Der Tinker zur Lage der Nation II

Welcome back.

Deutschland im Frühjahr 2020 – Krise. Europa im Frühjahr 2020 – Krise. Die Welt im Frühjahr 2020 – Krise.

Im ersten Teil habe ich meinen Eindruck zur Wirtschaftslage geäussert.. Selten einen Beitrag mit dermaßen wenig Resonanz veröffentlicht.
Verständlich, denn stink langweilig. Uninteressant. Nicht der Rede wert.

Was die Menschen derzeit wirklich interessiert ist sehr schwer einzuordnen. Die einen pflegen ihren Garten, die Anderen renovieren ihre Bleibe. Der Eine liest mal wieder, der Andere fährt Fahrrad.

Die ständige Ablenkung durch den kontinuierlich prasselnden Starkregen aus Konsum – plötzliche Stille.

Erinnert ihr euch an das Geräusch, dass ein Diskettenlaufwerk beim Booten damals immer gemacht hat? Oder wenn eine Festplatte hoch fährt?

Exakt so hat es sich angehört, als ein Großteil der Massen, nach Ende des Regens, aus dem Wachkoma auferstanden ist, um zu realisieren „Boah scheiße, kein Sommerurlaub dieses Jahr“.
Was für die Tinker dieser Welt sowieso eher zum Standart gehört, hat die Welt der Wachkomapatienten aus dem Gleichgewicht gebracht.

Plötzlich hatten all die von dem zu viel, von dem sie ganz vergessen hatten, dass es überhaupt existiert:
Zeit.
Unendlich viel Zeit.

Zeit – und nicht die geringste Ahnung, wie man sie rum bekommt.
Geld – und die Gewissheit, dass man sich in Zeiten der Krise damit nicht viel kaufen kann.
Angst – und die Erkenntnis, dass die Menschen um sie herum sehr kostbar sind.

Der jahrelange Konsum hat sich nun auch endlich bezahlt gemacht. Es war genug Zeit da, um all die tollen Sachen auch tatsächlich mal zu benutzen.
All die Kohle, die man nun über hatte, weil man kein Auto mehr fahren brauchte oder sein Geld auf sonstige Art und Weise verbraten hat, konnte man ohne jegliche Reue im Baumarkt lassen und so sein eigenes Heim, die letzte Zuflucht, nach bestem Wissen und Gewissen, neu gestalten.

Der Eine in Kurzarbeit, der Andere im Homeoffice. Manch einer lernte sogar sich die Frage zu stellen: Wozu der ganze Scheiß?
Man realisierte, dass man längst hat was man braucht.

Diese Krise war ein kleiner Gewinn für die Menschlichkeit in diesem Land. Es wurde Rücksicht genommen und gegenseitig unterstützt.
Das ich das noch erleben durfte fühlt sich großartig an.

Für mich verlief das Leben während der Krise exakt so, wie vorher auch.
Der Tinker ist Handwerker – und Handwerker trotzen der Krise.
Gedankt wird ihnen allerdings nicht. Es wird als selbstverständlich angesehen und an keiner Stelle wurde je ein Wort über den Einsatz im Handwerk verloren.

Bis jetzt.

Denn als Meister im Handwerk fühle ich mich dazu verpflichtet all den Meistern, Gesellen, Helfern, Azubis und Praktikanten im Handwerk für ihren unermüdlichen Einsatz zu danken.
Der Kriese zum Trotz haben wir den Laden technisch zusammengehalten und waren immer da, wenn wir gebraucht wurden.
Wir sind da, wenn die Auftragsbücher voll sind. Wir sind da, wenn die Zeit nicht rumgehen will.
Wir sind immer da und machen mehr als nur unseren Job.
Wir machen das, was wir lieben. Beschäftigen nebenbei noch eure Kinder und deren Großeltern.

Wir stehen für klägliche Löhne und miese Arbeitsbedingungen auf, wir gehen müde und kapput ins Bett.
Auch ohne jede Wertschätzung verrichten wir Tagein Tagaus grandiose Dinge. Sind nicht immer motiviert.
Aber wir sind da. Und wir bleiben da. Für euch. In jeder Krise die noch kommen mag.

Wir sind das Handwerk.

 

Danke.

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