Der Tinker zur Lage der Nation Teil I

Deutschland im Frühjahr 2020. Ausnahmezustand.

Während es für die meisten Menschen nun mal an der Zeit ist sich mit den Dingen auseinander zu setzen, die sie sich so kaufen – offenbaren sich an andere Stelle die eklatanten Schwächen der Naivität.

Heute möchte ich über die deutsche Wirtschaft sprechen. Das vermeidliche Zugpferd dieses schönen Staates.
Wir hören es an jeder Ecke. Geschäfte sind zu, Beschäftigte müssen zuhause bleiben und die armen Unternehmer stöhnen.
Die Frage ist ja, muss man da immer Mitleid haben? Muss man sowas wie ein Verständnis für Unternehmer haben, die nicht in der Lage sind nachhaltig zu Wirtschaften und für ausreichende Sicherheit ihrer eigenen Existenz und der ihrer Mitarbeiter zu sorgen?

Das 1×1 der Unternehmensführung

So ein Unternehmen will sorgfältig durchdacht und geplant sein. Damit steht und fällt der nachhaltige Erfolg.
Was kann ich? Wie kann ich das, was ich kann, an den Mann bringen?
Wie sieht der Markt aus? Gibt es Konkurrenz? Wie gestalte ich meine Preise? Tue ich das, was ich tun möchte, gerne?
Habe ich entsprechendes Kapital? Was muss ich kurzfristig investieren? Was muss ich langfristig investieren?

Als Unternehmer muss man sich in erster Linie bewusst sein, dass man die Seele des Betriebes darstellt.
Nicht die Mitarbeiter, nicht das Angebot – sondern nur man selbst ist für den Erfolg verantwortlich.

Stehe ich voll hinter meinem Vorhaben? Bin ich bereit mich und meine Familie in den Hintergrund zu stellen, um Erfolgreich zu sein? Kann ich gut mit Menschen umgehen, um Kunden und insbesondere das Personal zu managen?
Besitze ich Verhandlungsgeschick? Warum mache ich das Ganze überhaupt?

Es sind folglich nicht nur Fragen über die Finanzen und den Markt zu stellen, sondern im selben Maß auch über die persönliche Eignung.

Leider ist diese persönliche Eignung die größte Schwachstelle mit der wir aktuell zu kämpfen haben, wenn wir uns die Situation einmal genau anschauen.

Auch wenn man bereits ein Unternehmen aufgebaut hat, darf man niemals aufhören sich Fragen zu stellen und an Lösungen zu arbeiten.

Flexibel auf den Markt reagieren zu können ist da sicherlich nur ein kleinerer Faktor.

Denn abgesehen von Flexibilität ist der Aufbau von Kapital, das nicht nur für ständige Investitionen, sondern auch für die Stabilität des eigenen Unternehmens dient von größter Bedeutung.

Negativbeispiel

Wie man all das nicht macht und nun so richtig von der Krise geschüttelt wird zeigt das Beispiel Karstadt-Kaufhof.

Wir sprechen hier von einem Unternehmen, dessen Ursprung irgendwann im 19. Jahrhundert stattfand. Und an dessen Kern unverändert festgehalten wurde.
Wir finden die Fillialen in jeder größeren Stadt. Ein gigantisches Kaufhaus mit wohligem Duft von Neuware in Hülle und Fülle.
Den Wandel der Zeit komplett verpennt, haben es, das von dauernden Kriesen gebeutelte Karstadt und der weniger auffällige Kaufhof irgendwann 2019 zu einem Zusammenschluss gebracht.
Nur wem hat der geholfen? Was hat sich geändert? Welche Fragen wurden gestellt?

Wer von euch hat in letzter, geraumer Zeit schonmal den Drang gespürt unbedingt nach Karstadt-Kaufhof zu müssen?
Schonmal was bei Karstadt-Kaufhof online bestellt?

Was zeichnet Karstadt-Kaufhof in Zeiten einer vernetzten Welt aus? Was ist das Merkmal, um gezielt in eine Filliale zu stolpern?

Wahrscheinlich seid auch ihr mal eher halb Planmäßig mal in einer Filliale eingetrudelt, weil ich noch ein Last-Minute Geschenk zu Weihnachten fehlte und ihr sowieso grade in der Stadt gewesen seid.
Gekauft habt ihr dort vermutlich nichts, weil es online viel preiswerter war, oder vielleicht doch, weil die Zeit sehr gedrängt hat.

Ein Blick in die verschiedenen Geschäftsfelder des Unternehmens verheissen ebenso wenig, wie die Relevanz eines solchen Kaufhauses in jeder Stadt.
Ein paar GmbHs, in der die Drecksarbeiten ausgelagert sind. Ein bischen Gastronomie, für schlecht besuchte Kaufhäuser – das wars. Und den Online-Shop nicht zu vergessen.

Wir sprechen also über ein Unternehmen, dessen Management es in beachtlichen 120 Jahren nicht geschafft hat, für nachhaltige Strukturen zu sorgen und nun keine Mieten mehr bezahlen will.

Die berechtigte Frage ist – warum zahlt ein Unternehmen wie Karstadt-Kaufhof überhaupt Mieten?
Haben 120 Jahre nicht ausgereicht, um Immobilien an markanten Standort zu erwerben und sich damit einen Wettbewerbsvorteil zu schaffen?
Warum wurde, wie branchenüblich, nicht mal eine größere Akquise vorgenommen um die eigene Position am Markt zu bestärken?

Offensichtlich war man naiv genug, um die Zeichen der Zeit mit der Übernahme eines Kriesen gebeutelten Konkurrenten und der, viel zu späten, Errichtung eines online-Shops gedeutet zu haben.

Mit dieser gewaltigen Personalverantwortung ist das ein wenig dürftig. Während sich die Manager also auf ihren Yachten und in ihren Villen ein schönes Leben machen können, stehen die Angestellten genau so wackelig daher, wie das Unternehmen selbst.

Zurück zum 1×1

Abgesehen von der allgemeinen Lage ist es also ein Stück weit hausgemacht. Das Virus kann herzlich wenig daran ändern, dass viele Unternehmer ihre eigene Existenz und die der Mitarbeiter auf solch wackelige Füße stellen.

Viel mehr wäre hier die Politik gefragt eine Grundlage für Unternehmen gewisser Größenordnung zu schaffen, die Anzahl und Gehälter für angebliche Führungskräfte beschneidet und dafür Sorge trägt, dass ein Unternehmen auch eine Durststrecke weitesgehend schadensbegrenzt überstehen kann.

Leider fehlt dieser rechtliche Rahmen vollständig, daher liegt es allein in der Kompetenz eines Unternehmers selbst die Verantwortung für sich, seine Mitarbeiter und nachhaltige Strukturen zu sorgen.
Ein gewisses Maß an Verantwortungsbewusstsein sollte also durchaus vorhanden sein.

Meiner Ansicht nach braucht man kein Mitleid mit den armen Unternehmern haben, zumindest nicht mit denjenigen, die genug Zeit hatten ihren Scheiß vernünftig zu regeln.
Schlimm ist es insbesondere für die aufwachsenden Unternehmen, die die entscheidenen Schritte noch nicht machen konnten bzw. vor sich hatten.
Doch auch wenn hier staatlich keine nennenswerte Unterstützung zu erwarten ist, so sollte man als Unternehmer in der Lage sein kurzfristige Impulse zu setzen und seine Mitarbeiter entsprechend mitzunehmen.
Lieferdienste, Onlinehandel, Homeoffice, Mitarbeitertransfer, Betriebsferien / Urlaubsregelungen, Gehaltsverzicht, renovieren, orientieren.
Kreativ sein, neue Wege finden, Grenzen überschreiten.

Die Möglichkeiten sind da, leider haben sich viele entschlossen lieber zu heulen. Weil das leichter ist. Vielleicht kommt die Lösung ja von ganz allein. Oder die Mitarbeiter finden von selbst eine Lösung. Der Messias kommt.
Krise ist die richtige Zeit für einen Unternehmer um seine wahre Stärke und sein Potenzial zu zeigen.
Diejenigen, die dazu nicht in der Lage sind, schädigen in dieser Situation nachhaltig ihre gesammelten Verdienste wie Glaubwürdigkeit, Respekt, in großen Teilen auch die Loyalität und Treue ihrer Mitarbeiter und Kunden.

Heroes were born

Die Weltwirtschaft wird in dieser Krise nicht untergehen. Aber sie zeigt uns eindrucksvoll die Missstände, die wir seit vielen Jahren mit uns herumschleppen.

Unser System basiert auf Konsum, Wachstum und Produktivität.
Was wir im eigenen Land nicht selbst Konsumieren wird halt exportiert. Unwirtschaftliche Produktionen werden ins Ausland verlagert. Globalisierung nennt sich sowas.
Ein seelenloser Betrieb nach dem Anderen kommt und geht.
Umsatz, Gewinn, Verlust, Rendite.
Wenn man dem Betrieb schon keine Seele gibt, dann geht es nur um Zahlen.
Immer mehr Verkaufen, immer mehr Angebot, weniger Mitarbeiter, geringere Löhne.
Mitarbeiter machen das was sie tun nur für ein paar Euros. Spielen ihren Stiefel runter und ersticken ihr trostloses Leben im Sommerurlaub, Konsumgütern oder Alkohol.
Die Top-Manager dieser Welt sehen sich darin beschäftigt Kosten zu senken und Produktivität zu erhöhen.

In Zeiten wie diesen kommt es darauf, aber ausnahmsweise mal, nicht an. Ein Genickbruch für sowieso schon seit Jahren zum scheitern verurteilte Vorhaben. Und eine einmalige Gelegenheit für diejenigen, die es haben kommen sehen und wissen wie es besser gemacht werden kann.

Es ist jetzt an der Zeit zu handeln. Der richtige Moment um die Ideen einer seelenlosen Wirtschaft aufzugreifen und nochmal von vorne anzufangen.
Die Lehren dieser Krise sind eindeutig.
Ohne Nachhaltigkeit funktioniert es nicht. Und ihr braucht auch nicht daran zu glauben, dass dies irgendeinem Manager plötzlich auch eingefallen ist und sich nun alles zum Besseren wendet.
Nein, das Ruder müsst ihr nun selbst in die Hand nehmen und euren Weg gehen.

Die Helden der Zukunft sind die, die aus der Krise gestärkt hervorgehen. Weil sie bereit sind neue Wege zu gehen.
Weil sie nicht heulen. Weil sie selbst ihr Messias sind.

Geld ist nur Mittel zum Zweck. Geld kann seinen Wert von einer Sekunde auf die Nächste komplett verlieren.
Auch dann sprechen wir wieder von einer Krise. Es war alles schon da, doch offenbar wiegt man gern in falscher Sicherheit. Anders ist das alles nicht zu erklären.

Der wahre Reichtum eines Unternehmers ist es, auch in den schwersten Zeiten seiner Verantwortung gerecht werden zu können.

Fazit

Ein ungesundes Unternehmen suhlt sich gerne in den Erfolgen seiner Vergangenheit. Das Gefühl der Stagnation ist in jeder Hinsicht präsent.
Alles ist irgendwie alt, vor allem die innerbetrieblichen Abläufe.
Es wird so gemacht, weil es schon immer so gemacht wurde. Jeder bekommt sein Geld, spielt seinen Stiefel runter und freut sich auf seinen Jahresurlaub.

Exakt diese Art von Unternehmen wird es in diesen Tagen ziemlich schwer haben.
Unfähig zu Veränderungen, weil sie weder gewünscht, noch ernst genommen werden.
Unfähig zur Selbstreflektion, schließlich geht es dem Chef in so einem Betrieb ja bekanntlich am Besten.
Stellt eine Gefahr für die Allgemeinheit dar, weil auf aktuelle Vorkehrungen geschissen wird, nur damit ja nicht ein Handschlag mehr gemacht werden muss.
Macht sich nur Sorgen um den eigenen Arsch, versucht seine altertümlichen Riten aufrecht zu erhalten und am Ende der Krise steht kein Neuanfang, sondern Business as usual.
Der Fisch stinkt eben vom Kopf. Da kann kein Virus etwas dran ändern.

Bei der anstehenden Insolvenzwelle, dieser faulenden Fische sollte man kein Mitleid mit den Unternehmern, sondern aussschließlich deren Angestellten haben.

Es ist unheimlich einfach sich hinzusetzen und „Menno“ zu schreien, weil die Situation es zulässt – aber alle diejenigen, die jetzt 9-25.000 € vom Staat bekommen um sich über Wasser zu halten, sollten sich grundsätzlich hinterfragen.
Welchen Wert hat das was ihr da macht?

Hinter all dem Reichtum und Prunk, den ihr so schön zur Schau stellt – stehen Menschen, denen ihr miese Löhne für sinnlose Arbeit abknöpft.

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