich die Dinge bestimmt erklären.

Als Fan der Multiversum-Theorie bin ich davon überzeugt, dass eine andere Version von mir an dieser Stelle einen Cut gemacht und sein Glück an anderer Stelle fand.

Ich, in diesem Universum, jedoch nicht. Ich stand jetzt auf einer riesigen, grünen Wiese, die auf einer stillgelegten Müllkippe angelegt wurde. Augenscheinlich ist alles bestens, aber wehe dem man fängt an zu graben.. Ich fing natürlich an zu graben… tiefer und tiefer. Egal wie sehr der Gestank gar in den Augen biss – ich grub weiter. In der leisen Hoffnung auf einen Schatz zu stoßen – musste ich erkennen, dass unter Müll nur noch viel mehr Müll liegt.. Unermüdlich habe ich gegraben – irgendwann jedoch sah ich auf und stellte fest, dass ich vom Boden meiner Grube, den Himmel nur noch als winzingen Punkt wahrnehmen konnte. Ich saß fest – kein Notausstieg und auch kein Seil, dass jemand von oben hinabwerfen konnte. Ich habe so lange gegraben und alles andere ausgeblendet, so das ich nun vollkommen alleine in meinem Loch saß.

Ich hielt also an der Unbekannten und unserer jungen Beziehung fest – obwohl ich verunsichert und unzufrieden war. Immerhin war es besser als allein zu sein und über so ein paar Unannehmlichkeiten kann man ja auch mal hinweg sehen.. Wer kann schon sagen was die Zukunft bringt?!

trapped in a multiverse

Großartige Gemeinsamkeiten hatten die Unbekannte und ich nicht. Wir hörten nicht die selbe Musik, waren nicht Fan vom selben Fußballverein und hatten auch keine gemeinsamen Freunde. Ich war nicht gern allein, Sie war aber auch nicht da. Ich hatte gern Sex, Sie war nicht da. Meine Freunde konnen mit ihr auch nicht sonderlich viel anfagen, daher war ich meist allein mit Ihnen unterwegs. Ergo war ich auch weiterhin viel im Chat online, den Sie nur sehr sporadisch besuchte und tat das, was ich am Besten konnte.

Im Chat lernte ich natürlich auch weiterhin neue Leute kennen. Flüchtige Kontakte, neue Freunde, Frauen. Ich muss auch offen gestehen, dass ich nicht wirklich abgeneigt war jemand Anderes kennenzulernen, aber auf die Idee das Graben zu beenden kam ich von selbst leider nicht.

So lernte ich z.B. Vanessa kennen. Ein Emo-Girl – da stand ich voll drauf. Wir unterhielten uns über Musik, Filme und unser schlechtes Leben. Wenig später wollten wir uns dann auch treffen. Zu der Zeit wohnte ich bereits bei meiner Mutter und Vanessa kam zu mir. Ich glaub wir schauten Saw auf DVD – Vanessas Absichten beschränkten sich allerdings nicht nur auf das Bild auf dem Fernseher.. Ihren ziemlich massiven Bemühungen konnte ich nicht lange widerstehen und es kam wie es kommen musste..

In den kommenden Tagen entwickelte sich eine kleine Affaire daraus. Bald stellte ich aber fest, dass Vanessa schwer einen an der Murmel hat. Ich musste sie los werden, war aber gar nicht so einfach war – ausserdem hatte ich ja eigentlich auch noch ne Beziehung mit der Unbekannten am Laufen..

Schlussendlich habe ich es dann aber geschafft Vanessa los zu werden. Mein Gewissen gegenüber der Unbekannten war allerdings mehr als nur schlecht. Im Gegensatz zu meiner vorherigen Beziehung entschloss ich mich der Unbekannten gegenüber ehrlich zu sein und beichtete meinen Fehltritt.

In einem Paralleluniversum hätte eine andere Version der Unbekannten nun garantiert einen Cut gemacht und ihr Glück wo anders gefunden.

Sie, in diesem Universum, entschied sich mir zu verzeihen. Mein Gewissen gegenüber der Unbekannten war auch viel zu schlecht um selbst die Reißleine zu ziehen, noch mehr Leid wollte ich ihr nicht zumuten.. Ich sah in ihr einfach irgendwas, das ich mir selbst, bis zum heutigen Tag, nicht erklären kann und nur das allein hat mich motiviert für diese Beziehung alles zu tun…

Die Zeit, unmittelbar nach meiner Beichte, war hart. Die Unbekannte brauchte nun offiziell Zeit für sich (wobei Sie ja eh kaum da war). Entsprechend hing ich in der Schwebe und wusste nicht woran ich war…

Meine Freunde konnten mein Elend kaum mit ansehen und luden mich auf einen Holland-Trip ein. Mein Kumpel André, seine Freundin, zwei ihrerer Freundinnen und ich sollten daran teilnehmen. Ich willigte ein und berichtete der Unbekannten brav über mein Vorhaben in naher Zeit und bat Sie mich doch zu begleiten.

Bis kurz vor Beginn der Reise lies die Unbekannte mich tatsächlich zappeln, dann willigte Sie ein mich begleiten zu wollen – so kam es dann auch. Wir verbrachten die Zeit in Holland zusammen und unsere Beziehung war danach wieder einigermaßen intakt.

In einem Paralleluniversum hätte die Unbekannte an dieser Reise nicht teilgenommen und ich hätte stattdessen während des gesamten Aufenthalts in Holland eine von Andrés Freundin ihrer Freundinnen (so wie von jener Person selbst beabsichtigt) genagelt. Ich fürchte nach meiner Rückkehr wäre mir ihre Entscheidung dann auch herzlich egal gewesen.

Rückblickend muss es für Andrés Freundin ihre Freundin wirklich hart gewesen sein, dass ich die Unbekannte mitgebracht hab. Bereut habe ich es aber nicht.

Man könnte meinen, dass jeder überwundene Tiefschlag eine Beziehung irgendwo stärkt. Zwischen mir und der Unbekannten war es eigentlich unverändert. Nach wie vor hatte ich keinen Bezug, nach wie vor zu wenig Nähe, nach wie vor keinen gemeinsamen Nenner, nach wie vor zu wenig Sex.

Alles lief wie gehabt, ich war weiterhin verunsichert, unzufrieden und dazu noch schuldig. Am wesentlichen änderte sich wenig, so chattete ich weiter – hielt mich ja nichts von ab.

Aufgewärmt

Wer Teil 1 meiner Offenbarung gelesen hat, der wird sich an die Flamme aus der Kölsch-Connection erinnern und auch daran, dass sich seinerzeit daraus nichts ergeben hat.

Ich nannte sie immer chiQa und nachdem aus uns nichts wurde war sie lange lange lange in einer Beziehung. Als jene Beziehung dann vorbei war, war sie bald darauf wieder lange lange lange lange in einer anderen Beziehung. Während dieser langen Beziehungen hatten wir nur selten Kontakt – dazwischen dann wieder mehr. Zwischen der ersten und der zweiten langen Beziehung war ich sogar vor Ort, um meine Kölsch-Connection zu besuchen. Wir haben gefeiert, hatten Spaß, sind in der Küche bei ihrer Mutter versackt, haben uns gut unterhalten und geküsst.

Der andere Teil der Kölsch-Connection, der uns beobachtete, war hellauf begeistert und beschwor uns direkt zum Traumpaar des Jahrhunderts. Allerdings sahen wir uns beide, obwohl wir uns das so nicht direkt sagten, weder als Paar, noch als Traum. Wir waren Freunde, zwar mit einem gewissen Extra, aber dennoch eben nur Freunde. Immerhin hatte chiQa ihre lange lange lange Beziehung ja auch grade erst beendet und nach so einer langen Zeit braucht man auch erstmal ein bischen Pause.

Bei ihr folgte dann die lange lange lange lange Beziehung und wir hatten wieder einmal sogut wie gar keinen Kontakt in dieser Zeit. Für mich war das gar nich so schlimm, denn ich wusste, wenn chiQa mal irgendwann wieder kommt, wird sie genau so sein wie vorher auch. Das war ungemein beruhigend. chiQa konnte auf sich selbst aufpassen, sie brauchte keine Hilfe und wenn sie Hilfe gebraucht hätte, wär ich natürlich für sie da gewesen, ich war mir auch sicher, dass sie das wusste.

Irgendwann in der ersten Hälfte 2008 war chiQas lange lange lange lange Beziehung zu Ende. Zurück im Chat hatten wir wieder Kontakt und alles war genau so schön wie früher. Alte Erinnerungen wurden wach und wir fühlten uns glaub ich ein wenig verliebt.

Move

Kurz vor chiQas Comeback im Chat, zogen meine Mutter, ihr Lebensgefährte, mein tyrannischer Bruder – der in der Zwischenzeit wieder zu uns gestoßen war, mein Halbbruder Timo – der auch mein Patenkind ist und ich aus der guten alten Heimat weg in einen kleinen Nachbarort. Hier bewohnten wir jetzt ein schönes Haus mit sehr makaberer Geschichte. Den Umzug, die weiterhin anhaltende Unzufriedenheit und Frustration in der Beziehung mit der Unbekannten nahm ich zum Anlass um die Beziehung vorerst zu beenden. Allein in einem neuen Ort fiel das ganze aber wirklich enorm schwer..

chiQas Comeback kam also nicht ungelegen und eines Tages kam sie mich sogar besuchen. Wir verbrachten viel Zeit miteinander und es fühlte sich toll an. Fortan trafen wir uns dann regelmäßig, unternahmen viel zusammen, belebten einen Teil der Kölsch-Connection wieder und hatten uns lieb.

Auch meine Freunde konnten gut mit chiQa – das war viel wert. Wir konnten hier sein, wir konnten da sein – ein Zusammenleben in harmonischer Symbiose. Meine Eltern konnten mit chiQa jetzt nicht so gut und chiQas Mutter war von mir wohl auch nicht so begeistert – zu einer Beziehung fehlte auch ein bischen die Ernsthaftigkeit – aber wir hatten Spaß. In der Situation war das genau das Richtige für mich.

Langsam begann ich die Frustration und Unsicherheit der vergangenen Tage zu überwinden. Ich fühlte mich wieder ein bischen menschlicher und der Himmel sah vom Boden meiner Grube auch gar nicht mehr so klein aus.

Tilt

Nachdem sich bis dahin alles recht positiv entwickelte, veränderte der Mai 2008 mein Leben für immer. Die Botschaft erreichte mich irgendwann auf der Arbeit. Die Unbekannte hatte mehrfach versucht mich anzurufen – da ich Sie aber nicht sprechen wollte nahm ich einfach nicht ab. Per SMS bat ich dann darum, die Anrufe zu unterlassen – was ich dann als Antwort erhielt , sollte alles bisher da gewesene in den Schatten stellen. Ich erfuhr, dass ich Vater werde.

chiQa war an dem Tag grade gen Heimat gefahren als mich der Hammer traf, postwendend kam sie wieder zurück, um mir bei zu stehen. Arbeiten konnte ich an dem Tag nicht mehr. Eigentlich konnte ich gar nichts mehr – ich weiß noch nichtmal wie ich nach Hause kam, ich wusste gar nichts mehr und wollte auch nichts mehr wissen.

Eben kletterte ich noch die tiefen Wände meiner Grube hoch und sah Licht am Ende des Tunnels. Nach Erhalt dieser Nachricht jedoch fiel ich wieder auf den Boden zurück … Doch damit nicht genug, denn oben schob dann noch jemand einen massiven Fels über die Öffnung meiner Grube. Gefangen in dem stinkenden Loch, sah ich nur noch schwarz und spürte rein gar nichts.

Ich hätte mir eine ganze Menge vorstellen können, aber in dem Alter schon ein Kind zu haben gehörte eher zu den Szenarien, die ich noch nicht einmal im Albtraum hätte erleben wollen. Ich war doch noch so jung und frei und wollte so viel machen und ein Kind sollte mir jetzt Zukunft aufzeigen, mit der Person, von der ich mich grade getrennt hatte? Das konnte und wollte ich nicht wahrhaben. Lieber wollte ich sterben.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich nach chiQas Rückkehr mit ihr an einem See saß – wir sprachen über die Situation und in dem Moment hätten wir uns glaub beide nichts mehr gewünscht, als dass sie schwanger wäre…

Die Unbekannte hatte die Schwangerschaft offenbar auch erst im sechsten Monat selbst bemerkt..

Unfähig irgendwas zu tun, nahm ich mir erstmal eine Woche Auszeit von der Arbeit. Immerhin war chiQa für mich da und half mir wieder ein wenig auf die Beine, aber selbst in den kommenden Woche wollte ich von dem Scheiß einfach nichts hören. Gelegentliche Updates der Unbekannten über den Gesundheitsstatus des ungeborenen Mädchens lösten nichts als Zorn in mir aus und entsprechend reagierte ich auch.. Ich wollte von der Unbekannten nichts hören und erst recht wollte ich kein Kind mit ihr..

In den kommenden Wochen wollten wir uns immer mal getroffen haben um über ein paar Sachen, wie z.B. den Namen, zu sprechen – dazu sollte es vorher aber nicht mehr kommen.

Am 04.08.2008

war es dann so weit. Morgens, in aller früh, rief der Vater, der Unbekannten an und teilte mir mit, dass das Kind kommt. Ich war ziemlich nervös, meldete mich von der Arbeit ab, brachte chiQa zum Bahnhof und begab mich ins Krankenhaus. Bei der Geburt meines Kindes wollte ich dabei sein.

Im Krankenhaus angekommen lag die Unbekannte bereits im Kreissaal. Ich warf einen kurzen Blick durch die Tür – in einem Sekundenbruchteil wurde mir kotz-übel.. Ich gesellte mich zu ein paar Freundinnen der Unbekannten, ihrer Mutter und ihrem Vater in den Warteraum, am Kreissaal. Wir warteten.

Während der langen Warterei und leicht angesteckt durch die Vorfreude der Freundinnen und Mutter, verspürte ich kurzzeitig so etwas wie leichte Vorfreunde und eine Abnahme der enormen Last auf meinen Schultern. Was wenn es vielleicht doch gar nicht so schlimm ist? Im Laufe der Zeit war ich mir sogar sicher, dass schon alles klappen wird, auch schon andere Kinder unter ganz anderen Bedingungen aufgewachsen sind und es auch noch jüngere und noch unerfahrenere Eltern gibt..

Gefühlt dauerte es eine Woche bis die Meldung kam, dass das Kind gesund zur Welt gekommen ist. So schritt ich voran und traf das erste mal seit längerer Zeit wieder auf die Unbekannte und mein eigenes, kleines Mädchen.

Sein eigen Fleich und Blut in den Händen zu halten, das war selbst unter diesen Umständen ein ganz besonderer Moment für mich. Ein so kleiner Mensch, noch nichtmal im Stande die Augen zu öffen – lag da, so friedlich und hilflos. Von einer Sekunde auf die Nächste war ich gewillt für diesen kleinen Mensch einfach alles zu geben. Noch nie zuvor habe ich so etwas Schönes gesehen, wie mein eigenes kleines Mädchen, friedlich schlafend auf meinem Arm..

Beim Blick auf das Namens-Bändchen musst ich jedoch mal kurz aufstoßen – Joana stand darauf – das ging gar nicht. Die Unbekannte und ich hatten uns zwar nicht mehr zur Namensfindung getroffen, jedoch hatte ich mir meine eigenen Gedanken dazu gemacht und mich auf Jana-Melissa festgelegt. Der Unbekannten gefiel der Name auch – eine Wahl hätte ich ihr sowieso nicht gelassen.

Bis zur Entlassung besuchte ich meine Tochter und die Unbekannte häufig im Krankenhaus und hatte sogar viel Freude daran, mein Kind durch die weitläufigen Flure der Klinik zu schieben.

Das kann es doch nicht gewesen sein?

Neben all dem durfte ich meine chiQa natürlich nicht vergessen. Rückblickend fühlte ich mich ziemlich mies, sie am Tag der Geburt einfach am Bahnhof abzuladen und weg zu schicken – sie war immer für mich da und ich trampelte egoistisch darauf herum..

Die Unbekannte und meine Tochter standen nun zwischen uns. Man merkte deutlich, dass chiQa das nicht sonderlich gut gefiel – was natürlich vollkommen verständlich war.. Ich konnte nur, in Gottes Namen, absolut nichts dagegen machen und weder wollte ich Sie aufgeben, noch den Kontakt zu meinem Kind verlieren.

Die ganze Nummer war nicht wirklich leicht für uns, ich nehme an es waren Angst und Frust – jedenfalls beendete chiQa unsere Liaison kurze Zeit nachdem meine Tochter das Licht der Welt erblickte.

Für mich fühlte sich das sehr bitter an. Gern hätte ich diese neue Situation erstmal auf mich zukommen lassen, um dann zu sehen, wie sich alles entwickelt. Ich verlor ja schließlich nicht nur irgendeine beliebige Freundin, sondern meine chiQa – die ich bis dato schon viele viele viele viele viele Jahre kannte. Hätte ich mir jemals ein Ende vorstellen müssen, dann ein versöhnliches.

Im Kreise meiner Freunde sprach ich mit Andrés Freundin über chiQa und mich – und immer wieder kamen wir zu dem gleichen Entschluss: Das kann es doch nicht schon gewesen sein?? Aber für’s Erste war es das eben, damit musste ich klar kommen.

In den kommenden Wochen traf ich mich häufiger mit der Unbekannten um meine Tochter zu sehen. Allein wurde sie mir in der ersten Zeit noch nicht anvertraut, daher war die Anwesenheit der Unbekannten unvermeidlich. Es war auch deutlich zu vernehmen, dass die Unbekannte sich nach dem Aus zwischen chiQa und mir nichts sehnlicher wünschte, als eine Neuauflage unserer Beziehung. Zu dem Zeitpunkt aber kam das für mich nicht in Frage. Für mich kam eigentlich überhaupt nichts in Frage. Ich war traurig das chiQa weg war, aber auch nicht so traurig, dass ich sie um jeden Preis zurück gewinnen wollte. Auch war ich nicht so traurig, dass ich lieber wieder verzweifelt und frustriert sein wollte – nur um meine Tochter immer bei mir zu haben.. So blieb ich vorerst allein.

Let’s grow old together – and die at the same time

So let me hold you in my arms a while

I was careless a a child

there’s a part of me that still believes

my sould will soar above the trees

a desperate fear flows through my blood

our dead love burries beneath the blood

One more time

Einige Wochen vergingen, da zeichnete sich ab, dass chiQa uns wohl auch noch nicht aufgegeben hat. Wir feierten also ein kleines Comeback, dass allerdings nicht sehr lange halten sollte.

Nachdem eigentlich alles gut lief wollte chiQa relativ plötzlich nach Hause und der Party einer Freundin beiwohnen. Irgenwie machte mich das misstrauisch und ich äusserte ihr gegenüber meine Sorgen diesbezüglich. chiQa aber versicherte mir, dass ich mir absolut keine Sorgen machen musste. Das gab Sie mir sogar schriftlich auf einem kleinen Brief, den ich in meinem Zimmer fand, nachdem sie weg war.

Angst hatte ich dann trotzdem. Ich war sogar panisch – ich ahnte das irgendwas passieren sollte… Eigentlich wollte sich chiQa auch bei mir melden, wenn sie auf der Party war – natürlich meldete sie sich nicht… Am nächsten Tag fuhr ich sie dafür im Chat recht barsch an und bekam – keine Antwort.. Nach einem virtuellen Wutausbruch bekam ich dann doch irgendwann mal eine Antwort, doch was ich lesen musste gefiel mir nicht.. Es geschah wie vorhergesehen – was genau weiß ich zwar nicht, aber es bedeutete das finale Aus für chiQa und mich. Für immer.

Es tat auch nur kurz weh, danach ging ich weiter meiner Wege.

Rückblickend betrachtet bin ich chiQa dennoch dankbar dafür, dass sie mich in der schweren Zeit unterstützt und mich nicht aufgegeben hat – obwohl ich ein Wrack war (und es immernoch bin). Während unserer Liasion hatten wir viel Spaß  und eine super Zeit, an die ich mich gern zurück erinnere – aber der nötige Ernst für eine Beziehung kam leider nie auf. Das Ende ging schon in Ordnung, die Art und Weise leider nicht.

chiQa – egal was war, ich hab dich immer lieb :-*

Gib doch auf, du Idiot..

Was folgte war die obligatorische Einsamkeit. Wieder mal hatte ich nichts, ausser den Chat und sporadisch meine Tochter, das die ständige Leere in mir füllen konnte..

Häufiger hatte ich meine Tochter jetzt auch mal allein für mich. Hin und wieder wollte ich meine Tochter auch mal länger da behalten, das war dann meist mit der Anwesenheit und Übernachtung der Unbekannten verbunden. Wir sind dann auch mal zusammen spazieren gegangen und so – fühlte sich an wie eine kleine Familie. Nach wie vor hatte ich aber nicht den Eindruck die Unbekannte besser zu kennen, als vorher. Immernoch war ich ihr gegenüber misstrauisch und auch einige Eigenheiten waren mir zuwider. Für meine Tochter konnte ich mich damit aber arrangieren.

Einmal, als ich mit meiner Tocher einen Nachmittag verbracht habe, zögerte ich das Abliefern bei der Unbekannten sogar so lange hinaus, bis mein Töchterchen zwangsläufig bei mir übernachten musste – ohne die Unbekannte versteht sich. Die erste Nacht so ganz alleine mit einem Baby war schon schwer – erst schlief sie nicht ein, dann wurd sie mitten in der Nacht wach – zu allem übel entschied sie sich dann sogar um kurz nach 7 Uhr morgens aufstehen zu wollen. Für jemanden wie mich, der gern lange pennt ist das echt die Hölle. Aber ich hab es  dennoch gern gemacht und auch gern wieder gemacht.

Im Laufe der Zeit traf ich dann eine Entscheidung der Vernunft. Ich würde wieder eine Beziehung mit der Unbekannten eingehen wollen, um meiner Tochter ein gescheites Aufwachsen unter beiden Elternteilen zu ermöglichen. Wahrlich hatte ich sogar die Hoffnung, dass die ständige Frustration, das Misstrauen und Verzweiflung vielleicht nachlassen, schließlich hatten wir nun ein Kind und man hätte die Situation neu bewerten können.

Vor nicht allzu langer Zeit waren die Ambitionen der Unbekannten ja ziemlich offensichtlich, jetzt, wo ich auch gewollt hätte war das ganze aber irgendwie anders. Ohne irgendeinen Grund dafür zu nennen wollte die Unbekannte es eher langsam angehen. Ich nahm das zur Kenntnis und akzeptierte es, schließlich war viel passiert in der Zwischenzeit, da hätte wohl jeder so reagiert.

In der kommenden Zeit intensivierte ich meine Bemühungen und wurde immer wieder auf’s Neue versetzt. Zwar konnte ich mir meine Tochter immer mal wieder holen, aber das Verhältnis zwischen der Unbekannten und mir entwickelte sich nicht, wie von mir erwartet. Irgendwas war anders, ich nahm an, dass die Geschichte mit dem Comeback von chiQa und mir sie verunsichert hat.. Aber immer mal wieder, wenn ich kurz davor war aufzugeben, ergab sich dann doch wieder eine Gelegenheit bei der wir uns näher kamen. Wir verbrachten Zeit miteinander, schliefen nebeneinander und miteinander – aber eine Beziehung hatten wir nicht. Komisch…

Aber ich gab nicht auf. Ich war bemüht so viel Zeit mit meiner Tochter und eigentlich auch zusammen mit der Unbekannten zu verbringen. Meist waren meine Tochter und ich dann doch alleine, das war zwar völlig in Ordnung, aber nicht das was ich wollte.

Die Unbekannte wohnte mit ihrer Mutter und meiner Tochter im oberen Geschoss eines Hauses mit zwei Wohneinheiten. Das Fenster der Küche lag zur Straßenseite, von draußen sah man also mindestens das Licht brennen. Das Haus verfügte über keine Gegensprechanlage oder einen elektrischen Türöffner, so war man als Mieter der oberen Wohnung dazu gezwungen die Trepper herunter zu gehen, wenn jemand geklingelt hat..

Eines Abends, als ich meine Tochter wieder bei der Unbekannten abliefern wollte, offenbarte sich etwas merkwürdiges.. Wie gewohnt kam die Unbekannte die Treppe herunter und öffnete die Tür. Sie nahm das Kind entgegen und aus dem geöffneten Küchenfenster konnte ich ein dunkles Husten vernehmen.. Skeptisch blickte ich die Unbekannte an, jene lies sich aber nichts anmerken, schloss die Tür und ging die Treppe hinauf.. Auf dem Weg zu meinem Auto, das keine fünf Meter von der Haustür entfernt parkte, bemerkte ich einen unbekannten, wein-roten 5er BMW mit Lipper Kennzeichen.

Ausnahmsweise machte es sofort Klick in meinem Kopf – der Grund für das merkwürdige Verhalten war gar nicht das Dilemma mit chiQa, sondern ein anderer Typ.

Aber wer war schon irgendein anderer Typ im Verhältnis zum Vater des Kindes? Wir hatten ja auch Sex, das hat man ja nicht einfach so?! Aber warum dann das merkwürdige Verhalten?! Ich wusste nicht so recht was ich denken sollte, einerseits entwickelte ich einen Hass auf den Typ, der jetzt in der Nähe meiner Tochter war, andererseits einen Hass auf die Unbekannte, die einfach nicht ehrlich war.

Irgendeinen Schriftwechsel gab es kurze Zeit später per SMS. Den genauen Inhalt kenne ich nicht mehr – von mir jedenfalls gab es im Wortlaut den Inhalt „Ich wollte dich und deinen Stecher nicht stören“ als Antwort zurück. Im Folgenden hätte ich mir eine ehrliche Stellungnahme gewünscht, aber ich bekam sowas wie „das ist nur ein Freund“. Glauben wollte ich das selbstverständlich nicht und es hat mich absolut rasend gemacht. Nur ein Freund – AM ARSCH.

Ich wollt eigentlich nur die Wahrheit – was ich bekam war noch viel mehr Verunsicherung als jemals zuvor. Noch viel mehr Frust und eine noch größere Verzweiflung. Nie im Leben hätte ich akzeptiert, dass meine Tochter in der Nähe von Ihr und irgendeinem Ficker aufwächst.  Aber sei es drum, so lang ich nicht das Gegenteil vom dem beweisen konnte, das die Unbekannte mir unterstellen wollte, musste ich es zwangsläufig so hinnehmen.

Alles was dann geschah, war im wahrsten Sinne des Wortes – seelische Folter.

10 Monate

.. vergingen. In diesen 10 Monaten bin ich der Unbekannten hinterhergelaufen wie ich räudiger Hund. Mit allem was in meiner Macht steht habe ich gegen Mauern aus massivem Granit gekämpft. Systematisch habe ich in meinem Kampf auch mein letztes bischen Selbstachtung über Board geworfen und alles gefressen, was mir zum Fraß vorgeworfen wurde… Worte wie „Ja, er wird bei mir übernachten“ sind bis heute fest in meinem Kopf eingebrannt und schmerzten so sehr, dass ich am liebsten das komplette Telefon samt Netz gefressen und wieder ausgekotzt hätte. Jeder Gedanke an Sie und den Typen war dermaßen grausam, dass mich zu absolut nichts mehr im Stande fühlte – nicht zum Arbeiten, nicht zum Chatten, nicht zum Duschen, nicht zum Aufstehen..

Wenn sich sterben so anfühlte, wollte ich nur noch tot sein. Einzig das Wohl meiner kleinen Tochter gab mit den Anlass meine Augen überhaupt noch öffnen zu wollen.. Ich fühlte mich hilflos und allein. Mit jeder Sekunde, die ich allein irgendwo war, dachte ich daran wann es wohl passieren würde? Meine Seele wurde mir, beim Gedanken daran, bei lebendigen Leib aus dem Körper gezogen.

Krampfhaft versuchte ich mich abzulenken, irgendwie – egal was. Aber ich fand nichts von Dauer. 10 Monate. Jeder, der mal Kummer hatte, weiß, wie lang sich eine lächerliche Woche anfühlt – ich habe 10 Monate in der Hölle gewohnt und wurde vom Heern der Unterwelt höchst persönlich am Spieß langsam über dem Feuer gedreht..

Nichts, GAR NICHTS wollte ich mehr hören. Nicht von meinen Freunden, nicht im Chat – rein gar nichts. Nichts und wieder nichts. In dieser Situation einen Job finden? Ich lach mich tot – vielleicht als Statist für eine Szene, in der ich eine Leiche gespielt hätte.. Mein, sowieso schon geringes, Körpergewicht reduzierte sich nochmal um 10 Kg – ergo wog ich mit 1,83m magere 60 Kg.

Ablenkung

Den Umstand der Arbeits- und Trostlosigkeit nutzte ich zwischendurch dennoch sinnvoll. zehn Monate sind eine verdammt lange Zeit, vor allem wenn man nichts zu tun hat. Klar hab ich meinen Rosenkrieg geführt und fühlte mich schlecht, aber irgendwo habe ich dennoch am Leben teilgenommen – zurückgezogen, aber teilgenommen.

Nachdem ich ja nach der Lehre meinen Golf 2 verkauft hatte, juckte es ein bischen in den Fingern. Neben dem Erlös vom Verkauf des 2ers hatte ich noch ein paar Mark gespart – in einer der hiesigen Autoverkaufsplattformen stieß ich dann auf einen 4-türigen Golf 3 GT Special, 1,8L 90PS, in schwarz, mit recht guter Austattung und nur knapp 250.000 Km auf der Uhr. Der Wagen wurde mit einem überschaubaren Tüv-Mängelbericht verkauft, für 600 € habe ich zugeschlagen.

Die Sache mit dem Mängeln und dem Tüv war ja kein Problem, da ich aber keinen Job hatte, brauchte ich auch kein Auto. So stand mein neuer Golf halt in der Garage rum und wartete auf seinen baldigen Einsatz.

Über Ecken und Kanten lernte ich einen der Autoverkäufer, des örtlichen VW-Autohaus kennen. Der Typ war sehr lässig drauf und genoß einige Freiheiten in seinem Job. In Zeiten der Abwrackprämie standen die Hinterhöfe großer Autohäuser voll mit Abwrackautos. Die Schrottplätze waren dermaßen voll, dass dich die Abholung und Verwertung der Fahrzeuge teilweise enorm herauszögerte. Diesem Umstand konnte ich mir für meinen Golf und ein paar Mark nebenbei zu Nutze machen.

Dank meines Verkäufer-Freundes durfte ich mich nach belieben an den Abwrackautos bedienen und so viel mitnehmen, wie ich tragen konnte. Einmal hab ich sogar ein ganzes Auto mitgenommen und nur die nackte Karosserie wieder zurück gebracht. Ein anderes Mal sollte ich im Auftrag Motor + Getriebe aus einem Fahrzeug ausbauen und konnte damit meine klamme Kasse etwas aufbessern.

In der Garage, an unserem neuen Wohnort, war das kein Problem. Da war genug Platz und mir ging niemand auf die Nerven. Kein Nachbar hat sich beschwert und jeder hat davon profitiert. Manchmal, wenn ich des Nachts nicht schlafen konnte – bin ich sogar dann noch in meine Garage gegangen und habe vor mich hin geschraubt. Arbeit macht wirklich frei…

Die Flut an neuen Teilen floß natürlich in meinen neuen Golf. Elektrische Fensterheber und Seitenspiegel, Klimaanlage, Climatronic – mein Golf hatte später alles. Sogar einen andern Motor habe ich eingebaut. Aus einem Abwrackauto konnte ich einen 1,6 Liter Motor mit 101PS und sehr kurz übersetztem Getriebe mit grade mal 90.000Km Laufleistung ergattern und habe all die Komponenten in meinen Golf eingebaut.

Selbstverständlich ging meine neue Golf 3 Session nicht ohne die entsprechende Community über die Bühne. Ich meldete mich im Golf 3 Forum an und nahm fröhlich am Geschehen teil. Nach gar nicht all zu langer Zeit (ich glaube ich hatte grade mal rund 250 Beiträge verfasst), fragte mich einer der Administratoren ob ich nicht Lust hätte als Moderator im Forum tätig zu sein. Ich willigte ein und war fortan lange Zeit als Moderator im Golf 3 Forum aktiv. Dort konnte ich z.B. exzellent bei technischen Problemen – Hilfestellung bieten. Auch ein umfassendes Tutorial zum Thema – Nachrüstung von Klimaanlage/Climatronic geht auf mein Konto.

In so einem Forum lernt man hin und wieder ja auch mal neue Leute kennen, viele flüchtige Kontakte entwickelten sich, einige wurden sogar etwas enger. Nichts im Vergleich zum Chat – aber darum ging es mir auch gar nicht. Das Kennenlernen neuer Leute hatte ich satt. Ich wollte meine Interessen ausleben und lernen. Viele Sachen vom Golf 2, bei dem ich ja schon Profi war, konnte man auf den Golf 3 übertragen. Aber mit dem Golf 3 hab ich mich noch ein Tick intensiver auseinander gesetzt – ich denke ich war ein noch größerer Profi geworden.

Eines Tages, nach unzähligen Arbeitsstunden, war es soweit. Der erste Motorumbau meiner Geschichte war abgeschlossen und ich drehte den Zündschlüssel – 1 – 2 – und mit ohrenbetäubenden Lärm, da ich noch keinen Aufpuff montiert hatte, startete mein neu eingepflanztes Herz. Ich spürte wie meine Augen kurz feucht wurden… Ich hatte es mir ja schließlich auch nicht leicht gemacht. Ich habe nicht, wie jeder, Motor/Getriebe aus einem anderen Golf 3 in meinen Golf 3 eingebaut – nein, ich habe Motor/Getriebe aus einem 96er Passat in meinen 92er Golf 3 eingebaut. Der Aufwand an Anpassungsarbeiten, insbesondere am Motorkabelbaum waren enorm. Das einzige was an der Stelle noch krasser war, war meine eigene Lernkurve. Klimaanlage (nachgerüstet), die Art der Kupplungsbetätigung (Seilzug -> Hydraulik), die Art der Gangwahl (Gestänge -> Seilzug) – das alles war Umfang meines Projektes und es so viel Spaß gemacht und ich habe so viel dabei gelernt.

Das alles in den Schatten stellte dann die erste Fahrt mit meinem eigens gebauten Auto. Motor und Getriebe liefen perfekt und der Fahrspaß war absolut gigantisch. Obwohl ich Leistungstechnisch keinen großen Sprung gemacht habe fühlte sich das Auto absolut genial an. Ich kannte an diesem Golf absolut jede Schraube persönlich, denn ich habe jede Schraube auch sicherlich mehrfach beim Vornamen genannt. Egab ob Jungfernfahrt oder der anschließende Wechsel des Zahnriemens an MEINEM Motor – das war MEIN Auto und es war ober geil.

Sold my Soul

Im letzten Viertel des Jahres 2009 wurde ich telefonisch von der Unbekannten zu ihr bestellt, da Sie mit mir sprechen musste..

Mir war Angst und Bange. Mir wurde kotz-übel und ich fing an zu zittern. Eigentlich wollte ich gar nicht wissen worum es geht, denn es konnte nichts Gutes sein. Die Fahrt zu ihr war die längste und härteste meines Lebens. Unfähig mich richtig auf den Verkehr zu konzentrieren, murmelte ich Gebete zum Herrn hinauf, in der Hoffnung er möge Meiner gnädig sein..

Bei ihr angekommen. Das Auto abgestellt. Der Gang zur Haustür – so muss es sich anfühlen das Tor zur Hölle zu beschreiten. Der Druck auf die Klingel – das Flehen zum Herrn mich endlich zu erlösen, aber es geschah nichts. Die Unbekannte kam, wie gewohnt, die Treppe hinab, meine Tochter auf dem Arm. Ich trat hinein – kurz blickte ich mich nochmal um, vielleicht war der Herr ja doch noch gekommen – aber vergebens.

Oben angekommen gingen wir ins Wohnzimmer, die Unbekannte nahm auf dem Sofa platz – ich lief nervös auf und ab. In Bruchteilen von Sekunden spielten sich ein Duzend Szenarien beispielloser Grausamkeit vor meinem inneren Auge ab. Was – kommt – jetzt? Ich hatte die Frage noch nicht ganz zuende gedacht, da ergriff die Unbekannte das Wort. Wie nicht anders zu erwarten war, traf mich die Nachricht wie ein Blitz beim Scheißen.

Die Unbekannte teilte mir eine erneute Schwangerschaft mit.

Ich hatte ja viele grausame Szenarien vor meinem inneren Auge gesehen – DAS jedoch nicht. Sofort nährten sich auch Zweifel. Etwa von mir?! Wir hatten zwar hin und wieder mal Sex, aber ich wüsste jetzt nicht, dass dieser unverhütet gewesen wäre. Zumal man die Häufigkeit auch an einer Hand hätte abzählen können. 10 Monate, weniger als 5 Mal Sex, keine Erinnerung daran, ob überhaupt unverhütet – der Lipper, ihr seltsames Verhalten, ihre Beteuerung mit dem Lipper nie was gehabt zu haben.. Konnte das sein?!

Meine erste Frage an die Unbekannte war also, ob es auch wirklich von mir wäre. Pikiert durch diese Frage erhielt ich nur die Antwort, dass es natürlich von mir wäre und nie etwas mit irgendwem anders gelaufen wäre..

Die Pille musste ich dann erstmal verdauen. Ich verließ die Wohnung und fuhr zu meinem besten Kumpel, mit dem ich dann über alles sprach.. Auch mit meiner Mutter sprach ich darüber – den restlichen Personen um mich herum enthielt ich diese neuerliche Sensation erst einmal vor.

Es stellte sich dann natürlich die Frage, wie es weiter gehen soll. Der Lipper schien irgendwie vom Erdboden verschluckt und die Situation zwischen der Unbekannten und mir entspannte sich. Einerseits war ich darüber froh, meinen Krieg hatte ich gewonnen, den Preis dafür musste ich dennoch zahlen. Mein Glaube an den Herrn war seitdem übrigens nicht mehr existent.

Das Exil

Ich wohnte immernoch bei meinen Eltern und die Unbekannte bei ihrer Mutter. Platz für zwei Kinder war in keinem der jeweiligen Häuser, daher entschlossen wir uns zusammen zu ziehen. Der Wohnungsmarkt gab zwar einiges her, allerdings waren wir auch beide ohne eigenes Einkommen und die Zeit sehr knapp. Ich hätte gern wieder in meiner alten Heimat gelebt und Platz zum Schrauben war auch gern gesehen.

Der Vater, der Unbekannten, den ich fortan „den Alten“ nannte, betrieb im Nachbarort meiner Heimat einen etwas abgelegenen, trostlosen Campingplatz am See auf einem ehemaligen Bauernhof. Der Alte führte den Betrieb, seit der Scheidung von seiner Frau, alleine. Der ungepflegte, äussere Eindruck der Anlage ließ vermuten, dass er nicht mit ganzen Herzen bei der Sache war.
Das Ding hatte Potential, keine Frage, aber es bedurfte einer Menge Arbeit um einen adäquaten Zustand für solventes Publikum zu schaffen.

Neben dem Campingplatz gab es noch eine alte Gaststätte. Alte Stallungen, die Teilweise zu Wohnraum umgebaut wurden, Schuppen, Garagen, einen großen Hof und das alte Wohnhaus mit großer Deele. Der Alte wohnte mit seiner schwer pflegebedürftigen Mutter in einem der umgebauten Stallungen, zuvor bewohnte er einst das alte Wohnhaus, das später dann die Schwester, der Unbekannten, mit ihrem Partner und deren gemeinsamer Tochter bewohnte.
Alles war alt. Manchmal kam man sich vor, als wäre man, beim Befahren der Zufahrt, in die 80er zurückgereist. Sämtliche Räumlichkeiten, die nicht unbedingt als Wohnraum dienten und auch die alte Gaststätte, standen voll mit altem Gerümpel. Ein Unbändiges Chaos. Für einen ordnungsliebenden Menschen, wie mich, eine gelungene Herausforderung, die ich gern annehmen wollte.

Das alte Wohnhaus mit der großen Deele stand zu diesem Zeitpunkt schon längere Zeit leer. Der Plan stand: Wir würden das alte Wohnhaus beziehen, ich hätte weiterhin Platz zum Schrauben und wir würden den Alten ein bischen unterstützten – denn Unterstützung war dort wirklich von Nöten. Eine Win-Win Situation. Nach einigen Renovierungsarbeiten bezogen wir das Haus im März 2010.

Der Alte, das wusste ich schon vorher, war kein einfacher Typ. Wie schwierig er wirklich war, das konnte ich zu dem Zeitpunkt aber nicht ahnen..

Zurück im Arbeitsleben

Da mein 10 Monats-Tief überwunden war, traute ich mir auch wieder zu arbeiten zu gehen. Der Stellenmarkt war jetzt nicht so pralle, aber eine Stelle bei einem Personaldienstleiter brachte mir ein kleines Erfolgserlebnis.

Für die anstehende Sommerreifen-Saison suchte jener Personaldienstleister entsprechende Fachkräfte, die bei A.T.U. für Entlastung sorgen. Für den Wiedereinstieg war das eine super Sache für mich. A.T.U. hat in Fachkreisen zwar überhaupt keinen guten Ruf, aber das war mir egal, ich wollte wieder arbeiten und nur das zählte.

Ende März fing ich also wieder an zu arbeiten – und das fühlte sich super an. Die Zeit bei A.T.U. war auch gar nicht so schlimm. Der Laden war immer brechend voll, es gab viel Arbeit und das Betriebsklima war sensationell. Ich glaube es lag daran, dass sich alle mit dem Ruf von A.T.U. abgefunden hatten, jedenfalls grenzte die Stimmung jeden Tag an Galgenhumor. Insgesamt war ich nur knapp 3 Monate dort, eine anschließende Option auf Übernahme wurde mir zwar in Aussicht gestellt, ergab sich final aber nicht.

Der Personaldienstleister schickte mich nach der Zeit bei A.T.U. auf den Bau. Genauer gesagt zum Lüftungsbau. In einem der Nachbarorte wurde eine Klinik saniert und die Männer vom Lüftungsbau sollten dort eben eine neue Anlage montieren. Was der Personaldienstleister verschwiegen hatte war, dass die beiden Monteure der auftragsnehmenden Firma, für die ich arbeiten sollte, auf Montage arbeiteten.

Montage, dass heisst man ist weit weg von Zuhause – von Montags bis Donnerstags arbeitet man Tag und Nacht, pennt in einer Absteige, um Donnerstags nach Feierabend den langen Heimweg anzutreten und das Wochenende mit seiner Familie zu verbringen. Für den normalen Arbeitnehmer ist das ein lukrativer Job, da wird richtiges Geld verdient und Spesen bezahlt. Der Personaldienstleister zahlte aber, nach wie vor, den kläglichen Lohn von knappen 10 € – das war mir die Sache nicht wert. Meiner Sklaventreiberin gegenüber erläuterte ich missmutig diesen Umstand und wurde daraufhin ganz rausgeschmissen.

04.04.2010

.. war Ostersonntag. Die Unbekannte bekam tief Nachts die Wehen – oder die Fruchtblase war geplatzt, keine Ahnung wie sich so eine Geburt genau ankündigt. Der Alte fuhr mit der Unbekannten ins Krankenhaus. Ich blieb zuhause, schließlich musste ja irgendwer auf meine Tochter aufpassen.

In meinem Tiefschlaf hatte ich die Situation gar nicht richtig realisiert. So gegen 7 Uhr kam der Alte aber dann ins Obergeschoss, wo die Schlafräume waren und berichtete, dass der Junge gesund zur Welt gekommen war.

Als meine Tochter dann auch irgendwann wach wurde, machten wir uns fertig und brachen auf zum Krankenhaus. Es war die selbe Klinik wie letztes Mal. Ich war recht gefasst, alles war vorbereitet. Wieder hatte ich den Namen festgelegt. Joel sollte er heißen. Was sollte also schief gehen?

Nachdem ich das Zimmer der entsprechenden Station betreten hatte, in dem die Unbekannte mit dem Jungen lag und das Kind zum ersten Mal im Arm trug, wusste ich was schief gehen kann.

Es ging nicht nur schief, sondern steil bergab. Mit Druck von Oben und in Schuhen aus Blei an den Füßen. Das Kind, das ich da in meinen Armen hielt, so unschuldig es auch aussah – es war nicht mein Kind. Einen kurzen Moment saß ich fassungslos, mit dem Jungen auf dem Arm, auf einem Stuhl. Der Junge begann zu weinen und ich bat die Schwester das Kind zu nehmen. DAS war nicht mein Kind, das wusste ich sofort. Nicht etwas weil es schwarz war, nein – aber es war wie eine 1:1 Kopie des Lippers.

Den Lipper habe ich nie getroffen, auch wenn wir mal Kontakt hatten. Auf Bildern jedoch habe ich ihn gesehen. Ich wusste genau wie er aussah, denn wie der Feind aussah – das musste ich im Krieg natürlich wissen. Der Junge sah so aus. Exakt so. Mir wurde schlecht. Ich fuhr nach Hause..

In den kommenden Tagen, Wochen und Monaten kam ich mir wie der größte Vollidiot vor. Es war so offensichtlich. Jeder, ausnahmslos jeder MUSSTE das sehen und niemand, wirklich niemand kümmerte sich um mein Befinden. Haben alle um mich rum tatsächlich gedacht, ich wäre SO blöd und hätte DAS nicht gemerkt? Wollten die mir das weismachen? Hat vielleicht jeder gewusst, dass ich es wusste und es nicht übers Herz gebracht mit mir zu sprechen?

All das, was bis dahin aufgebaut war, basierte auf einer einzigen Lüge. Hätte die Unbekannte mir damals gesagt, dass mehr mit dem Lipper war, hätte ich keine 10 Monate gelitten – dann hätte ich los gelassen. Hätte Sie gleich gesagt, dass Sie sich nicht sicher sei, wer der Erzeuger des Kindes ist, wäre ich niemals in das alte Bauernhaus gezogen. Nichts von all dem, was seit der Nachricht über die Schwangerschaft geschehen war, wäre so geschehen.

Jetzt war ich der Idiot. Belogen von der Frau, die ich meine Freundin nannte und mir einbildete zu lieben. Der Lächerlichkeit preisgegeben. Ein Leben lebend, basierend auf einer dreißten Lüge.

Nach der Entlassung der beiden aus der Klinik, wurde mir jedes Mal schlecht, wenn ich dem Jungen einem Raum war und den Lipper in ihm sah. Es tat mir so leid für den Jungen, der nichts für all das konnte – weder für sein Aussehen, noch für die gigantische Lüge, unter dessen Bedingungen er aufwachsen sollte.

Ich war mir auch sicher, dass der Lipper es insgeheim wusste. Er wusste, dass er der Erzeuger war und verpisste sich feige. Aus Unfähigkeit die Verantwortung für das eigene Handeln und die daraus resultierenden Konsequenzen zu tragen.

Die ganze Situation riss mir, mal wieder, den Boden unter den Füßen weg. Ich fühlte mich leer. Mein Stolz – gebrochen. Mein Vertrauen – verschwunden. Was blieb war ein Scherbenhaufen, dessen Einzelteile ich wie ein Mosaik wieder begann zusammen zu setzen. Der Junge tat mir leid, meine Tochter tat mir leid und ich tat mir auch leid. Für die Unbekannte empfand ich nur noch Abscheu. Noch nichtmal da, wo es unmöglich war es zu leugnen, war Sie dazu in der Lage mit offenen Karten zu spielen.

Mal wieder hatte ich allen Grund dazu Sie für immer aus meinem Leben zu entfernen, mal wieder tat ich es nicht. Aus reinster Herzensgüte, für die beiden unschuldigen Kinder, denen ich ein besserer Vater sein wollte, als es Meiner für mich war, entschied ich mich dazu nicht zu gehen. Die logische Konsequenz, den Entschluss den wahrscheinlich jeder getroffen hätte – ich traf ihn nicht. Zu schön war mein Wunschtraum, ein Familienleben zu leben, im dem alten Wohnhaus am See und alles besser zu machen. Vielleicht hätte man den Betrieb des Alten irgendwann übernehmen können. Ich war gebrochen, ob so oder so. Das Leben basierend auf einer riesigen Lüge – ich lebte es weiter..

Schrauberwut

Nachdem ich bei dem ersten Personaldienstleister ja rausgeschmissen wurde, fand ich im Juni einen neuen Job als Produktionsarbeiter. Wieder lief der Job über einen Personaldienstleister, der Einsatzort: Wincor Nixdorf.

In zwei Schichten habe ich hier Kleinteile vormontiert.
Man nehme eine Metallstange, steckt einen Sicherungsring darauf, schiebt eine Rolle auf die Stange, steckt einen weiteren Sicherungsring darauf – und legt das Teil in die Kiste. Eine ganze Schicht lang. Hin und wieder kam dann mal ein anderes Teil – aber im Kern war das Arbeit für Deppen.
Im Hintergrund liefen immer wieder irgendwelche Geräte zur Probe – ein furchtbares Geräusch, dass einen nach den Schichten sogar noch im Traum verfolgte.

Später, weil ich offenbar gut gearbeitet hatte, durfte ich dann das Gerät montieren, für das ich zuvor die Kleinteile vormontiert hatte. Den Rekord von 30 Stücken pro Schicht habe ich locker überboten. Das Ganze war so anspruchslos, ich hab direkt zwei oder drei Geräte parallel gebaut. Das war viel effizienter – leider wurde man nicht nach Stücken bezahlt, sondern erhielt, sage und schreibe, 7,80 € pro Stunde.

Kaffee gab es zwar jederzeit gratis und man konnte sogar im Gebäude rauchen (unter Abzugshauben) – aber ich glaube wenn Heinz Nixdorf sehen könnte, was aus seiner Firma geworden war, hätte er sich im Grabe umgedreht…
Das war immerhin Wincor-Nixdorf – ein heiliger Gral, zwar nicht unbedingt für mich, dennoch galt eine Anstellung dort immer als Freibrief, für eine unbeschwerte, berufliche Zukunft.
Was Heinz Nixdorf, der Visionär, dort eins geschaffen hatte, das war eine ehrfürchtige Darbietung für die technischen Möglichkeiten seiner Zeit. All seine Nachfolger, die verzweifelt versucht haben, sein Erbe erfolgreich fort zu führen – kläglich gescheitert. Nicht im Ansatz konnte man an irgendeiner Stelle den Versuch vernehmen, die Visionen, des Heinz Nixdorf konsequent weiterführen zu wollen. Ein Jammer. Sein Andenken – für immer besudelt.

Mein bester Kumpel war indes bei einem neu gegründeten Autohaus, als Fahrzeug-Zerleger, angefangen. Stolz berichtete er mir eines Abends, dass  er einen Job für mich dort hätte und ich doch mal vorbei kommen sollte. Gesagt – getan.

Alles war besser, als in der Abteilung bei Wincor-Nixdorf vollkommen zu verblöden. Ich meine, wenn ich z.B. mit Heerde dort gesessen hätte – und, sagen wir mal 12 € die Stunde bekommen hätte – wär das die Zeit unseres Lebens geworden. Oft musste ich, während der öden Schichten, an die Zeit im TBZ denken..
Manchmal, wenn ich auf dem Klo Zeit schinden wollte, konnte ich in den unendlichen Lüftungsschächten sogar ein leises Winseln vernehmen. Ich glaube das war Heinz Nixdorf und für mich ein Zeichen, dass ich schleunigst verschwinden müsste.

Als ich mit meinem Kumpel am Autohaus angekommen war, sah ich nur Smarts. Offensichtlich wurde hier nur mit Smarts gearbeitet – na gut, die kannte ich von der Zeit aus der Mercedes-Werkstatt schon ein bischen und bei A.T.U. war mir auch der ein oder andere Smart auf die Bühne gerollt. Allerdings haben viele andere Werkstätten von der frickeligen Technik dieser speziellen Fahrzeuge lieber die Finger gelassen – aus gutem Grund.

Das Gespräch mit den beiden Chefs verlief gut, es waren zwar Afghanen, aber wir waren auf einer Wellenlänge. Hier wurde ehrliches Deutsch gesprochen, das gefiel mir gut. Ich wurde zum Probearbeiten eingeladen. Bei Wincor-Nixdorf bzw. dem Personaldienstleister hatte ich mich in der Zeit krank gemeldet – ich war ja erst einen Monat da und Urlaub hätte ich nicht bekommen.

Das Probearbeiten lief super, ich verstand mich mit allen Mitarbeitern an anhieb. Ich fühlte mich wohl, endlich wieder in einer Werkstatt zu stehen und das zu tun, was ich am Besten konnte. Ich sollte den Job bekommen. So fing ich zum 1.8.2010 in dem Autohaus an und wurde Smart-Spezialist.

Bei Smarts und das war sehr speziell, starben in der ersten Modellgeneration die Benzinmotoren bei Laufleistungen zwischen 80.000 – 120.000 KM. Das Geschäftsmodell der beiden Afghanen sah vor, generalüberholte Motoren in die Fahrzeuge einzusetzen. Mit kostenloser Abholung, des defekten Fahrzeugs und 3 Jahren Garantie zu einem sagenhaften Preis. So wurden aber nicht nur Kundenfahrzeuge abgewickelt, sondern auch eigene Fahrzeuge wieder auf Vordermann gebracht und zum Verkauf angeboten. Ein solcher Smart, mit generalüberholten Motor, wurde seinerzeit ab 3000 € angeboten.

Das Geschäft lief wie bescheuert – fortan war ich tagein tagaus damit beschäftigt neue Motoren in die Smarts einzubauen und weitere Reparaturen durchzuführen. In meiner ganzen Zeit dort habe ich in so hoher Anzahl neue Motoren verbaut, dass die Stückzahl über das ganze Beschäftigungsverhältnis bei über 1000 Fahrzeugen lag.
Immer bessere Methodik, immer höhere Geschwindigkeit – immer mehr Fahrzeuge pro Tag. Meine Schrauberwut – ich ließ ihr freien Lauf.

Immer das Gleiche

Ich war täglich bis 17 Uhr arbeiten und die Unbekannte kümmerte sich Zuhause um Kinder und Haushalt. Zumindest dachte ich mir das so. Zu meinem Leidwesen musste ich mich immer wieder über größere Defizite bei der Haushaltsführung ärgern. Die Unbekannte wünschte sich mehr Unterstützung, schob die Sachen auf, es nervte tierisch.. Es gab einfach keine Konstanz in Ihren Abläufen und jedes Mal auf’s Neue musste ich mit ansehen, wie mein Haus einem Saustall glich.

Die Ausreden waren vielfältig. Mal musste Sie ihrem Vater helfen, mal war Dies, mal Das.. Wenn es mir meine Kraft, nach der Arbeit, noch ermöglichte – übernahm ich die Sache halt, höchst widerwillig, selbst.

Gefühlt war immer für alles was Sie betraf Zeit da, für das, meiner Meinung nach, wesentliche allerdings nicht. Ich erinnere ich noch gut daran, dass Sie des Öfteren Abends raus gehen wollte, ob ich mitkommen wollte wurde nie gefragt, es endete immer wieder gleich… Nachdem sie mich mit noch fremderen Blick als sonst angefleht hat bitte gehen zu dürfen, ließ ich Sie schließlich gehen – ärgerte mich dann, dass ich, der Vollidiot, alleine im Saustall die Kinder hüte, während Sie kein Ende fand und irgendwann, mitten in der Nacht, wieder auftauchte… Tags drauf habe ich meist nie mit ihr geredet, zu groß war meine Wut.

Was nahm Sie sich denn bitteschön raus? Das ich noch da war, war ja immmerhin keine Selbstverständlichkeit. Der Dank? Undank. Meine Gütmütigkeit? Ausgenutzt, wie immer. Frustration und Verzweiflung. Wenigstens konnte ich mit der Situation um den Jungen etwas besser umgehen. Es fiel mir auch schwer ihr Gefühle zu zeigen, in der Vergangenheit hatte Sie ja auch genug darauf herumgetrampelt – meine Gefühle behielt ich daher für mich. Ein Faktor, der auch immer wieder für unliebsame Reiberei sorgte. Während ich meine Emotionen eigentlich nur im Beischlaf wirklich zur Geltung bringen konnte, enthielt Sie sich lieber und bestand auf andere Formen. Das war mir zuwider und hatte Frust und Verzweiflung zur Folge..

Zwischenzeitlich wurde die Unbekannte wieder schwanger. Eigentlich nahm Sie ja die Pille, dachte ich zumindest. Allerdings muss man die ja ziemlich regelmäßig nehmen – das scheint schwerer zu sein als gedacht. Recht schnell stand aber fest, dass wir die Schwangerschaft abbrechen wollen. Weder Zeitpunkt noch sonst irgendwas waren auch nur im Ansatz dazu geeignet noch ein Kind zu bekommen. Sie hat den Termin in der Klinik vereinbart. Wir sind zusammen dorthin gefahren. Es war unsere Entscheidung und die war sehr hart zu treffen. Auch wenn es sich um ein kontroverses Thema handelt, dafür möchte ich mich nicht rechtfertigen, verurteilt werden oder entschuldigen. Niemals.

Wir haben die Sache nie an die große Glocke gehangen, weil wir uns dafür schämten. Großartig darüber geredet hatten wir auch nicht. Nie wieder. Es sollte einfach nur vergessen werden. Ungeschehen. Verdrängt.

Aber es ist eine Geschichte, die das Leben schrieb. Ich selbst hätte niemals jemanden für solch eine Entscheidung verurteilt. Auch mich selbst nicht.

Wie die Unbekannte damit umgegangen ist, konnte ich nur erahnen, aber es war sicherlich nicht leicht. Diese schwere Entscheidung hatte uns aber wieder ein Stück näher zusammengebracht.
Einige Zeit später bekam die Unbekannte, wie Sie mir mitteilte, eine Gebärmutterentzündung. Ich nahm an, es war aufgrund des Schwangerschaftsabbruchs. Körperlich sind wir uns in der Zeit nicht großartig näher gekommen, natürlich aufgrund der gesundheitlichen Defizite. Damit konnte ich umgehen, schließlich war es eine Konsequenz unserer Entscheidung.

Ich bin mehr..

Das Jahr 2011 war schon lange herangebrochen. Die Arbeit lief immernoch gut, leider schlichen sich immer wieder Unstimmigkeiten mit dem Senior Chef ein. Ich hätte zu wenig Erfahrung und sollte deswegen keine mir unbekannten Arbeiten machen. Meine Arbeitsqualität wäre nicht gut genug. Meine Disziplin zu schlecht.

Alles Punkte, die ich nicht so richtig nachvollziehen konnte. Man wächst mit seinen Aufgaben, das hat mir die Vergangenheit, allen voran meine beiden Autos, gezeigt. Qualität braucht Zeit, Qualität braucht Kontrolle. Wenn jemand auf der einen Seite nörgelt, dass die Reparaturen zu lange dauern, dann darf man sich auf der anderen Seite nicht über mangelnde Qualität beschweren.
Was die Disziplin betrifft, da hätte der Senior sich mal besser an die eigene Nase gefasst. War ich bei Zeiten stets pünktlich um 8 Uhr an der Firma, musste ich teilweise 10 -30 Minuten warten, bis der gnädige Herr denn mal ankam und die Türen aufgeschlossen hat. Irgendwann kam ich dann auch erst ab virtel nach 8 – dann brauchte ich wenigstens nicht mehr in der Kälte warten.

Der Junior kam in der Zwischenzeit auf die Idee, dass man ja auch den breiten Fahrzeugmarkt erschliessen kann, in dem man die Motorüberholung einfach für alle Fahrzeuge anbietet. Für dieses neue Segment wurde sogar eigens eine neue GmbH gegründet, der Maschinenpark erweitert und neue Mitarbeiter eingestellt.

Die Idee war gut, die Umsetzung war schlecht. Wenn Laien versuchen etwas zu machen, von dem sie keine Ahnung haben, dann geht das meist schief. Ich ahnte, dass das Unterfangen schief gehen würde und machte mir Gedanken über meine Zukunft.

In der Vergangenheit habe ich, während der Abwesenheit unserers Werkstattmeisters, immer mal wieder selbst die Rolle des Werkstattleiters übernehmen dürfen. Das fühlte sich großartig an. Mit Kunden telefonieren, organisieren, den anderen Kollegen mit Rat und Tat weiterhelfen. Da war er wieder – der heilige Gral. So musste es sich anfühlen wenn man Meister wäre. Das wollte ich – unbedingt!

Als Kraftfahrzeug-Servicemechaniker, der, wie ich, nun 1 1/2 Jahre weit über dem Niveau eines normalen Servicemechanikers gearbeitet hat – wollte ich mich natürlich nicht mehr mit weniger zufrieden geben. Jetzt noch irgendwo weiter lernen und KFZ-Mechatroniker werden, wo mein Gehalt jetzt schon knapp war? Das kam nicht in Frage. Auch würde es nicht leicht werden irgendwo anders unterzukommen.
Im Netz informierte ich mich dann über die Meisterschule.

Um Meister zu werden muss man vier Prüfungen bestehen, am besten besucht man vorher entsprechende Vorbereitungskurse. Finanzieren konnte man all das über das Meister-Bafög, coole Nummer.
Aber einen Haken hatte die Sache – ich hatte keinen Gesellenbrief, denn als KFZ-Servicemechaniker ist man, in den Augen der Handwerkskammer, kein Geselle. Allerdings hatte ich ja jetzt schon einige Berufspraxis und meine telefonische Nachfrage bei den entsprechenden Stellen gaben mir positive Rückmeldungen.

So entschied ich mich, die Kurse zu buchen und die Finanzierung zu beantragen. Den Job im Autohaus habe ich zum 15.01.2012 gekündigt und ab dem 29.01.2012 sollte ich den ersten Vorbereitungskurs besuchen.

Fachtheorie

.. so nennt sich der zweite Teil der Meisterprüfung. Der ensprechende Vorbereitungskurs begann und ich war extrem nervös. Ich hatte Angst mich zu blamieren, Angst, dass alles was ich bis dato gerlent habe vielleicht gar nichts wert war. Ich hatte Angst zu scheitern.

Um eine ausreichende Finanzierung unseres Lebens sicherzustellen, unterzeichnete ich die rechtliche Vaterschaft für den Jungen, der nicht meiner war. Ab dem Zeitpunkt war er offiziell mein Junge, eine Entscheidung, die mir nicht leich fiel – aber ich hatte ihn nun heranwachsen sehen und es fühlte sich richtig an.

Die Kurse fanden alle samt im TBZ statt. Ich kehrte also wieder an den Ort zurück, an dem ich meinen Staplerschein machte und meine Lehre absolvierte.
Die ersten Tage in dem Vorbereitungskurs waren hart. Während um mich herum scheinbar alle immer wussten, was zu tun war – saß ich teilweise nur da und verpasste den Anschluss. Ich fühlte mich mies und innerlich war ich bereits nach zwei Wochen, an der neuen Herausforderung, gescheitert.

Im Laufe der Zeit allerdings, lernte ich meine Mitstreiter besser kennen. Wir fachsimpelten und hatten Spaß. Einige kamen unmittelbar nach der Lehre auf die Meisterschule, andere hatten bereits 20 Jahre im Beruf verbracht. Wieder andere waren 10 Jahre gar nicht im Beruf. Und ich? Ich kam zwar aus dem Beruf, war aber gar kein Geselle. Die Gemeinschaft war geil, es bildeten sich, wie in der Schule, kleine Gruppen und stellte fest, dass ich gar nicht so dumm war, wie ich mich fühlte.

Die Reihenfolge, in der die einzelnen Teile der Prüfung abgelegt werden konnten war beliebig. Einige im Vorbereitungskurs hatten schon die drei andern Prüfungen abgelegt, andere erst Einen. Die Gruppe, in der ich Anschluss fand, wir sollten alle Teile und Kurse gemeinsam belegen.

Der Vorbereitungslehrgang für die Fachtheorie dauerte am längesten von allen und war inhaltlich am umfangreichsten. Im Grunde genommen haben wir alles nochmal von vorne gelernt – nur richtig. Hinzu kamen Existenzgründungsseminare und kaufmännische Grundlagen.

Die anfängliche Nervosität verflog bald und ich fühlte mich sicher und stark. Zusammen haben wir das neue Wissen aufgesogen und uns in Lerngruppen getroffen, um alles durchzuarbeiten und zu begreifen.
Langsam kam zurück, was ich lange verloren hatte – Selbstvertrauen.

Anfang März schien die Gebärmutterentzündung, der Unbekannten, langsam abzuklingen und neben den obligatorischen Mängeln in der Haushaltsführung lief es zwischen uns eigentlich ganz gut.
Die Kinder entwickelten sich hervorragend und mein Leben kam mir das erste Mal seit langem wieder wie ein richtiges Leben vor.
Alles sollte perfekt werden, als Meister hätte ich viel mehr Geld verdient, wir hätten uns alle Träume und Wünsche erfüllen können.

Schicksalsprüfung

Der Tag, der Prüfung rückte immer näher, alle wurden nervös.
Für einige bedeutete die Prüfung das Ende ihrer Reise – für die Gruppe um mich herum erst den Anfang. Knapp vier Monate waren wir schon im Lehrgang und hatten noch rein gar nichts erreicht.

Der Prüfungsausschuss verweigerte mir zu allem Überfluss dann noch die Zulassung zur Prüfung. Ich war kein Geselle und sollte auch kein Meister werden dürfen. Das traf mich wie ein Schlag und sofort fing ich an, alles zu unternehmen, um diesen Umstand zu ändern.
Zusammmen mit einem der Dozenten und einem höheren Angestellten des TBZ fanden wir aber eine Lösung für das Problem. Ich hatte lediglich nachzuweisen, dass ich im Laufe meiner Berufspraxis alle relevanten Arbeiten, der mir fehlenden Lehrjahre, in der Vergangenheit durchgeführt hatte.
Gesagt, getan. Ich arbeitete ein Dokument aus, in dem ich alle Arbeiten, die im Zusammenhang mit den Inhalten der Lehrjahre drei und vier, der KFZ-Mechatroniker Lehre, standen aus und führte sämtliche Tätigkeiten auf. Jenes Dokument ließ ich dann im Autohaus, von meinem ehemaligen Chef unterschreiben.
Der Prüfungsausschuss gab sich damit zufrieden und ich durfte weiter machen.

Die Prüfung selbst war dann wirklich schwer. Gefühlt hatte ich keine der Rechnenaufgaben korrekt lösen können und bei einigen Fragen den totalen Blackout. Ich sog mir irgendwas zusammenhängendes aus den Fingern, nur um nicht Nichts zu schreiben. Meiner Gruppe ging es ähnlich – das Gefühl war schlecht, die Stimmung im Keller.
Bis zur Verkündung der Ergebnisse sollte es über einen Monat dauern. Unmittelbar mit der Prüfung endeete naütrlich auch der Vorbereitungskurs und ich hatte zwischen den Lehrgängen knapp einen Monat frei.

Zur Verkündung der Ergebnisse wurde der gesamte Kurs dann in die Nachbarstadt zitiert.
Wie unsinnig, knapp 30 Mann, in die 30 KM entfernte Nachbarstadt zu schicken, nur um die Ergebnisse, der Prüfung mitzuteilen..
Analog zum TBZ in meiner Heimatstadt, gab es das HBZ in der Nachbarstadt. Sitz der Handwerkskammer und der Grund, warum wir alle dorthin kommen mussten.
Zur genannten Zeit versammelten wir uns alle in einem der Flure des HBZ, wir hatten uns jetzt längere Zeit nicht gesehen, aber wir waren auch alle extrem Nervös, daher fielen lockere Gespräche natürlich flach.
Nach schier endloser Warterei, in quälender Ungewissheit ging dann eine Tür auf und ein Mann trat heraus.
Die knapp 30 versammelten sich um jenen Mann und hingen gespannt an seinen Lippen. Totenstille. Der Mann fing an Namen aufzurufen. Es waren die Namen derjenigen, die die Prüfung nicht bestanden hatten.
Ein Name nach dem anderen fiel und innerlich flehte ich darum, dass mein Name nicht der nächste wäre. Einige aus meiner Gruppe wurden genannt, spätestens da war ich mir sicher, dass mein Name auch fallen würde. Banges Warten. Ich war starr vor Angst. Verzweifelt versuchen wir die Reihenfolge der Namen, auf der Liste, zu erahnen – alphabetisch war es nicht.

Jeder der Durchgefallenen erhielt einen Zettel und verschwand dann in einer Ecke des Flures. Gleich würde ich auch einen Zettel bekommen und den Anderen in die Ecke folgen, dessen war ich mir sicher. Zu schlecht war mein eigenes Gefühl über die Prüfung.

Der Mann hörte in der Zwischenzeit auf weitere Namen zu nennen. Die Verbliebenen inklusive mir standen da, wie angewurzelt. Jeder hatte offenbar damit gerechnet einen Zettel zu bekommen. Jeder hatte sich damit abgefunden, den Anderen in die Ecke zu folgen.
Eine andere Tür im Flur des HBZ öffnete sich und die Gruppe der Verbliebenen wurde hineingebeten.
Hatten die mich vergessen?? In Bruchteilen von Sekunden liefen wieder sämtliche Szenarien vor meinem innere Auge ab. Wahrscheinlich wurde meine Prüfung einfach anulliert, weil ich ja gar kein Geselle war. Irgendwo lag sicher ein Missverständnis vor..

In jenem Raum angekommen, blieb ich an dem Platz direkt neben der Tür stehen. Wenn mein Name doch noch irgendwie genannt werden sollte, konnte ich wenigsten schnell verschwinden, ohne dass ich die Blicke der Anderen ertragen müsste.
Es folgte ein Monolog eines Mitglieds, des Prüfungsausschuss. Es war langweilig und weiterhin liefen Horrorszenarien vor meinem inneren Auge ab.
Es sollte sich offenbaren, dass alle im Raum befindlichen Personen, die Prüfung bestanden hatten.
WAS? ICH? Das konnte ich nicht glauben. Das MUSSTE ein Irrtum sein. Glauben konnte ich das Ganze erst, als ich das Zeugnis, über das Bestehen der Prüfung tatsächlich in den Händen hielt.
Was dann mit mir geschah kann ich kaum in Worte fassen – ich emfpand, das erste Mal seit dem Iron Maiden Konzert im Jahr 2000, grenzenlose Freude. Mein ganzer Körper war überflutet von Glücksgefühlen und 10 Minuten lang jubelte ich still in mich hinein. JA JA JA JA JA JA JA JA JA JA JA JA – ICH – HABE ES GESCHAFFT.
Was das Mitglied des Prüfungsausschusses währenddessen noch sagte konnte ich gar nicht vernehmen, es war mir auch egal. ICH HATTE ES GESCHAFFT und fühlte mich grenzenlos stark. Die ganze Zeit musste ich mich beherrschen nicht los zu heulen – meinem Nebenmann murmelte ich die ganze Zeit nur zu „Wir haben bestanden- wir haben bestanden – wir haben bestanden – ich fasse es nicht“.

Ich war so glücklich. Der Schub, den mein Selbstvertrauen erfuhr, war grenzenlos. Jetzt sollte nichts mehr schief gehen. Der steinige Weg zum Meister meines Handwerks – die schwerste Hürde war genommen.

Fachkaufmann und Ausbilderschein

.. waren die nächsten beiden Teile meines Weges. Der kaufmännische Kurs war so ziemlich das langweiligste, was ich schulisch je erlebt habe. Den Ausbilderschein würde jeder bestehen, der über reinen Menschenverstand verfügte. Beide Prüfungen hatten ihre Tücken, aber wieder hatte ich beide auf Anhieb bestanden.
Im Gegensatz zur Fachtheroie, hatten an diesen beiden Kursen Teilnehmer aus allen Bereichen des Handwerks teilgenommen. Viele neue Kontakte gab es aber nicht. Weiterhin fand Alles innerhalb unserer Gruppe statt.

Zwischen den Lehrgängen lagen immer Mal wieder längere Pausen – das war sehr angenehm. Bei den Prüfungen und den jeweiligen Ergebnisverkündungen war ich aber auch jeweils wieder sehr nervös. Umso größer die Freude, wieder bestanden zu haben. Wieder eine Hürde genommen, auf dem Weg zum heiligen Gral.

Zuhause lief es weiterhin wie gewohnt. Mein neues Selbstvertrauen gab mir aber groß keinen Anlass irgendetwas schlechter zu machen, als es eigentlich war. Mein neues Selbstbewusstsein veränderte meine Wahrnehmung der Dinge. Mein Fokus lag ganz wo anders – alles Andere musste einfach funktionieren, egal wie.

Fachpraxis und Donnerschlag

Der letzte Teil stand an. Eigentlich war es Teil 1. Etwas über einen Monat sollte der Kurs nur dauern.
Der Kurs hieß damals „Vorbereitungskurs auf die Prüfung zum Kraftfahrzeug-Servicetechniker“.
Der Servicetechniker lag über dem Niveau eines Mechatronikers und daher war dieser Lehrgang in jeder Hinsicht ein Novum für mich. Die bestandene Prüfung zum Kraftfahrzeug-Servicetechniker galt als bestandener Teil 1 der Meisterprüfung.

Der Kurs fand hauptsächlich in der Werkstatt des TBZ statt. Das war die selbe Werkstatt, in der ich damals gelernt hatte. Hier kannte ich jede Mauerritze, jedes Auto und jedes Prüfgerät bereits. Der Kurs und die anschliessende Prüfung sollten für mich ein Heimspiel werden. Quasi mein eigenes Finale Dahoam.

Wir übten unzählige Szenarien, die in der Vergangenheit Bestandteile der Prüfungen waren. Klimaanlagen, Dieseltechnik, Achsvermessung, Dialogannahme, Auftragsabwicklung, Einspritzsysteme und so weiter. Es lief wie am Schnürchen.

Eines Nachmittags, gegen Ende der Woche kam ich, wie gewohnt, nach Hause. Meine Meister-Truppe und ich hatten uns an diesem Wochenende zu einer LAN-Party in der alten Gaststätte am Campingsplatz verabredet.
Zuhause war allerdings niemand und meine Versuche einen Kontakt herzustellen wurden nicht beantwortet. Ich hatte mir nichts weiter dabei gedacht, aber irgendwie war es doch merkwürdig.
Es klopfte an der Tür – die Schwester, der Unbekannten stand davor. Ich bat sie herein und wir saßen in der Küche.

Ich ahnte nichts Schlimmes, mein Selbstvertrauen war groß – meine Sorgen klein. In der jüngeren Vergangenheit gab es auch nichts, was mir den Anlass gab mich schlecht zu fühlen. Bis hier hin meinte ich ja auch, dass ich alles an Grausamkeiten schon erlebt hätte. Ich sollte mich irren.
In dem folgenden Gespräch mit der Schwester, der Unbekannten offenbarte Sie mir etwas über die Unbekannte, das sich so abstrakt anhörte, dass ich es weder glauben konnte, noch glauben wollte.
Ich erfuhr, dass die Gebärmutterentzündung, keine Gebärmutterentzündung war, sondern eine Schwangerschaft. Die Heilung war gar keine Heilung, sondern die Geburt. Nur – wo war das Kind? Hatte Sie es versteckt, oder getötet? Mein Entsetzen über diese Nachricht schoss mir durch Mark und Bein und ich fragte mich, was mit dem Kind passiert ist. Auch das sollte ich erfahren. Es war am Leben, aber die Unbekannte hatte es nicht versteckt. Sie hatte es zur Adoption freigegeben. Direkt nach der Geburt. Ohne es selbst gesehen zu haben.
Gefühlt saß ich eine halbe Stunde, stoisch und mit offen stehendem Mund in der Küche. Die Unbekannte hatte W-A-S? Ich versuchte das ganze zu realisieren, aber es war zu surreal für mich. Das konnte einfach nicht wahr sein..

Einen Moment hielt ich inne und dachte an den Sommer. Zwischen den Lehrgängen von Teil 3 und 4 war die Mutter, der Unbekannten häufiger am Campingplatz. Ich erinnerte mich an eine merkwürdige Situation, in der die Mutter, der Unbekannten mir berichtete, dass ein Vertreter der Krankenkasse da gewesen wäre, wegen dem neuen Kind.
Was für ein neues Kind? Es gab kein neues Kind. Welches Kind war gemeint? Etwa das, von der abgebrochenen Schwangerschaft? Kam nun etwa alles ans Licht?
Zum Glück gab es kein größeres Aufsehen um die Sache mit dem Vertreter und schnell geriet die Sache auch wieder in den Hintergrund.

Jetzt, wo ich da mit der Schwester, der Unbekannten in der Küche saß, da wusste ich auch welches Kind gemeint war. Das Entsetzen wurde immer größer.
Ich hatte keine Idee was ich denken oder machen soll. Ich dachte ja, ich hätte schon alles erleben müssen – aber das lag weit außerhalb meiner Vorstellungskraft..
Wie konnte ich so naiv sein und das nicht merken? Geschickt wurde ich mit einer billigen aber plausiblen Geschichte mit der Gebärmutterentzündung getäuscht.
In aller Stille und Heimlichkeit hatte die Unbekannte alles in die Wege geleitet, ohne das es auch nur ein Einziger um Sie herum mitbekommen hat. Das war ebenso grotesk wie faszinierend. Nicht einmal die Geburt hat irgendwer realisiert oder mitbekommen.
Ein perfekter Plan. Perfekt umgesetzt. Alle sollten an der Nase herumgeführt werden. Der einzige Fehler war ein Dokument, im Büro ihres Vaters, das alles ans Licht brachte.
Hätte die Unbekannte es wohl jemals von selbst offenbart, wenn dieses Dokument nie gefunden worden wäre?
Wie konnte Sie selbst damit leben und so weitermachen, als wäre nichts passiert??

Die Unbekannte hatte sich bis dahin schon viel geleistet, doch das stellte alles bisher da gewesen maßlos in den Schatten.
Ich teilte ihr mit, dass ich meine Kinder wieder haben will und sie danach nie mehr wieder sehen wollte.
Um auf andere Gedanken zu kommen lud mich der Alte am Abend auf ein Bier bei einer Runde Billard ein. Auch meine LAN-Party sollte trotzdem stattfinden.
Ich wollte nicht wieder zurück ins Loch, ich hatte es nach so langer Zeit geschafft den Kopf heraus zu strecken und lebte ein richtiges Leben – das wollte ich mir nicht kaputt machen lassen. Nicht so. Nicht jetzt.
Die Unbekannte, ich nehme an Sie war bei ihrer Mutter, blieb das ganze Wochenende mit den Kindern fern.

Auf meine LAN-Party, in der alten Kneipe, kamen nicht nur die Leute aus der Meister-Truppe, auch einige meiner alten Freunde, mit denen ich seit geraumer Zeit nur noch sporadischen Kontakt hatte, waren da.
In dieser Situation das Beste was mir passieren konnte – so konnte ich erfolgreich verdrängen, was ich am Tag zuvor erfahren musste.
Es war ein Problem, das ich nicht haben wollte. Nicht haben und nicht wahr haben. Als die Unbekannte mit den Kindern wieder nach Hause kam, wollte ich allerdings weiterhin nichts von ihr wissen.

[Zeitsprung]
Natürlich versuchte ich alles in meiner Macht stehende, um so viele Informationen wie möglich über diese Angelegenheit zu sammeln.
Ich besuchte einen Rechtsanwalt und trug ihm die Geschichte vor. Mit Verwunderung musste ich aber feststellen, dass es für mich, als rein theoretischen Vater, gar keine Möglichkeit gibt irgendetwas zu erfahren.
Meine Bemühungen? Gescheitert, an den Gesetzen dieses Landes. Für mich fand die Sache darin aber einen Abschluss.
Hin und wieder dachte ich Anfangs immer mal wieder an das Kind und wie es ihm wohl ergeht. Mit der Zeit verschwand die Angelegenheit aber dann doch im Hintergrund.
Wer weiß ob dieses Kind überhaupt von mir ist?! Wahrscheinlich werde ich es nie erfahren. Ich will es auch nicht erfahren. Das Einzige was ich will ist, dass es dem Kind, wo auch immer es sein Zuhause gefunden hat – gut geht und Eltern hat, die, wie ich, alles in ihrer Macht stehende tun werden, damit sich das niemals ändert.

Der heilige Gral

Langsam näherte sich das Jahr 2012 dem Ende entgegen und die letzte Prüfung stand an. Unser Kurs wurde alphabetisch in zwei Gruppen aufgeteilt, um die Prüfung abzulegen.

Ich war in der ersten Gruppe und folglich legten wir die Prüfung auch zuerst ab. Unsere Prüfer waren uns bereits aus der Vergangenheit bekannt. Es war eine Grupper älterer Herren, der hohe Rat des Kraftfahrzeugtechniker-Handwerks. Erz-konservativ und traditionell – wir wussten alle was wir zu tun hatten. Es lief perfekt.
Alle Teilnehmer, des ersten Prüfungstages, hatten ein super Gefühl. In unserer Messenger-Gruppe teilten wir unsere Erfahrungen mit und machten der zweiten Gruppe Mut.

Am folgenden Tag war dann die zweite Gruppe dran – gespannt hing ich am Messenger und wartete ihre Rückmeldung ab. Sie erwischten allerdings eine andere Gruppe von Prüfern, die ihnen die Prüfung zur Hölle machten. Alle Teilnehmer, des zweiten Prüfungstages, waren sich sicher, dass die es nicht geschafft haben. Unter Ihnen war der größere Teil, meiner Meister-Truppe.

Am 15.12.2012 war es dann soweit. Im Anschluss an ein Fachgespräch, das Teil der Prüfung war, wurden auch die Ergebnisse bekannt gegeben.
Die Themen der Gespräche konnte man natürlich im Vorfeld nicht wissen, aber alles war möglich. In Lerngruppen hatten wir uns wieder in der alten Gaststätte getroffen und die Defizite jedes Einzelnen aufgearbeitet.
Wieder einmal war ich im TBZ und stand auf einem Flur. Auf einem Stuhl sitzend wartete ich darauf, vom Prüfungsausschuss zerfleischt zu werden. Ich war eigentlich gar nicht nervös – das gute Gefühl aus der praktischen Prüfung und den Resultaten der Lerngruppe hatte mich gefestigt.
Der Moment, in dem mein Name aufgerufen wurde und ich den letzten Gang antrat – es war ein Monumentaler.
In meinem Fachgespräch ging es um das Thema Fahrwerke. Die Situation, die mir vom Prüfungsausschuss vorgetragen wurde – exakt so hatten wir sie im Vorbereitungskurs auch durchgesprochen. Der Matchball lag in meiner Hand – ich hab ihn versenkt.

Im Anschluss an das Fachgespäch trafen wir uns dann alle zur Ergebnisverkündung.
Natürlich war ich auch wieder ein bischen nervöser geworden, schließlich war es die Zielgerade eines langen und steinigen Weges.
Einer der Dozenten aus den Vorbereitungskursen war auch da und hatte beim Prüfungsausschuss spioniert. Er sah uns unserer Nervosität natürlich an und als er mich ansah sagte er „Bei dem was ich bei dir gesehen habe, brauchst du dir mal so gar keine Sorgen machen“. Das stimmte mich zwar positiv, aber nahm mir meine Nervosität natürlich nicht. Schwarz auf Weiß – nur das zählte.

Wieder banges, endloses warten. Dann ging wieder eine Tür auf und ein Mann trat heraus. Von den ca. 15 Prüflingen hatten es einige Wenige nicht geschafft. Sie erhielten den obligatoischen Zettel und verschwanden danach unauffällig.
Die restliche Truppe wurde dann in einen Raum geleitet – es sollte der Gang in die Ruhmeshalle werden.
Wir standen alle in einer Reihe, wie die Hühner auf der Stange und lauschten gespannt den Worten des Prüfers. Wir wurden beglückwünscht. Der Reihe nach erhielten wir unsere Zeugnisse und jeder, der damit die vier Prüfungen erfolgreich abgeschlossen hatte – durfte sich fortan Meister nennen.

Es war geschafft und ich fühlte mich großartig. Der, der nie Geselle war, ist jetzt Meister. Ich hatte den heiligen Gral erreicht.

In unbändiger Freude entschlossen wir, uns später in der Stadt zu treffen und unseren Triumph gebürend zu feiern.
So geschah es dann auch. Bis tief in die Nacht feierten wir unsere Leistungen, mit reichlich Alkohol und lauter Musik. Es war der krönende Abschluss eines tollen Jahres, das ich immer gern in Erinnerung halten werde.

I tried so hard and got so far

2013 wollte ich dann in Ruhe die Optionen für eine neue Stelle prüfen. Auch über eine Selbständigkeit habe ich nachgedacht.
Zu der nötigen Ruhe sollte es allerdings nicht kommen, denn das Arbeitsamt sperrte mir das Arbeitslosengeld. Ich hatte selbst gekündigt und sich beruflich weiterzubilden, ist kein wichtiger Grund, im Sinne des Arbeitsamts, um seinen Job zu kündigen.
Es gab aber die Optionen, wenn man ein volles Jahr, nach der eigenen Kündigung, auf Leistungen verzichtet, ohne Sperrzeit davon zu kommen. Das Jahr war ja fast rum – also nahm ich diese Option wahr. Aber auch diese Option sollte nicht klappen, meldete das Jobcenter omninöse Erstattungsansprüche gegenüber dem Arbeitsamt an.

Ergo stand ich da, ohne Job und ohne Geld. Ich musste schnell handeln und sondierte den Stellenmarkt. Es gab genau eine Stelle, die für mich in Frage kam – wieder war es eine Smart Werkstatt, aber eine Andere und es sollte als Meister sein.

Die beiden Smart-Werkstätten in meiner Geschichte gingen aus einer Partnerschaft der jeweiligen Inhaber hervor. Nach einem Streit der beiden beschloss jeder von Ihnen, sein eigenes Ding durch zu ziehen.

Ich bewarb mich auf die Stelle, wurde zum Probearbeiten eingeladen, überzeugte und bekam den Job. Auch wenn es nur eine Notlösung war, immerhin war es ein nahtloser Übergang. Weiterhin tat ich das, was ich im besten konnte – und verdiente mehr Geld dabei. Allerdings handelte es sich nicht um eine vollzeit Stelle. Mein Vertrag galt für 24 Stunden in der Woche – dem Wunsch des Chef entsprechend, arbeite ich somit an drei Wochentagen voll – und hatte Donnerstags und Freitags frei.

Neben der normalen Arbeit nahm ich die Planungen für die Selbständigkeit auf. Der Stellenmarkt gab nicht sonderlich viel her, ausserdem wollte ich in der Nähe arbeiten. Ich suchte mir einen Ort aus, fand eine Halle und Inventar, aus einer Insolvenz. Da ich kein Eigenkapital hatte, sollte alles finanziert werden.
Um diese Möglichkeiten zu besprechen, vereinbarte ich einen Termin bei einem Betriebsberater der Handwerkskammer. Hier wurde ich umfassend beraten und mit der Hausaufgabe „Buisness-Plan erstellen“ anschließend nach Hause geschickt.

Eines Sonntags dann legte ich los, den ganzen Tag verbrachte ich am Computer und erstellte den Plan für mein eigenes Geschäft. Sämtliche Details meine Vorstellungen ließ ich in den Plan einfließen – es sollte mein Meisterstück werden.

Zum Besitzer der Halle, an einer kleinen Tankstelle in einem Nachbarort nahm ich Kontakt auf und sprach über mein Vorhaben. Auch dieser war angetan von meiner Idee. Der Besitze der Tankstelle und seine Frau waren schon älter und sprachen sogar davon, dass ich die Tankstelle eines Tages gern ebenfalls übernehmen könnte.
Das Ganze war zu schön um wahr zu sein. Eine Tankstelle mit eigener Werkstatt, das war immer mein Traum. Der heilige Gral, nach dem ich strebte. In dem Moment war ich ihm unwahrscheinlich nah gekommen.

Als der Plan fertig war, ging ich wieder zum Betriebsberater. Wir erstellten eine Kalkulation und planten alles sorgfältig. Von meinem Plan war er schwer angetan und stellte mir die Note 1 aus. Offenbar waren die meisten Anderen mit vorgefertigten Plänen aus dem Internet zu ihm gekommen – wer plant den so seine eigene Zukunft?
Ich, für meinen Teil, wollte den perfekten Plan. Alles sollte Wasserdicht sein. Das Risiko so überschaubar, wie möglich.

Mit den gesammelten Unterlagen im Gepäck fuhr ich dann nach Hause und vereinbarte einen Termin mit der Bank. Hier sollten die finalen Grundlagen geschaffen werden.

Das Inventar, aus der Insolvenz, war zwischenzeitlich leider verkauft worden. Meine Suche in den Kleinanzeigen nach einer neuen Gelegenheit ging weiter.
Zufällig stolperte ich über eine Anzeige: Tankstellengelänge mit Halle zu verkaufen. Auf dem Bild erkannte ich sofort meinen geplanten Standort – was war das denn?!
Entsetzt rief ich den Besitzer der Tankstelle an und stellte ihn zur Rede. Ich plante hier meine Existenz, auf seinem Grund – da hätte ich mich darüber gefreut in sein Vorhaben eingeweiht zu werden… Der Besitzer versuchte mich zu beschwichtigen, er wollte nur die Optionen prüfen, er glaube aber nicht daran, dass ein Verkauf zum tragen komme..

Das war mir aber nicht genug. Es kamen Zweifel auf. Man stelle sich nur vor, ich eröffne dort meinen Laden und kurze Zeit später wird alles verkauft und abgerissen?! Nein, nein, nein – das war mir zu unsicher. Was die Halle betraf sollte sich auch herausstellen, dass eine Genehmigung zur Nutzung als KFZ-Werkstatt, nur über ein Lärmschutzgutachten möglich wäre. Die Kosten für das Gutachten hätte ich selber tragen müssen.
Hinzu kam das Inventar, das weg war. Wichtige Säulen meines Plans – gebrochen.
Zu allem Überfluss kam dann noch das Bewusstsein, der schlampigen Haushaltsführung, seitens der Unbekannten zurück.
Ich verlor den Rückhalt. Man stelle sich vor, ich arbeite jeden Tag bis 20 Uhr und muss dann noch Zuhause die Wäsche waschen?! Wie lange würde ich das durchhalten?

Das war auch der Grund, warum ich die Unbekannte in meinem Plan nicht als helfende Kraft berücksichtigte. Zu häufig hatte sich in der Vergangenheit gezeigt, dass Sie nicht in der Lage war sowohl mit Geld, als auch mit Unterlagen korrekten Umgang zu pflegen. Ihre fehlende Konstanz und die fehlende Eigenschaft, angefangene Arbeiten auch zuende zu bringen – das passte nicht in meinen perfekten Plan.

Nach einer intensiven Bedenkzeit, sagte ich den Termin bei der Bank ab. Mein Plan war begraben. Eine andere Halle hätte ich finden können, ebenso das Inventar. Aber die Gedanken an die Umstände im eigenen Haus waren ausschlaggebend für meine Entscheidung gegen meinen eigenen Traum.
Mich damit abzufinden war nicht leicht.. Ich konnte den heiligen Gral schon riechen – und bog dann komplett falsch ab.

Manchmal fragte ich mich, wie es wohl wäre einen Partner zu haben, mit dem ich ein erfolgreiches Team sein würde. Mit dem ich zusammen nach den Sternen greifen könnte – bei dem ich sein konnte, wer ich eigentlich war und der mich mit jeder Haarsträhne in meinen, auch oft falschen, Entscheidungen unterstützen oder aufhalten würde. Ich wollte meinen Traum leben, stattdessen lebte ich die Lüge weiter..
Das Selbstvertrauen aus dem Vorjahr, es bekam langsam Risse und begann zu schwinden. Ich trat auf der Stelle – das kotzte mich an..

Der Alltag war grau

.. und gesäumt vom obligatorischen Frust und Verzweiflung. Ich hatte mich wieder in meine Grube zurückgezogen – fühlte mich wie ein Versager.. Hinter meinen Wänden im alten Wohnhaus – das war der einzige Ort, an dem ich mich gut fühlte..

Ende 2012 hatte ich, entgegen vorheriger Ankündigungen es NIE nutzen zu wollen, bei Facebook angemeldet. Im Chat war ich schon lange nicht mehr aktiv – und bei Facebook konnte ich dann mal einige alte Kontakte wieder aufnehmen. So z.B. mit Mr. G.

Mr. G hatte ich auf der Berufsfachschule für Elektrotechnik kennengelernt. Ein extrovertierter Typ, der mich optisch immer an Luigi, also Super Marios Bruder, erinnerte.
Mr. G war einer der Wenigen, mit denen ich auch weit nach Ende der Zeit auf der Berufsfachschule noch Kontakt hatte. Das lag unter anderem daran, dass der einst mit Jessy zusammenkam, meiner Nachbarin.
Jessy, ihre Familie und Mr. G zogen bald darauf dann um – Jessy und Mr G. wohnten daraufhin zusammen mit Jessys Familie in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Als auch wir dann umgezogen waren, brach der Kontakt irgendwann ab. Erst über Facebook sollte es dann eine Neuauflage geben.

Mr G. war ein Schönling und seine offene, lockere Art sorgten dafür, dass er sich die Frauen stets aussuchen konnte. Immerzu hatte man aber den Eindruck, dass er nicht so recht in den Platz in der Welt gefunden hat und immernoch auf der Suche danach war. Seine Beziehungen hielten zwar immer mal etwas länger, aber nie wirklich langfristig. Ich nehme an, er hatte Angst sich an irgendwas fest zu binden. Ebenso verhielt es sich in seinem Job, er hatte Koch gelernt und gefühlt ständig neue Stellen angetreten.

Wir trafen uns dann immer mal wieder und unternahmen was zusammen – das war ganz cool, schließlich war ich nach der Meisterschule, etwas vereinsamt.
Im Laufe so eines Treffens erzählte er mir dann von seiner neuen Freundin – sofort dachte ich mir „oh Gott, die Arme“. Begeistert schwärmte er davon, dass er mich – als Frau getroffen hat. Moment mal – mich – als Frau? Mr. G führte seine Erläuterungen weiter aus und dann war auch ich der Meinung, dass er da ebenso gut von mir reden könnte.
Ich fühlte mich geehrt. Ich als Frau – galt als eine von vielen Traumfrauen für Mr. G. Bald darauf kündigte er an, sie uns einmal vorzustellen. Selten hatte ich Mr. G  so von jemanden schwärmen hören und würde es auch nie wieder.

Ich hatte ja keine Ahnung was mich da erwarten sollte. Ich – als Frau. Das konnte ja vieles heissen. Ich fragte mich, was mich so ausmacht und legte mir innerlich einige, markante Faktoren zurecht – um sie später dann abzugleichen. Ich war schwer gespannt.

Ich

.. war nun ein introvertierter Typ. Lebte zurückgezogen in meiner Festung. Versteckte mich am Computer und hatte den Anschluss an irgendwelche Freundeskreise verpasst. Mein Leben basierte auf einer Lüge, die ich krampfhaft verteidigte. Ich zockte gerne, sammelte retro Konsolen, spielte Videospiele, die ich auch in der Vergangenheit gern gespielt habe. Wie Pokemon, Diablo, Command &  Conquer z.B..
Die Lust meine eigenen Autos zu modifizieren war mittlerweile stark abgeebbt. In der Zeit, wo ich bei Wincor-Nixdorf gearbeitet hatte, trennte ich mich von meinem Golf 3 um ihn durch eine Mercedes C-Klasse zu ersetzen.
Die C-Klasse, weil unpraktisch, ersetzte ich kurze Zeit später durch einen Passat 35i Facelift Variant GT. Den Passat besaß in der Zeit während ich im Autohaus bei den beiden Afghanen arbeitete, bis ich ihn irgendwann im Laufe des ersten Vorbereitungskurses wieder verkauft hatte. Es folgte wieder eine C-Klasse, diesmal ein Kombi, den ich auf Pump kaufte. Als mir Anfang 2013 das Geld ausging, musste die C-Klasse wieder weg – wieder kam ein Passat 35i Variant, diesmal ein Vorfacelift – hauptsache billig und läuft.. Als ich wieder Oberwasser hatte, kam wieder eine C-Klasse als Kombi. Aktuell fahre ich einen Golf 4 Variant – das beste Auto, das ich je hatte.
Reparaturen und kleine Veränderungen habe ich immer mal vorgenommen, die ganz großen Projekte habe ich aber nicht mehr realisiert.

Am Campingplatz verweigerte mit der Vater, der Unbekannten, meine Pläne. Gern hätte ich einen kleineren Teil, eines Schuppens, mit einer Hebebühne versehen und dort geschraubt.
Von dem Gedanken aber musste ich mich verabschieden – und auf dem Hof zu schrauben, das war zwar eine Option, aber stets war man abhängig vom Wetter und wirklich angenehm war das auch nicht. Der Platz war da, nur nutzen durfte ich ihn nicht. Das war jammer schade und ein Grund, warum wir immer wieder mit dem Gedanken spielten den Ort zu verlassen.
Im Laufe der Zeit am Campingplatz war ich immer wieder darum bemüht die Gunst des Alten zu gewinnen, um vielleicht doch noch meinen Platz zu bekommen. Aber egal wie sehr man sich bemühte – der Alte blieb stur.
Er war einfach nicht dazu bereit, Teile seines Königreiches aufzugeben und sich von dem Müll, der in den Nebengebäuden lagerte, zu trennen.
Unsere Hilfe war am Campingplatz dennoch immer wieder gefordert. Stets ohne die geringste Form des Dankes oder der Gegenleistung.
Gut, wir haben günstig im dem alten Wohnhaus leben können – aber seine Ruhe hatte man dort nicht. Im großen und ganzen war es erniedrigend der Sklave zu sein.

Umziehen wäre eine echte Option gewesen. Allerdings war ich spärlicher Alleinverdiener – und der Umgang mit Geld, seitens der Unbekannten, hat mich immer wieder davon abgehalten Nägel mit Köpfen zu machen.
Meine Angst in Rückstände zu geraten war zu groß. So waren wir in dieser Konstellation im alten Wohnhaus gefangen.
Unbegründet war meine Angst nicht. Als wir 2010 in das alte Wohnhaus einzogen, nahm ich auch an, dass die Miete direkt vom Amt an den Alten bezahlt wird. Auch die Unbekannte versicherte mir, dass es so ein würde. Ich verließ mich somit auf die Aussagen der Unbekannten und wurde, wer hätte etwas anderes erwartet, enttäuscht. Einige Monate später sollte es den Knall geben und seither standen wir für eine Weile in der Schuld ihres Vaters.
Das war nicht sonderlich angenehm, denn wieder war es egal wie sehr man sich bemühte, die Last der Schulden sollte nicht geringer werden.

Rückblickend betrachtet war es wohl auch meine eigene Schuld. Wahrscheinlich wäre sehr Vieles, sehr viel einfacher gewesen, wenn ich von Anfang an die Amtsangelegenheiten selbst geregelt hätte. Ebenso, wie es sich bei Wäsche und Sauberkeit verhielt, konnte die Unbekannte auch auf diesem Gebiet nicht für die nötige Konstanz und Entlastung sorgen.
Das war bitter, aber ich fühlte mich auch nicht in der Lage ihr das Heft des Handels aus der Hand zu nehmen. Ich hasste diese Ämter, jeder Gang dorthin fühlte sich an, wie das zu Kreuze kriechen. Erbärmlich. Und eigentlich war ich froh, nichts damit zu tun zu haben. Notwendig war es trotzdem, denn allein von meinem Gehalt konnten wir den Alltag nicht sorgenfrei gestalten.

Die Beziehung zwischen der Unbekannten und mir war unterdessen irreparabel beschädigt. Offiziell bezeichneten wir uns zwar immernoch als Paar, haben Sachen zusammen unternommen und so – aber weiterhin war ich nicht Ansatzweise in der Lage ihr irgendwelche Gefühle entgegenzubringen, zu vertrauen oder in irgendeiner Form zu verzeihen. Immernoch war ich der Meinung, nicht zu wissen, mit wem ich es zu tun habe. Ich wollte es auch gar nicht mehr wissen – aus Angst wieder mal einen Kracher zu fressen und verletzt zu sein. Ich wollte nichts über Sie hören – gar nichts.
Was ich wollte war, in den Tag hinein zu leben und die Vergangenheit irgendwo zu verstecken, wo ich sie so schnell nicht finden würde..
Eine leise Hoffnung war immernoch da, das Sie eines Tages meinen Erwartungen gerecht werden würde. Die leiste Hoffnung war da, dass sich meine schlimmsten Befürchtungen nicht bewahrheiten würden. Nicht mehr auf der Stelle treten – sondern endlich Vorwärts gehen.

Die, mit Abstand, beste Zeit lag nun erstmal hinter mir. Die Angst vor dem freien Fall und dem nächsten Oberhammer war nun immer präsent. Was mir die Zukunft bringen sollte, davon hatte ich nichts die geringste Vorstellung – nur so wollte ich eigentlich nicht weiter leben. Aber wie sollte ich da jemals wieder raus kommen?
Vor meinem inneren Auge war alles schwarz geworden – wenn ich an die Zukunft dachte, sah ich – überhaupt nichts mehr. Ich verfiel in eine tiefe Depression..

Ich und Ich

Viele Highlights hatte 2013 nicht zu bieten. 2014 würde damit beginnen, dass mein befristeter Arbeitsvertrag auslaufen sollte. Ergo würde ich auf Stellensuche sein. Die Bezahlung und die Widrigkeiten in der zweiten Smart-Werkstatt waren einfach zu krass um dort weiterhin arbeiten zu wollen.

Mr. G hielt allerdings sein Versprechen und stellte uns eines Abend seine neue Freundin vor.
Ich hatte ja schon einige Freundinnen von Mr. G kennengelernt, aber diese  war ganz speziell. Zum ersten Mal brachte er kein durchgestyltes Supermodel mit, sondern eine, über beide Ohren strahlende, junge Frau, die etwas weniger durch die Äusseres, als mehr durch ihre positive Aura den Raum mit Wärme erfüllte.
Zu Mr. G passte das ja gar nicht, dachte ich. War er eher der oberflächliche Typ. Beide plauderten aus dem Nähkästchen und schnell kam in mir wieder das Thema auf, das besagte Freundin ja ich – als Frau sei.
Ich beobachtete das Geschehen aufmerksam und analysierte jede Reaktion und jede Emotion mit Nachdruck. Wie kam er darauf, dass das ich – als Frau wäre?
Es stellte sich heraus, dass wir tatsächlich wenigstens eine große Gemeinsamkeit hatten – aber das allein war es nicht. Es war der Gesamteindruck. Aber es war nicht der Gesamteindruck, den ich durch ein Gespräch mit mir selbst erfahren hätte – es war der Gesamteindruck, den ich gewonnen hätte, wenn ich mit dem fehlenden Teil von mir gesprochen hätte.
Das was Mr. G da mitgebracht hatte, das war nicht ich – als Frau. Es war der fehlende Teil von mir. Der heilige Gral.

Ich bin mir nicht sicher, ob Mr. G wusste, was er da getan hatte. Was ich wusste war, dass die Beziehung nicht lange halten würde und sie genau so lautlos verschwinden würde, wie all ihre Vorgängerinnen. Mr G. war einfach nicht in der Lage irgendwas von Dauer an den Start zu bringen, aber die herzliche Art und ihr verliebter Blick verrieten mir, dass sie sich mehr von ihm versprochen hat. Es würde ihr das Herz brechen, das arme Ding.

Künftig trafen wir häufiger aufeinander. Sei es bei Geburtstagen, oder nur zum rumhängen. Immer wieder faszinierte mich ihre überwältigend positive Ausstrahlung. Jeder noch so finserte Ort – wäre davon ergriffen gewesen. Und mein eigenes Selbst, das war wohl so ein finsterer Ort..
Egal wie sehr ich Geburtstagsfeiern sonst hasste, ihre Anwesenheit machte einfach alles zu einem Fest. Natürlich konnte ich ihr nicht sagen, dass ihre Beziehung mit Mr. G nicht lange halten würde – diesen Weg musste sie selbst gehen.
Die Vorstellung, sie danach nicht mehr wieder zu sehen, war ätzend. Ich hatte sie viel lieber als Mr G.
Wenn ich lieber mit ihr, als mit allen anderen redete, spürte ich die Eifersucht der Unbekannten. Ich fürchte, Sie war sich dessen bewusst, was Mr. G da damals mitgebracht hat.

[Zeitsprung]
Wie erwartet endete die Beziehung zu Mr. G dann eines Tages. Sie aber blieb.
Ohne je ein Wort darüber verloren zu haben, war es wie selbstverständlich, dass sie uns auch weiterhin besuchte – so, als wäre sie immer da gewesen.
Nach wie vor hatte ich ihre Anwesenheit sehr genossen. Schließlich war sie der heilige Gral – das war einfach so.
Auch meine Kinder mochten sie und wenn ich mir bei einer Sache sicher war, dann wenn ich jemals mein Loch verlassen würde, wäre sie die Einzige, die all meinen Erwartungen je gerecht werden könnte.

Selbstverständlich ließ ich mir all das nicht anmerken. Innerlich kochte es in mir. Fortwährend erwischte ich mich immer wieder in flüchtiger Träumerei.
Die Vorstellung, eines Tages könnte sich zwischen ihr und mir etwas entwicklen, fühlte sich genau so wunderbar surreal an wie damals in der Lehre, als ich ehrfürchtig meinem Lehrmeister gegenübertrat.

2014

Am 1.2.2014 endete mein Arbeitsvertrag. Danach war ich Arbeitslos und bekam sogar tatsächlich mal mein Arbeitslosengeld.
Das Sabbatjahr, das ich mir für 2013 gewünscht hätte – jetzt konnte ich es mir nehmen. Für Teile meiner Vorhaben war es aber bereits zu spät, also sondierte ich den Stellenmarkt und bewarb mich auf diverse freie Stellen. Das Jobcenter schickte mich nebenbei noch in eine Maßnahme, wo ich im Schreiben von Bewerbungen auf den neusten Stand gebracht werden sollte.

Der Erfolg war allerdings sehr Verhalten. Hier und da mal ein Vorstellungsgespräch, anschliessend mal Probearbeiten – aber die meisten Stellen sagten mir einfach nicht zu. Ich wollte etwas von Dauer, wo ich mal locker 5 Jahre bleiben konnte. Die Mischung aus der eigentlichen Arbeit, der Austattung, dem Chef und dem Betriebsklima musste einfach stimmen – offenbar suchte ich aber die Nadel im Heuhaufen.

Eine Stelle erregte meine besondere Aufmerksamkeit. Technischer Redakteur bei Hella-Gutmann. Das wär’s. Wo hätte ich besser die Symbiose aus All dem was ich mag ausleben können, wie dort?
Ich bewarb mich regelmäßig. Ebenso regelmäßig erhielt ich Absagen. Einmal bewarb ich mich gar, als ich sternhagelvoll war. Meist schrieb ich in dem Zustand bessere Bewerbungen. Allerdings erhielt ich auch hier wieder eine Absage.
Im Großen und Ganzen fand und finde ich das Schreiben von Bewerbungen für’n Arsch. Während ich z.B. hier auf meinem Blog, damals im Chat oder im Forum den ganzen Tag fröhlich vor mich hin schreiben konnte, muss ich mir für ein Bewerbungsanschreiben meist Ideen über Google holen.

In der Vergangenheit musste ich immer wieder feststellen, dass ich offenbar jemand war, bei dem der erste Eindruck täuschte. Viele Menschen, die ich kennenlernen durfte, erkannten erst auf den zweiten Blick, dass ich kein Idiot war.
Ich nehme an, dass dieses Phänomen mich in meiner Jobwahl und in den Vorstellungsgesprächen immer mal wieder ins Aus geschossen hat.
Die Meinung anderer Leute hat mich aber nie sonderlich interessiert. Entweder wusste jemand was er an mir finden konnte – oder er ließ es halt bleiben.
Ich hatte genug Dreck gefressen, ich sah mich nicht mehr in der Position irgendwen großartig überzeugen zu müssen.

Neben den Bewerbungen, den Vorstellungsgesprächen und den Probearbeitstagen arbeitete ich hin und wieder für die zweite Smart-Werkstatt. Immerhin war ich ein absoluter King auf diesem Gebiet. Die, die mir in der Hinsicht das Wasser reichen konnten, waren an einer Hand abzuzählen. Deutschlandweit.

Durch günstige Umstände schaffte ich es, trotz Arbeitslosigkeit, 2014 meine Mietschulden aus 2010 beim Alten endlich los zu werden.
Eine unheimliche Last fiel von meinen Schultern. Nun brauchte ich nicht mehr wie ein jämmerlicher Hund angekrochen kommen, wenn er mit dem Finger schnippte und es etwas zu erledigen gab.
Unterstützt habe ich ihn aber weiterhin. Ich konnte den Zustand der ganzen Campingplatzanlage und seine Hilflosigkeit diesbezüglich, nämlich einfach nicht mit ansehen.

[Zeitsprung]
Den endlosen Kampf gegen die Verwahrlosung, der Anlage, gab ich aber final auf. Es war einfach zu frustrierend mit anzusehen, dass ein aufgeräumter Abschnitt innerhalb weniger Wochen wieder genau so aussah wie zuvor.
Diese Eigenschaft hat der Alte offenbar auch auf die Unbekannte übertragen. Die Parallelen sind kaum zu übersehen. Auch in meinem eigenen Haus beobachtete ich dieses Phänomen in regelmäßigen Abständen und zunehmener Häufigkeit.

It doesn’t even matter

Der Chef, der zweiten Smart-Werkstatt versuchte natürlich mich zu ersetzen. Allerdings war ich nicht zu ersetzen. Er brauchte einen Meister, um seinen Betrieb aufrecht zu erhalten – so kamen wir erneut in Verhandlungen. Schlussendlich fing ich am 01.10.2014 wieder fest, zu alten Bedingungen und besseren Konditionen dort an.
Bis zum heutigen Tag, bin ich als betriebsleitender Meister eine tragende Säule des Betriebs.

Das Autohaus, der zwei Afghanen, für die ich vor der Meisterschule gearbeitet hatte und auf dem Weg zur freien Motorinstandsetzung war, ist, wie ich ahnte, untergegangen und existiert nicht mehr.
Der ehemalige Meister des Betriebs hat das Heft des Handelns dann auch in die eigene Hand genommen und ist nun selbständig. Wir haben sporadisch auch noch Kontakt, meist kümmere ich mich dann um seine IT.

Die Tankstelle, mit der Halle, in der ich mich selbständig machen wollte, wurde in der Zwischenzeit veräussert. Nachdem die Halle abgerissen wurde, entstanden dort Wohnhäuser. Mittlerweile ist selbst der Tankstellenbetrieb eingestellt worden. Das Ganze habe ich natürlich wehmütig zur Kenntniss genommen. Gern hätt ich den Betrieb weiter geführt – aber es sollte nicht sein.

Wirklich zufrieden bin ich mit meiner Arbeitssituation nicht. Immer wieder blitzt der Wunsch durch, das eigene Ding durch zu ziehen. Ich habe in der Zwischenzeit so viele Betriebe gehen und weiß sowohl wie es gehen kann – und auch wie man es nicht macht. Ab und zu schreibe ich sogar eine Bewerbung. Weiterhin ernte ich nur mäßigen Erfolg. Ich denke das eigene Ding – das ist der Weg, den die Zukunft bringen soll. Jedenfalls möchte ich nicht in der zweiten Smart-Werkstatt verotten 🙂

Alles so wie es immer war

Privat sollte das Jahr 2014 aber noch eine Überraschung parat halten. Erneut war die Unbekannte schwanger – und diesmal freute ich mich sogar von Anfang an.
Die Unsicherheit war natürlich ein treuer Begleiter auf dem Weg bis zur Geburt, aber nach all  dem was ich schon erlebt hatte gab es ja kaum etwas, das mich noch schocken könnte.

Im alten Wohnhaus wäre es beinah etwas eng geworden. Ich entschied mich dazu die alte Waschküche, die hinter dem Wohnzimmer liegt, zu einem Kinderzimmer umzubauen.
Waschmaschine und Trockner sollten künftig im riesigen Badezimmer Platz nehmen, dafür verzichtete ich eben weiterhin auf eine Dusche. Nach und nach baute ich den Raum zu einem Kinderzimmer um und war stolz auf mein Werk.

Nach der Fertigstellung des Raums dauerte es gefühlt ewig bis das Kind kam. Ende November 2014 war es dann soweit. Es wurde wieder ein Mädchen, ich gab ihr den Namen Miriam.
Diesmal fühlte sich alles viel besser an. Gern erinnere ich mich an das Weihnachtsfest 2014 zurück, als ich die Feiertage, mit meinem Baby, gemütlich auf der Couch verbrachte.
In meiner geregelten Einsamkeit, voll Frust und Verzweiflung war Miriam mein Anker. Niemand sonst konnte mir geben, was dieser kleine Mensch mir gab.
Entgegen der vorangegangen Zeiten, wollte ich bei Miriam voll dabei sein. Und das war ich. All meine positiven Gefühle, die ich bis dato in mich hereingefressen hatte, über Miriam schütttete ich sie mit vollen Händen aus.

Der Unbekannten gegenüber war weiterhin alles unverändert.
Wieder mal wechselte das Jahr. 2015 war herangebrochen. Im Laufe desr Zeit war ich Abends immer mal wieder längere Zeit allein mit meinem Baby. Die Unbekannte hatte es sich offenbar neuerdings zum Hobby gemacht Abends zur Tankstelle zu fahren – oft über ne Stunde lang.
Dieses Verhalten war neu und merkwürdig. Irgendwas war im Busch, aber ich wusste nicht was und ich hatte auch kein Interesse danach zu forschen. Lieber genoss ich die Zeit mit meinem Baby.
Ich vermutete einen anderen Typ, immer wieder beobachtete ich die Unbekannte beim Texten.

Es sollte sich herausstellen, dass sie ein Verhältnis hatte. Persönlich hatte Sie mir das natürlich wieder einmal nicht gesagt, das musste jemand Anderes übernehmen.
Besonders dreisst an der Nummer war diesmal, dass Sie offenbar keine Scheu hatte, jenen Typen sogar in meiner unmittelbaren Nähe zu dulden und ihn gar von mir bespeisen zu lassen.
Mit jenem Typen, noch bevor ich es wusste, stand ich hinter der alten Gaststätte auf der Wiese und hatte, im Kreise weiterer unbekannter Typen, ein bischen mit ihnen gegen den Ball gekickt.
Einen kurzen Moment dachte ich gar, dass ich vielleicht mal wieder ein paar neue Freunde getroffen hätte – aber nein. Wieder einmal wurde meine Gutmütigkeit gnadenlos ausgenutzt.
Vermutlich hätte ich es nie erfahren, hätte nicht jemand Mitleid mit mir gehabt.

Den Tag als ich es dann erfuhr, per Facebook, schliff ich die Unbekannte an ihren Beinen über den Boden aus meinem Haus heraus. Ich verweigerte ihr den weiteren Zutritt und sie drohte mit der Polizei.
Zufällig ging der Alte grade von der alten Gaststätte in Richtung seiner Wohnung, in den alten Stallungen. Ich rief ihn herüber und erläutere ihm den Sachverhalt. Es schien, als hätte er Verständnis, jedenfalls hörte man ihn draußen auf dem Hof rumbrüllen.

Wie unzählige Male zuvor, war auch hier wieder die Grenze überschritten worden. Es bewahrheitete sich, was ich immer geahnt habe – in Wahrheit war die Unbekannte doch nur ein billiges und verlogenes Flittchen. Der Grund, warum wir immer so wenig Sex hatten – auf einmal war alles plausibel.
Auf der anderen Seite entwickelte ich sogar Verständnis dafür, schließ war Sie ja auch nur ein Mensch, der sich nach Gefühlen sehnte.
Gefühle, die ich ihr nicht geben konnte. Ich war zwar körperlich immer da, aber seelisch immerzu fern. Es war ein leichten für Außenstehende das zu erkennen und auszunutzen. Dennoch hätte es nicht geschehen dürfen.

Ich hatte meine Gewissheit, das war eine Genugtuung für mich. Dennoch war die Situation nicht leicht. Wir lebten mit drei Kindern im Haus ihres Vaters – und wenn jemals einer gehen sollte, würde ich es sein.
Ich – müsste mein Haus verlassen. Alles was ich in der Zwischenzeit hier geschaffen hatte – für die Katz. Ein kompletter Neustart.
Dazu fühlte ich mich nicht bereit. 2015 nicht. 2016 nicht.
Erst gegen Ende 2017 sollte ich so viel Motivation zusammen gesammelt haben, das ich in der Lage war mich an meinem einen Schopf zu packen und langsam anfing wieder aus dem Loch empor zu klettern.

The final Chapter

Die ganze Zeit lebte ich die Lüge weiter – nur wurde sie immer größer. So groß, dass selbst viele um mich herum, wie z.B. mein Vater, es nicht mehr mit ansehen konnten.
Aus seinen sonntaglichen Besuchen – entstand Funkstille.
Ich schämte mich enorm für meine Unfähigkeit. Doch sah ich mich ausserstande meine Kinder mit dem Mensch allein zu lassen, der für all mein Leid die unmittelbare Verantwortung trug.
Ich sah mich außer Stande das Haus zu verlassen und unter Menschen zu gehen. Ich hab mich geschämt. In Grund und Boden. Auch wenn ich nur zum Einkaufen ging und die Menschen an der Kasse stehen sah, die mich anschauten – es fühlte sich an, als würde jeder mit dem Finger auf mich zeigen und lachen..
Haha, du bist der Vollidiot, der sich bis auf das Mark verarschen lässt. Andere hatten mehr mit deiner Freundin als du selbst.. Exakt so fühlte es sich an – und es war scheußlich..

Ich war der Freund, der nicht ist, was er mal war. Viele vergaßen meinen Namen..

Ich resignierte vollständig. Nur noch sehr selten bringe ich die Kraft auf, gegen das vorherrschende Chaos anzukämpfen. Das Chaos um die Wäsche gab ich vor längerer Zeit schon ganz auf. Ich gab es auf, mich an die Unbekannte zu heften – was sie ließ und tat, es war mir egal. Auch der Zustand des Hauses war mir egal. Einst hätte ich gern renoviert – ich tat es nicht mehr.
Immer wieder, wenn die Unbekannte mein Auto nutzte, erhielt ich danach einen Müllhaufen wieder – auch das war mir mittlerweile egal.

Alles, was ich versuchte in die Wege zu leiten, um diese grauenhafte Situation zu verbessern – es fand kein Gehör. Die mangelhafte Konsequenz der Unbekannten, sollte sich auf die Kinder übertragen. Weil ich resigniert habe. Ich bin müde. Müde vom Kampf gegen eine unüberwindbare Mauer aus Frust und Verzweiflung. Müde, allein durch die endlosen, dunkeln Straßen, des krampfhaften Zusammenlebens voran zu schreiten. Und auch müde davon, auf der Stelle zu treten.

Es offenbarten sich nur wenige Lichtblicke, die mir im Ansatz die Motivation gaben, an eine bessere Zukunft zu glauben. Verloren und verarscht.
Ich war mir ziemlich sicher, dass ich mein eigenes Leben so nicht mehr lang ertragen würde. Depressionen kamen und gingen – jede neue war härter als die zuvor.
Ich entschied mich zum Arzt zu gehen und mein Leid vorzutragen.

Auch in der Vergangenheit war ich bereits beim Arzt. Nie bin ich den Schritt konsequent zu Ende gegangen.

Ende 2017, Anfang 2018 sollte sich das ändern.
Ich war mir sicher, dass ich ein weiteres Jahr nicht überstehen werde. Die Kugel, oder die Reißleine. Ich hatte die Wahl.
Der Arzt schrieb mich eine Weile krank. Eine Auszeit, die ich dringend benötigte. Er überwies mich zum Psychologen, hier bekam ich Tabletten gegen Depressionen. Künftig werde ich an einer Gesprächstherapie teilnehmen.

Im Gegensatz zur Vergangenheit, nahm ich die Tabletten diesmal sehr konsequent. Relativ schnell stellte sich tatsächlich eine Besserung ein. Ich fing an, das alles um mich herum nicht mehr so sehr an mich heran zu lassen und war sogar motiviert einige neue Projekte in Angriff zu nehmen.
Das Wetter war geil – und so renovierte ich einige Fassaden, der alten Gebäude am Campingplatz-Gelände.
Ich realisierte, welchen Tiefpunkt ich erreicht hatte. Fortan begann ich damit, die Beziehung zur Unbekannten innerlich abzuschließen.
Der Gedanke daran, mein eigenes Haus zu verlassen – auf einmal erschien er mir gar nicht mehr so schlimm wie einst.

Ich war nun bereit, die neue Welt hinter mir zu lassen und in eine völlig neue Welt weiter zu gehen. Eine Welt, die perfekt sein würde. Mit aller Geduld, die ich aufbringen konnte – eine perfekte Welt zu schaffen.
Stück für Stück begann ich also meinen Weg aus dem Loch heraus. Machte das, was mir gut tat.
Ich beendete neue Projekte, sammelte Motivation. Der Glaube, meine perfekte Welt irgendwann zu erreichen – es haperte lediglich an ausreichender Überzeugung. Doch Zweifel hatte ich nicht. Ich würde es schaffen.
Neue Zeile, kleinere Ziele. Schritt für Schritt. Keine unüberlegten Handlungen mehr – kein verzweifeltes Klammern, kein Frust.

Ich sollte meine Überzeugung bekommen – und niemand geringeres, als der heilige Gral selbst sollte sie mir liefern.
Ich sehe jetzt wieder Ziele vor Augen. Befinde mich auf einem Weg. Ein Weg, der sich richtig anfühlt.
Die Überzeugung, es war ein Schubser von der Stelle, auf der sich so lang rum getreten habe. Es liegt nur an mir allein, den Weg weiter zu gehen.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt,
in schlechten Zeiten bekommt man nichts geschenkt.
Egal was man erwartet – man bekommt was man verdient.
Lieder, die das Leben schreibt – Schicksalsmelodien.

Das Leben war nicht immer, nicht immer gut zu mir –
Licht und Schatten steh’n gemeinsam vor der Tür.

Das ist mein Leben,
vielleicht soll es so sein – eine Reise durch den Wahnsinn,
durch Licht und Dunkelheit.
Man muss wohl erst ganz unten sein, um oben zu besteh’n – bis zum Hals in Scheiße steh’n, um wieder Land zu sehen – um Land zu seh’n…

Vom Himmel in die Hölle, von der Hölle ganz hinauf. Ein tiefer Fall nach unten und die Treppe wieder rauf. Egal was man erwartet, man bekommt was man verdient – das sind Lieder, die das Leben schreibt – Schicksalsmelodien.
Das Leben war nicht immer, nicht immer gut mir –
Licht und Schatten steh’n gemeinsam vor der Tür.

Das ist mein Leben,
vielleicht soll es so sein. Eine Reise durch den Wahnsinn,
durch Licht und Dunkelheit.
Man muss wohl erst ganz unten sein, um oben zu besteh’n – bis zum Hals in Scheiße steh’n um wieder Land zu seh’n..

 

Meine Geschichte soll hier nun enden. Das Leben hat diesen Abschnitt zuende geschrieben und bereits damit angefangen, einen Neuen zu schreiben.

Die Aufarbeitung meines bisherigen Lebens war nicht leicht. Erst durch das Niederschreiben hat sich für mich noch einmal verdeutlicht, wie sehr ich mich verlaufen habe. Oft lag ich nach der Fertigstellung einiger Kapitel noch lange wach im Bett – und ließ die ganze Sache erneut an mir vorbei ziehen.
Es hat mich eine ganze Woche gekostet diese Zeilen niederzuschreiben – oft war mir zum Heulen zumute..

Angst vor dem Alleinsein. Angst zu versagen. Angst, Andere zu verletzten. Angst vor Veränderungen..
Ängste gehören zum Leben, wie der Sauerstoff den wir atmen. Allerdings sollte man seine Ängste niemals die Oberhand gewinnen lassen, sie zwingen einen zu Boden. Je tiefer man sinkt, desto härter wird es wieder aufzustehen. Wenn es sich lohnt, gegen etwas zu kämpfen, dann gegen sich selbst und seine Ängste.

Tatsächlich kann man sich selbst viel vor machen. Tatsächlich kann man erfolgreich die dunklen Kapitel seines Lebens verdrängen. Doch es wird immer den Punkt geben, an dem die Konsequenzen dafür getragen werden müssen.
So oder so, das Leben ist zu kurz um sich zu quälen – wir leben nur EIN verdammtes Mal. Es ist unser verfluchtes Recht, wenn nicht gar die Pflicht, das Leben so zu leben, wie wir es wollen.
Ich habe realisiert, dass ich in der Vergangenheit nicht in der Lage war die Konsequenzen zu ziehen. Ich war damit beschäftigt, mich für mein eigene Armseeligkeit zu bemitleiden und habe mich damit der Lächerlichkeit preisgegeben.
Ich sah mich dazu genötigt, mich für das Wohl meiner Kinder zu opfern. Es hat mich meine Träume, mein Selbstvertrauen und Jahre meines Lebens gekostet.
Ich bereue die Zeit dennoch nicht, für irgendwas war sie gut.
Die Schlüsse, die ich ziehen konnte – für meine perfekte Welt, werden sie mir von Nutzen sein.

Die wahren Werte des Lebens, die kann man mit keinem Geld der Welt bezahlen. Es sind diese Werte, wegen denen ich die Politik und das gesamte System so sehr hasse. Es spielt keine Rolle mehr, wie gut ein Mensch ist – in dieser Welt zählen nur Gier, Macht und Reichtum. Je größer das wandelnde Arschloch, desto größer der Erfolg.

Egal was meine Niederschrift in euch auslöst, mir hilft sie dabei, die Sache für mich selbst abzuschließen.
Ob es einen dritten Teil geben wird? Selbstverständlich. Ob ich ihn niederschreiben werde? Ich weiß es nicht.
Gern würde ich euch ein Happy-End präsentieren, eine Idee dafür habe ich bereits im Kopf – ob es so jemals kommt? Selbst ich bin sehr gespannt.
Für mich ist es wichtig, die Depression zu überwinden und mich selbst wieder zu finden. In der Zeit nach der Meisterschule hatte ich nie wieder das Gefühl „Ich selbst“ zu sein, dabei fühlte es sich so unfassbar gut an..

Auch wenn einige Leser hier bestens über die beteiligten Personen meiner Geschichte informiert sind, so sind sämtliche Details der hier geannnten Kapitel absolut kein Anlass über jene Personen ein vorschnelles Urteil zu fällen.
Jeder hat für sein Handeln seine ganz eigenen Motive und auch wenn man sie nicht immer verstehen kann – ohne jemals beide Versionen einer Geschichte zu kennen, macht es keinen Sinn ein Urteil zu fällen.
Ich hege keinen Groll gegen Irgendwen, wegen Irgendwas. Was geschehen ist, ist geschehen und ich denke ich habe aus den unmöglichsten Situationen stets versucht das Beste zu machen.
Es ist meine Sicht der Dinge, meine Erlebnisse, meine Erfahrung – sie haben mich zu dem gemacht, der heute hier sitzt.

Dieser Blog ist die Erfüllung eines Traums. Mein Geschenk an mich selbst. Ein Meisterwerk. Eins von Vielen, die noch folgen werden.
Der Traum meiner perfekten Welt – er lebt.

Die Welt ist voll von Herausforderungen. Immer auf’s Neue auf der Suche nach dem heiligen Gral, der das Leben lebenswert macht.
Ich will die Herausforderung wieder annehmen.

Danke.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.