Addicted

Ich fühle, wie ich da liege.. Will die Augen öffnen, aber es ist so unsagbar schwer…
Ich bin wach, aber gehe im Traum mit wackeligen Knien die Hauptstraße in Elsen entlang..

Draußen ist die Musik noch angenehm deutlich zu hören, aber die Parkbank vor der Haustür ist unbesetzt. Meine neue Wohnung ist am Gemeindehaus.

Es ist dunkel. Gesichter in schwarz/weiss huschen in hohem Tempo an mir vorbei. Ein paar Bekannte sind auch darunter. Ich will ihnen nachrufen, aber sie sind so schnell  wieder verschwunden..

Nach einer Reise durch einen schattenartigen Tunnel finde ich mich auf einer Holz-Treppe wieder. Sie führt in einen verwinkelten Raum voller Betten.
In einem davon schläft mein Kollege. Für zweihundert Euro im Monat.
Er bittet mich auch mal Probe zu liegen. Ein Hochbett. Sehr bequem.
Von dort aus sieht man eine Lichtkuppel.
Die Vorstellung von der Sonne wachgeküsst zu werden gefällt mir.

Ich steige wieder herunter. Der Vater meines Kollegen ist auch hier und spielt an einem Mischpult herum, das an einem Schreibtisch im selben Raum steht.
Irgendwas hat er verstellt, dabei ist gar nichts zu hören..
Er fragt einen der Mitbewohner, ob es wohl auffallen würde, wenn das Teil nach dem Unterricht verschwunden wäre.
Ich vernahm keine Antwort, aber ich glaubte jetzt in irgendeiner Art Schule zu sein.

Dann fiel es mir wieder ein. Ich wollte zur Tankstelle und Bier einkaufen. Aber ich hatte gar kein Geld dabei. Und ausser einer Boxershorts und Schuhen auch gar nichts an.
Eigentlich wär ich wieder nach Hause gegangen und nicht in die WG.
Der Vater meines Kollegen hatte Geld und kaufte nen Sixer an der Tankstelle. Es waren grüne Flaschen.

Auf dem Weg zu meiner Wohnung war er weit vorraus und bog dann falsch ab, weil er gar nicht wusste, dass ich umgezogen war.
Mir fiel das ein, darum lief ich schnell zur Kreuzung und rief ihm nach.
Er ärgerte sich fürchterlich, immerhin war er schon am Ende der Straße angekommen.

Ich ging allein in meine Wohnung. Vor meinem inneren Auge sah ich, wie ich meine alte Wohnung gekündigt habe. Wie ich die Miete für die neue Wohnung schon bezahlt hatte und wusste auch, dass in meiner alten Wohnung noch Sachen stehen.
Aber die großen Teile waren schon in meiner neuen Wohnung.

Ich hätte meinem Kollegen ja mein zweites Zimmer vermieten können – aber wo sollten die Kinder dann schlafen? Hat meine neue Wohnung überhaupt ein zweites Zimmer? Warum bin ich umgezogen?

Zurück in der Wohnung ging ich durch den Flur in das Wohnzimmer. Irgendwas fehlte. Mein Sofa war nicht da.
Hinter einer Tür in das zweite Zimmer, über dessen Existenz ich sehr erleichtert war, fand ich mein Sofa. Die Waschmaschine stand auch dort. Sie war sogar angeschlossen, wie mir mein prüfender Blick verriet.

Alle großen Teile waren schon da. Ich wollte in meine alte Wohnung gehen und gucken was noch zu holen ist.
Auf dem Weg dorthin kam ich an der alten Tankstelle mit der Werkstatt vorbei. Ein riesiger, schwarzer, hoch moderner Elektro-Reisebus stand dort.
Im vorbeigehen sah ich einen gut lesbaren Markenschriftzug, der offensichtlich chinesischen Ursprung hat.
Hier scheint jetzt wohl eine Niederlassung zu sein. Nicht schlecht.

Ich ging um die alten Gebäude mit neuem Inhalt. Alles hoch modern. Alles offen. Obwohl heute Feiertag ist.
Keine Menschenseele. Hier würde ich gern mal arbeiten und meinen Horizont erweitern.
Innerlich überlegte ich schon die Argumente für das Vorstellungsgespräch – aber hier war niemand..

Die Tür zum Shop der alten Tankstelle war auch offen. Hier standen viele neue Ölkanister in Regalen. Auch hier – niemand. Ich ging hinein und sah über dem Eingang innen eine Kamera hängen, die meine Anwesenheit mit einem roten Blinken wahrnahm.

Kurz überlegte ich mit einem Ölkanister zu verschwinden. Ich hatte ihn schon in der Hand. Stellte ihn dann aber wieder zurück.
Ich ging zum Ein- bzw. Ausgang, winkte in die Kamera, die mich wieder erkannte und ging aus dem Laden.

Als ich die Straße überquerte sah ich hinter mir ein großes Auto aus einer Nebenstraße kommen. Der schwarze Bus war gar nicht mehr da.
Aus dem Auto stieg ein Mann. Er bezichtigte mich des Diebstahls.
Natürlich hatte ich nichts geklaut und winkte nur in die Kamera um auf mich Aufmerksam zu machen. Das teilte ich ihm mit.
Er war wohl der Chef.
Vage erinnere ich mich daran, dass ich mit ihm darüber sprach, dass ich für ihn arbeiten will..

Die Szene verschwand und wieder fragte ich mich, warum ich umgezogen bin.
Ich wollte aufwachen, aber meine Augen waren schwer wie Blei.
Im Hintergrund höre ich die Musik, sie fügt sich nahtlos in den Traum ein.

Wieder bin ich zu Fuß unterwegs. Ich spaziere unermüdlich. Bin total im Arsch.
Elsen Bahnhof, da wo meine Eltern wohnen, ist jetzt eine richtige Stadt geworden..
Ich gehe weiter. Lasse den Ort hinter mir.
Ein LKW blockiert die Straße.
Mit geöffneter Ladeluke steht er in einer Einfahrt. Ein Junge wäscht ihn aus. Am Feiertag.
Ich wollte nicht entdeckt werden und drehte um.
Links auf einer kleinen Wiese mit Bäumen dahinter standen mehrere blitz-saubere LKW von MAN. Sie gehören meinem Patenonkel. Das wusste ich. Man konnte es auch an den Nummernschildern sehen.
Irgendwo würde ich ihn bestimmt sehen. Aber er würde mich bestimmt nicht erkennen.
Ein Stück weiter sah ich ihn dann in einem Schankwagen stehen. Er machte ihn sauber.
Von weitem winkte ich ihm zu – er winkte zurück und wollte erstmal ein Bier mit mir trinken.
Hatte er mich wirklich erkannt? Skeptisch ging ich auf ihn zu.
Als hätten wir es immer getan gingen wir in’s Haus. Ich fragte ihn, ob er wüsste wer ich bin. Er wusste es. Gar keinen Zweifel.
Seine Frau war auch da.

Wir gingen in einen Saal. Wir waren in seiner Gaststätte. Überall standen helle Eichenmöbel.
Ich war traurig.
Schaute durch einen Vorhang nach draußen.

Wieder wechselte die Szene. Wieder war ich in der nähe meiner alten Wohnung. Worte liefen in meinem Kopf auf und ab. Das muss ich aufschreiben. Schreib es auf.

Ich wurde wach – und schrieb.

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