Bad Religion

In den kommenden Wochen begebe ich mich auf eine Reise..

Eine Reise, die ich selbst wahrlich nicht immer in Betracht gezogen hätte – Sie aber für notwendig halte.

Notwendig um zu verstehen. Verstehen warum die Dinge sind wie Sie sind – warum Menschen den Weg gehen, den Sie gehen.

Wege, die unergründlich sind. Unergründlich wie die Wege des Herren.

Der Herr, an den ich vielleicht glauben kann – aber nicht will. Oder will ich es – und kann es nicht?!

Kann man glauben, oder will man es?!

Erlösung oder Vergebung – was wird meine Interpretation der heiligen Schrift?

 

Die Heuchelei um des deutschen Liebling

In den letzen Monaten erreichen mich, auf den unterschiedlichsten Wegen, immer wieder die selben Fragen:

  • Was soll man denn noch für ein Auto kaufen?
  • Wie steht es um den Diesel?
  • Kann man ohne Computer eigentlich noch ein Auto selbst reparieren?
  • Warum ist die Reparatur an meinem Auto so teuer?
  • Was halten Sie von Elektroautos?
  • Wie sind Umwelt und Mobilität in Einklang zu bringen?

Mit all diesen Fragen habe ich mich auseinandergesetzt und musste, meist im direkten Kundenkontakt, entsprechende Antworten abliefern.

Wie das ganze Dilemma eigentlich entstanden ist..

Solche Situationen sind sowohl für den Kunden als auch für mich gar nicht mal leicht. Die Ursache kommt meist irgendwo aus der Bevölkerung, oder schlimmer noch: Aus der Politik.

Irgendwo sitzt dann einer rum, der in seinem Leben noch nie den Ölstand selbst prüfen musste, erfährt von Irgendwas, dass er gar nicht richtig beurteilen kann und wittert eine Verschwörung.

Im aktuellen Fall handelt es sich dabei um manipulierte Motorsteuergeräte-Software bei Dieselmotoren, um Schadstoffausstoß, Messstationen, Fahrverbote, Umweltzonen, Feinstaub, Klimawandel, Krebs usw.

Obwohl ich selbst ja nichts für den „Skandal“ kann – werde ich dazu befragt – ob mir das gefällt oder nicht. Der Kunde kann den Skandalschaffer schließlich nicht selbst befragen und hofft von mir eine plausible Einschätzung der Situation.

Was soll man denn noch für ein Auto kaufen? 

Die Frage, die mir besser gefallen würde wäre: Welches Auto soll ich mir nicht kaufen? Wenn man, wie ich, hauptsächlich mit Problemen an Autos zu tun hat – dann ist Autofahren nicht mehr Autofahren. Jede noch so normale Fahrt wird zur Diagnosefahrt und in jeder Sekunde wird jedes unnormale Geräusch analysiert. Musik kann ich während der Autofahrt ja eigentlich auch nicht mehr genießen, schliesslich muss ich ja hören ob Motor oder Fahrwerk irgendwelche Geräusche von sich geben. Ich kaufe auch keine Autos nach Gefallen, sondern nach technischer Unauffälligkeit. Schließlich beruhigt es tatsächlich etwas mein Gewissen und lässt mich etwas entspannter Auto fahren, wenn ich weiß, dass das Auto robust ist.

Erstmal sollte man sich also darüber informieren welche Autos besonders zuverlässig sind. Schnell wird man feststellen, dass aus einer besonders gigantischen Liste von Modellen und Sondermodellen nur noch eine überschaubare Anzahl an Fahrzeugen übrig bleibt. Aus dieser Anzahl an Fahrzeugen wählt man sich jetzt am besten ein Modell aus, dass man häufiger mal auf der Straße sieht – denn je häufiger ein Modell auf dem Markt ist, desto preiswerter sind Reparaturen und Ersatzteile und desto größter die Community um das Fahrzeug.

Der nächste Schritt auf dem Weg zum richtigen Auto ist dann nur noch das Fahrzeug selbst. Das wichtigste an einem Auto sind nicht der besonders geringe Kilometerstand, Unfallfreiheit und die üppige Ausstattung, sondern der/die Vorbesitzer. Jemand, der sein Fahrzeug regelmäßig pflegt, korrekt fährt und dabei vielleicht keine Klimaanlage an Board hat, bietet ein viel besseres Gesamtpaket, als der Student im Vollausstattungsmonster – der kein Geld für Service und keine Zeit für Pflege hat.

Wie steht es um den Diesel?

Seitdem Dieselmotoren nicht mehr so ekelhaft laut und langsam sind, was vor allem mit der Direkteinspritzung und dem Turbolader zu tun hat, erfreuten sich Dieselmotoren großer Beliebtheit. Endlich kann man mit wesentlich geringerem Verbrauch genau so toll rumgurken wie mit einem Benziner – wenn nicht besser. Der Nachteil in der Kfz-Steuer, im Gegensatz zum viel besseren Preis/KM ist schnell wieder rein gefahren.

Grundsätzlich also eine super Sache so ein Diesel – aber auch nur mit einem Aber.

Durch den höheren Wirkungsgrad eines Dieselmotors braucht der Motor an sich wesentlich länger um die Betriebstemperatur von ca. 80-90° zu erreichen. Grundsätzlich arbeitet jeder Motor, egal ob Diesel oder Benzin, erst ab erreichen der Betriebstemperatur besonders effizient.

Fährt man seinen Diesel nun überwiegend auf so kurzen Strecken, dass der Motor kaum mal seine Betriebstemperatur erreicht hat das technisch massive Konsequenzen. Sämtliche Komponenten zur Abgasnachbehandlung sind darauf ausgelegt erst bei Betriebstemperatur optimal zu arbeiten – wenn diese allerdings nie wirklich erreicht wird, kann auch so ein System nicht funktionieren.

Wie man sein Auto so fährt, nennt sich in Fachkreisen „Fahrprofil“ – ein guter Verkäufer, der nicht unbedingt viel Wert auf seine eigene Prämie legt, wird euch danach fragen, bevor er euch ein Auto anbietet. PKW mit Dieselmotor bei einem Fahrer mit korrektem Fahrprofil – das passt.

Man kann also sagen, dass sich ein Diesel immer noch lohnt, wenn er denn in das eigene Fahrprofil passt. Von Fahrverboten und Umweltzonen sollte man sich nicht unbedingt abschrecken lassen. In erster Linie sollte man kostengünstig seine Wege beschreiten können.

Kann man ohne Computer eigentlich noch ein Auto reparieren?

Ein Auto hat heutzutage eine viel höhere Anzahl an Sensoren, Stellgliedern, Steuergeräten, Assistenten usw. als es noch in den 90ern der Fall war.

Viele, rein mechanische Komponenten, wurden durch mechatronische Versionen ersetzt – was damals solide war, ist heute aus Plastik. In der Herstellung zählen nur noch geringe Kosten und beschleunigte Produktion. Der Zyklus, in dem neue Modelle auf den Markt geworfen werden, hat sich im Gegensatz zu den 90ern nahezu halbiert und die reine Anzahl an Modellen verdoppelt. Immer neue Technik, immer andere Technik, immer mehr Ausstattung.

Kaum ein normaler Mensch kann dazu in der Lage sein, immer mehr Technik in immer kürzeren Zeiten so gut zu kennen, dass sowas wie Kenntnisse aufkommen können.

Der einzige wirkliche Helfer in dieser Situation ist das Diagnosegerät. Denn die Alternative für den Mechaniker lautet: Schaltpläne und Sollwerte besorgen, unzählige Verkleidungen demontieren um Bauteile freizulegen – und manuell nachzumessen.

Das konnte man Mechanikern in den 90ern durchaus noch zumuten – 2018 ist das nur noch in absoluten Härtefällen realisierbar.

Einige wenige Komponenten an Fahrzeugen haben sich im Laufe der Zeit allerdings nicht großartig geändert – viele Probleme sind Hersteller übergreifend ähnlich und das Problem sitzt häufig zwischen Lenkrad und Sitzlehne.

Fehlerdiagnosen sind an Fahrzeugen ohne einen Computer also kaum mehr möglich. Gewisse Bauteile müssen nach einem Austausch/Reparatur auch neu angelernt werden, oder gewisse Prozesse erst angestoßen werden um eine Reparatur durchzuführen. Das ist nicht bei jedem Auto so – aber bei einigen.

Wer gerne mal selber was macht, der sollte sich also genau über die technischen Eigenschaften informieren.

Warum ist die Reparatur an meinem Auto so teuer?

Über diese Frage freue ich mich immer am Meisten. Bei einem Stundenverrechnungssatz von 80 € muss der Mechaniker ja schließlich ein dekadentes Leben führen können.

Der Stundenverrechnungssatz beschreibt allerdings nicht den Lohn des Mechanikers, sondern die Gesamtkosten pro Stunde für das Gesamtpaket „Werkstattarbeit“.

Ein Mechaniker verdient derzeit so rund 12 – 15 € die Stunde – der Rest geht drauf für Luxusgut wie Hebebühnen, deren Stromverbrauch und Wartung. Werkzeuge, Spezialwerkzeuge, Verbrauchsmaterial, Strom, Heizung, Wasser. Kosten für Abgastester, Diagnosetester, Werkstattsoftware, Bürokräfte, Chefs, Leihwagen und so weiter und so fort. Insbesondere in Vertragswerkstätten erwarten die Hersteller die Erfüllung gewisser Vorgaben, die nochmal mehr Geld kosten..

Je größer ein Betrieb ist – desto höher die allgemeinen Kosten, desto höher auch der Stundensatz in der Werkstatt. Es sollte also keinen Wundern, dass ein gigantisches Autohaus mit zig Angestellten, für jeden erdenklichen Zweck, diese Kosten auch irgendwie weitergibt.

Seit jeher sind Autos auch nicht unbedingt dazu vorgesehen an einigen Stellen repariert zu werden, dementsprechend Zeit braucht der Mechaniker um gewisse Arbeiten durchzuführen. Auch bei regulären Wartungsarbeiten tritt dieser Fall oft ein. Dafür kann aber die Werkstatt nichts und auch nicht der langsamere Mechaniker – viel eher könnte ein Hersteller dazu in der Lage sein die Reparatur- und Wartungsfreundlichkeit bei der Konstruktion eines Modells besonders zu berücksichtigen, im Sinne des Kunden quasi – aber da die Hersteller leider nur an Umsatz, Absatz und Wachstum interessiert sind, wird dieser Fall leider nie eintreten.

Viele Werkstätten setzen bei der Kalkulation für Reparaturangebote auf spezielle Software. Innerhalb dieser Software ist für nahezu jedes Modell und jeden Arbeitsgang ein Zeitwert hinterlegt. Diesen Zeitwert nennt man im Fachkreis „AW“ – eine AW kann z.B. 10 Minuten dauern. Nimmt man z.B. den Austausch der Bremsscheiben und Bremsbeläge für einen Golf 4 – dann sieht man in der Software einen Zeitwert von z.B. 6 AW – das wäre also eine Stunde. Soweit so gut, schlecht nur wenn der Wert in der Software erheblich von der Realität abweicht.

Die Software kann nicht wissen, dass irgendwelche Schrauben nach X Jahren nur noch per Schweißbrenner entfernt werden können – oder Teile angepasst werden müssen usw usw. Werkstattarbeit ist im weitesten Sinne auch das Ausleben seines eigenen Improvisationstalent. Fest steht eigentlich nur, dass Arbeiten, die man schon mal gemacht hat – beim 2. Mal immer deutlich schneller gehen 😉

Wenn man also aufgrund irgendwelcher Garantiebedingungen oder persönlicher Vorliebe an ein großes Autohaus gebunden ist – dann kann man in einer kleineren Werkstatt durchaus Geld sparen.

Was halten Sie von Elektroautos?

Gar nichts.

Für mich ist das Elektroauto, in seiner jetzigen Form, nichts weiter als ein kläglicher Versuch irgendwelche Versäumnisse der Vergangenheit irgendwie in Ordnung zu bringen.

Die derzeitigen Fahrzeugmodelle, die es als E-Variante zu kaufen gibt – sind eigentlich für den Betrieb mit einem Verbrennungsmotor vorgesehen und in ihrem Kern nicht dazu geeignet ein reines Elektrofahrzeug zu sein. Das Gesamtkonzept „E-Auto“ muss passen. Es ist nicht damit getan einen Verbrennungsmotor gegen einen E-Motor zu ersetzen und den Unterboden mit einer Batterie zu bestücken und dann mit einer Reichweite von, man höre und staune, 150 KM, bei einer Ladezeit von 6 Stunden, auftrumpfen..

Derzeit ist ausschliesslich der Hersteller Tesla dazu in der Lage ein E-Auto zu präsentieren, dass im Gesamtkonzept überzeugen kann. Das liegt aber eigentlich nur daran, dass Tesla von einem Visionär geführt wird, Geld eine untergeordnete Rolle spielt und Tesla niemals Verbrennungsmotoren eingesetzt hat. Die etablierten Hersteller sollten sich dringend einen eigenen Elon Musk klonen, ansonsten hat jeder Paypal Kunde demnächst auch einen Tesla – in einem hervorragend funktionierendem System aus Ladestationen.

Wie sind Umwelt und Mobilität in Einklang zu bringen?

Damals in der Grundschule wurde man immer wieder darauf hingewiesen, das Auto bei kurzen Strecken stehen zu lassen. Aber die Menschen sind von Natur aus – faul.

Auch kürzeste Strecken zu fahren ist ein Zeichen dafür, dass das Fahren einfach noch zu günstig ist. Der Mensch bequemt sich erst dazu etwas zu ändern, wenn es an das liebste geht was er hat: Sein hart verdientes Geld. Die Konsequenzen des Autofahrens sind für den faulen Mensch in dem Moment des Fahrens nicht präsent – das Bewusstsein der Umwelt massiv zu schaden – es ist einfach nicht vorhanden.

Natürlich trifft  das nicht auf alle Menschen zu, leider kenne ich genug von der faulen Sorte.

Kurzstrecke

Ich wiederhole mich gern, wenn ich sage, dass ein Verbrennungsmotor und seine Abagsnachbehandlungssysteme erst beim Erreichen der Betriebstemperatur ihre volle Wirkung erzielen, daher ist es in der heutigen Zeit auch in erster Linie wichtig die Temperatur zu erreichen.

Wer häufig kurze Strecken fährt, der schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch Geldbeutel und Fahrzeug.

  • In der Warmlaufphase verbraucht so ein Motor auch mal eben locker das doppelte an Kraftstoff, als es bei erreichter Betriebstemperatur der Fall wäre.
  • Der Motorverschleiß ist höher. Dadurch, dass auch das Motoröl nie auf Temperatur kommt, sind die Eigenschaften Schmierung, Kühlung und Reinigung des Motoröls nicht in vollen Umfang gewährleistet.
  • Das bei der Verbrennung entstehende Wasser sammelt sich in der Abgasanlage, die entsprechende Korrosion der Werkstoffe führt zu Schäden.
  • Der Katalysator erreicht die Betriebstemperatur nicht. Schädliche Abgase werden nicht umgewandelt und gelangen fröhlich in die Luft.
  • Inbesondere bei Fahrten im Winter wird häufig von Anfang an die Heizung eingeschaltet – das raubt dem Motor nochmal zusätzliche Temperatur.
  • Die Batterie wird nur unzureichend nachgeladen.

Das sind sicherlich nicht alle Punkte, aber die Wichtigsten.

Das Problem ist vorhanden und bekannt, wird aber seitens der Hersteller und Politik gekonnt ignoriert.

Fahrt halt keine kurzen Strecken, nehmt das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel. Dieselfahrverbot. Sagt den Zweitklässlern, dass man keine Kurzstrecken fahren soll – das reicht.

Mal ehrlich, löst man so ein Problem?! In Deutschland schon. Denn schließlich gewinnt man durch den höheren Verbrauch ja auch ein paar Mark an Kraftstoffsteuer. Fahrzeuge sind vorzeitig verschliessen – die Hersteller können also wieder verkaufen. Verwerter können weiter verwerten und ein ganzer Kreislauf wird am Leben erhalten.

Doch wie kann man das Problem konstruktiv lösen? Natürlich indem man die Warmlaufphase verkürzt.

Habt ihr euch jemals selbst die Frage gestellt, warum mittlerweile nahezu jedes Fahrzeug in Deutschland eine Klimaanlage, aber keine Standheizung hat?

Wir reden hier von Deutschland. Einem Land, in dem die durchschnittliche Temperatur bei rund 11° liegt. Ganz offensichtlich ist es in Deutschland wohl häufiger kalt als wirklich warm. Ausnahmslos jeder, der keine Garage/Carport besitzt – hasst es sein Auto frei zu kratzen, oder hatte schon mal eine eingefrorene Tür, steht früher auf um sein Auto zu enteisen, lässt es im Stand warm laufen usw.

Und wir reden hier von Klimaanlagen, die mit hoch klimaschädlichen Gasen befüllt werden, für ein deutliches mehr an Kraftstoffverbrauch verantwortlich sind. Dessen Bauteile ein Brutherd für Bakterien sind. Die bei einem Defekt massive Kosten verursacht, die Wartungs- und Verschleißkosten verursacht und an vielleicht 10 Tagen im Jahr wirklich sinnvoll zum Einsatz kommt.

Zu guter Letzt reden wir hier von einer Standheizung, die vor Fahrtbeginn den Kühlkreislauf aufheizt, sodass der Motor nicht bei Außentemperatur beginnt, sondern all seine Effizienz viel früher voll entfalten kann. Die dafür sorgt, dass kein Eiskratzen nötig wäre, da die Heizung bereits voll einsatzfähig ist. Eine elektrische Standheizung, zum Nachrüsten, kostet für den Endkunden 150 € (ohne Einbau) – nicht auszudenken was ein Hersteller dafür bezahlen würde, wenn er so ein Teil in millionenfacher Ausführung bestellen würde… Wovon reden wir da? 20 € ? 50 €? Um ein echtes Problem zu lösen?

Was spricht dagegen? Meiner Meinung nach spricht eine ganze Menge dafür – dennoch rüstete ich in meinem Arbeitsalltag bisher noch nie auch nur eine einzige Standheizung nach..

Schon ein komisches Volk, diese deutschen, stehen da – mit geballter Faust in der Tasche, innerlich zerfressen von Wut und trauen sich selbst nicht über den Weg.

Um auf die Kernfrage zu antworten, ohne mich zu weit aus dem Fenster zu lehnen schlage ich vor, dass der Liter Kraftstoff für alle außerberuflichen Fahrten und außerhalb eines gewissen Kontingentes für Besorgungen und Vergnügen eigentlich viel VIEL teurer sein muss. Denn leider lernt der Mensch nur auf diese Tour, dass er noch Beine hat. Leider schaffen auch immer noch viel zu wenig Menschen sich in der vernetzten Welt zu sinnvollen Fahrgemeinschaften durch zu ringen. So fahren halt weiterhin, jeden Morgen die selben Leute in ihrem Kombi, ihre 10 KM zur Arbeit.

 

Stand der Dinge

Wieder mal eine Woche rum, nach jedem Tief kommt auch wieder ein Hoch.

Heute wollte ich „nur“ mal den Stand der Dinge mitteilen. Viele Projekte laufen bei mir parallel, einige sind in der Testphase – andere habe ich verworfen und viele Neue sind bereits in Arbeit. Aber immer der Reihe nach.

Rückblick

Tinkerdroid – Media Center

Das Tinkerboard, in seiner neuen Funktion, erfüllt alle Erwartungen. Klare Empfehlung!

Wer auf Mystery-Serien steht, dem empfehle ich übrigens Supernatural.

Smartify your Lights

In diesem Beitrag hatte ich euch vorgestellt, wie man mithilfe des Sonoff Basic, eines Installationsrelais und eines Xiaomi Wandtasters eine smarte Beleuchtung realisieren kann. Der Google Home Assistant kann diese Lampe(n) per IFTTT selbstverständlich ebenfalls schalten.

Das Ganze ist nun schon eine Weile in Betrieb und funktioniert tadellos.

Technisch finde ich diese Lösung für einzelne Räume auch sinnvoll – für eine komplette Wohnung/ komplettes Haus würde ich so aber nicht einrichten, denn:

  1. würde für jede Leuchte je 1x Basic und 1x Relais verwendet werden müssen (Kosten ca. 20 €/Schaltung).
  2. hat der Basic keine Möglichkeit korrekt auf einer Hutschiene montiert zu werden und ist für so einen Einsatz auch viel zu klobig.
  3. Je Basic ist auch ein Gerät mehr im Wifi online und verbraucht pro Einheit natürlich auch selbst Strom. Bei 20 Lampen wären das mal eben 20 Wifigeräte und 2x Eigenverbrauch – das ist meiner Meinung nach eher unvorteilhaft.

Alternativ würden sich andere Sonoff Produkte wie z.B. der 4CH viel besser eignen – so hätte man pro vier Schaltungen je nur ein Gerät. Der 4CH lässt sich zudem auch auf einer Hutschiene montieren. Leider kann auch hier nicht mit 230V Schaltern/Tastern gearbeitet werden und das Gerät selbst ist ebenfalls ziemlich groß.

Meiner Meinung nach sollte man hier insgesamt noch etwas abwarten – ich bin mir ziemlich sicher, dass die Chinesen künftig reagieren werden und brauchbare Aktoren mit 230V-Kompatibilität auf den Markt werfen werden.

Die derzeit einzige, gescheite Möglichkeit ist, nach wie vor, ein KNX-Aktor. Diese können nicht nur vollständig mit 230V/16A arbeiten, dank der kompakten Bauform nehmen sie am wenigsten Platz pro Schaltung auf der Hutschiene ein und können in vielen fällen sogar Energie messen.

Google Home Sprachsteuerung

Mittlerweile besitze ich bereits zwei dieser kleinen Helferlein und muss sagen: Top!

Der eine steht, nach wie vor, auf meinem Schreibtisch – von hier aus kann ich nun einige Lampen steuern oder Musik hören.

Durch das „Musik hören“ bin ich erstmal so richtig auf Spotify aufmerksam geworden und bin jetzt sogar ein zahlender Abonnent geworden. Die Möglichkeit sich einfach mal Alles auf Kommando anzuhören ist unheimlich praktisch. Hin und wieder entdeckt man sogar mal neue, gute Musik.

Den Zweiten habe ich in meiner privaten Werkstatt stehen – dort sorgt er ebenfalls für Unterhaltung. Egal ob Musik per Spotify oder Radio – für meinen Bedarf perfekt zugeschnitten.

Mit Klang und Bedienung bin ich sehr zufrieden. Pro Gerät habe ich 25 € (jeweils gebraucht, in neuwertigem Zustand) bezahlt. Meiner Meinung nach absolut zu empfehlen.

Billardtisch

Mit den Arbeiten am Tisch bin ich soweit fertig. Der Tisch wird derzeit komplett neu bezogen (inkl. dem erneuern der Bandengummis und natürlich dem Bezug der Banden). Das Beziehen mache ich nicht selber, sondern lasse es durch einen erfahrenen Spezialisten aus Paderborn durchführen. Die Kosten für die Arbeiten inkl. Material liegen bei ca. 400 €, danach erstahlen Tuch und Banden in völlig neuem, königsblauen Glanz.

Ich denke mal bis Weihnachten wird alles fertig sein, dann gibt’s auch mal ein paar Bilder.

Ausblick

Sonoff POW R2

Für Nachschub in der Sonoff Reihe sorgt der POW R2. Im Vergleich zum Basic verfügt der POW über eine Funktion zur Energiemessung und hat, optional, eine Halterung für eine Hutschiene.

Einen POW habe ich auch bereits hier, geflasht ist er auch schon – es existiert sogar schon ein Beitrag, allerdings habe ich bisher nicht die Zeit gehabt den POW irgendwo gescheit zu montieren und ein wenig Spaß damit zu haben.

ESPEasy und WS2812b LED-Stripe

Ein WS2812b LED-Stripe ist ungefähr das geilste, was man sich an LED-Stripe zulegen kann. Das besondere daran ist, dass jede einzelne LED auf dem Stripe komplett frei angesteuert werden kann. Als Controller kommt, zumindest bei mir, ein ESP-Baustein zum Einsatz.

Ich habe bisher etwas mit meinem NodeMCU, ESPEasy, dem Stripe und Fhem rumgespielt – hat schon richtig Bock gemacht, allerdings war das noch nicht „Blogtauglich“ (vorstellen werde ich es natürlich trotzdem). Weiterhin wollte ich noch eine zweite Möglichkeit ausprobieren – diesmal ohne ESPEasy aber mit Fhem-Modul. Einen Beitrag hätt ich vermutlich auch schon längst geschrieben, allerdings kam wieder was dazwischen, nähmlich der

Smart Mirror

Eigentlich wollte ich mir aus dem WS2812b LED Stripe eine kleine Statusanzeige für Fhem basteln – bei der Suche nach schicken Ideen bin ich dann über einen Smart Mirror gestolpert und habe dann angefangen selbst einen zu bauen.

Das Gute an dem Projekt ist, dass ich die meisten Teile schon da hatte und relativ wenig kaufen musste. Mit dem Bau bin ich auch schon fertig (habe auch fleißig Bilder gemacht) – lediglich ein recht spezielles Kabel lässt noch auf sich warten (mehr dazu dann im Beitrag).

Softwareseitig habe ich mir bis jetzt aber auch noch keine Gedanken gemacht.

Eure Geschichten

Last but not least noch zu meiner Geschichtsstunde. Hier hatte ich über die Kleinanzeigen nach Menschen gesucht, die ihre Geschichte erzählen möchten. Über die Resonanz war ich ziemlich überrascht – hunderte Anfragen und Angebote haben mich erreicht. Schlussendlich konnte ich die Anzahl dann auf zwei reduzieren – wovon sich eine Person gar nicht mehr zurück gemeldet hat.

Die verbleibende Person hat mir auch zugesichert sich für mich zur Verfügung zu stellen – allerdings erst ab ca. Mitte Dezember – so lange gilt es also noch zu warten.

In der Hinsicht bin ich allerdings auch meinen eigenen Freundes- und Bekanntenkreis durchgegangen und wäre an der ein oder anderen Geschichte sehr interessiert. Bisher habe ich die entsprechenden Personen allerdings nicht kontaktiert.

Fazit

Langsam aber sicher geht das Jahr dem Ende zu, bis dahin wollte ich die oben genannten Projekte auch alle abgeschlossen haben, um unbeschwert in das neue Jahr starten zu können.

Für das kommende Jahr und vor Allem den Geburtstag des Tinkerblogs habe ich auch schon ein paar Ideen im Kopf – mal sehen welche davon sich durchsetzt.

Nächste Woche gibt es aber erstmal andere Geburtstage zu feiern und die Arbeit ruft.

Tinker out.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Saints & Sinners

Der Alltag. Grau – eine Monotonie aus dem Nicht-wollen und Abneigung gegen das was man tagein – tagaus sein Leben nennt.

Tristesse. Unzufriedenheit, eine dunkle Leere liegt wie der Schleier eines Brautkleid vor den Augen. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – tiefschwarz, wie die Nacht. Der innere Wolf heult. Sind es doch nur Nuancen, die den Tag vom Abend unterscheiden.

Der Morgen. Ein Kampf gegen sich selbst. Der ewige Schlaf als Erlösung. Der innere Dämon ruht. Wohltuende Stille – ein Traum aus Wahnsinn.

Das Erwachen. All die Hoffnungen und Erwartungen – zerstört – nur durch das Öffnen der Augen. Kann ein Traum wahr werden, oder ist es doch nur eine Illusion, einer besseren Welt?

Verloren. Die Stunden zerren hart am dünn gestrickten Nervenkostüm. Die Gedanken um den Traum dominieren den Tag. Konzentration – nur noch ein wenig…. Bald ist es geschafft. Stunde um Stunde – tagein, tagaus.

Warten. Immer wieder warten. Der innere Dämon trommelt wie wild gegen die Schädeldecke. Die Linie zwischen Wahnsinn und Realität wird immer dünner. Wie nur, kann ich dem Höllenfeuer entgehen?

Fragen. Fragen über Fragen. Was wäre wenn, was ist die Konsequenz? Wie schließt sich der Kreis? Eine kommt, eine geht. Immer im Kreis – Minute für Minute, Stunde für Stunde, Tag für Tag.

Ablenkung. Der Teufel kommt vorbei. Der Dämon wird ruhig. Stille. So schön wie der Sonnenaufgang. Hoffnung. Stille. Leere. Der Ruf nach einem besseren Ort wird laut.

Zuflucht. Die volle Ladung Oxytocin. Alle Parameter sind gleich, doch alles fühlt sich anders an. Schöner, voller Energie. Eine Kraft aus hellem Licht und Blumenduft verdrängt den Dämon. Zeitweilig.

Dunkelheit. Mein alter Freund. Da sind wir wieder – selber Ort, selbe Zeit. Die Kraft wird weniger, der Dämon ruht bereits. Die Augen schwer, der Traum – ein Neuer kommt – voller Kraft für nur den einen Tag.

Allein. Ein neuer Tag bricht an. Wieder ein Traum im Hinterkopf, ein erzwungenes Lachen. Wo bleibt die Hand, die mich aus dieser einsamen Finsternis befreit?! Wird sie jemals kommen? Bin ich selbst die Hand? Der Dämon flüstert.

Hilfe. Es gibt sie nicht. Einige wollen, keiner kann. Ich sehe Hände wie Schatten durch die Dunkelheit gleiten. Doch ehe ich nach einer Hand greifen kann, reißt der Dämon mich zu Boden. Ich stehe wieder auf, versuche es wieder, Minute für Minute, Stunde für Stunde, Tag für Tag.

Wege. Ich kenne sie alle. Auch den Richtigen. Ich kann ihn nicht gehen – der Dämon versperrt Ihn mir. Selbsthass.

Silent Screaming. Endless.

 

 

 

 

Abseits

Beim täglichen stöbern in meinem Lieblings-Kleinanzeigenportal fiel mir  vor einiger Zeit ein Billardtisch auf. Es handelte sich um einen (ziemlich alten) 7ft Kneipentisch, mit Münzeinwurf – für einen äußerst lächerlichen Preis. Wirklich haben wollte ich den Tisch zu der Zeit nicht, daher verschwand er erstmal auf meiner Merkliste.

Einige Wochen später stolperte ich dann eher zufällig wieder über den Tisch, der immer noch auf der Merkliste stand, und war erstaunt, dass der damals schon lächerlich niedrige Preis – nochmal reduziert wurde. Es half alles nichts und ich habe zugeschlagen. Der, sehr nette, Kontakt über das Kleinanzeigenportal lief über eine Verkaufsagentur – diese vermittelte mir einen Termin zur Abholung.

Wenige Tage später fuhr ich dann, mit drei kräftigen Helfern, in einen eher leblosen Nachbarort. Der Treffpunkt war eine alte Gaststätte, die, wie der äußere Eindruck vermuten ließ, schon vor langer Zeit ihre Türen für immer geschlossen hatte.

Da meine kräftigen Helfer und ich viel zu früh vor Ort waren, blieb viel Zeit für Fachsimpelei: Die klassische Dorfkneipe, eigentlich super Lage, trinkfeste Dorfgemeinschaft, Nichtrauchergesetz, hohe Preise, ich saufe lieber Zuhause.. Gründe, warum eine Gaststätte in der heutigen Zeit „dicht“ macht gibt es wahrlich viele – dennoch ist es immer wieder schade zu sehen, dass alt-eingesessene Läden den Anschluss irgendwann verpassen und aus dem, in diesem Fall, Dorfbild für immer verschwinden.

Zur vereinbarten Zeit traf dann die ehemalige Wirtin der Gaststätte ein und öffnete uns die Türen. Unmittelbar nach dem Öffnen der Türen stach einem dieser herrlich gemütliche Geruch von altem Bier in die Nase, wie man ihn nur aus einer alten Gaststätte kennt.. Nach dem Eintreten wurde der Geruch allerdings etwas moderig – was wohl an den massiven Feuchtigkeitsschäden am Gebäude festgemacht werden konnte.

Am verbliebenen Interieur merkte man schnell, dass der Betrieb wohl schon länger eingestellt wurde und wahrscheinlich zeichnete sich eben dieses Ende auch schon einige Jahre vor Ladenschluss schon ab. Veraltetes und zerschlissendes Mobiliar,  die Gestaltung der Wände, Böden und Decken – aller Wahrscheinlichkeit nach, wurde an diesen Stellen seit der Eröffnung in den Sechzigern nicht mehr viel verändert.

Der Billardtisch stand in einem gesonderten Bereich, angrenzend an den einstigen Festsaal, voll gepackt mit altem Geschirr. Einer der kräftigen Helfer, die ehemalige Wirtin und ich räumten den Tisch frei, dabei konnte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen und habe einige Fragen zur Vergangenheit gestellt.

Die Gaststätte wurde von ihr und ihrem Mann über knapp 50 Jahre lang geführt. Vor einiger Zeit wurde der Mann dann leider schwer krank und verstarb schlussendlich. Die Wirtin allein konnte und wollte den Laden nicht alleine weiterführen, auch das Alter spielt dabei eine Rolle – die Kinder hatten kein Interesse das Geschäft zu übernehmen und so wurde die Gaststätte dann Anfang 2017 geschlossen. Seit dem versucht die Wirtin die Reste, wie z.B. das Inventar, noch irgendwie an den Mann zu bringen.

Unter Berücksichtung aller Umstände, die ich in meinen knapp 10 Minuten vor Ort gewonnen hatte, konnte ich die Entscheidung der Kinder gut nachvollziehen. Der Investitionsrückstau ist einfach zu groß um hier auch nur annähernd von einer „soliden Basis“ oder gar einem „gesunden Betrieb“ sprechen zu können. Allein der Ort, ohne nennenswerten Zuwachs in den letzen 20 Jahren, verspricht keine Goldgrube.

Aber sei es drum. Ich war schließlich nicht da, um einen Betrieb zu übernehmen, sondern einen kleinen persönlichen Traum zu erfüllen – sondern um einen schönen, alten Kneipentisch abzuholen.

Das besondere an diesem Tisch ist natürlich nicht unbedingt das Alter – sondern seine Spielfläche. Billardtische in Gaststätten oder Spielhallen sind zu großer Wahrscheinlichkeit qualitativ hochwertig und besitzen eine Spielfläche mit Schieferplatte. Leider hat so eine Schieferplatte den Nachteil, dass der sowieso schon sehr schwere Tisch, im wahrsten Sinne des Wortes, „untragbar“ wird.

Vor Ort wollte und konnte ich den Tisch nicht demontieren – also mussten wir das ca. 350 Kg schwere Ungetüm an einem Stück und mithilfe von Rollbrettern aus der alten Gaststätte  in meinen Anhänger befördern. Abgesehen von einer kleinen Unannehmlichkeit an einer Glasscheibe verlief das Ganze, unter massivem Krafteinsatz, relativ problemlos. Einer der kräftigen Helfer erwarb noch die Musikanlage aus der alten Gaststätte und nachdem alles eingepackt war, machten wir uns auf den Weg nach Hause.

Das Ausladen verlief hier, wir sehen wiederholt von einer Unannehmlichkeit mit einer Glasscheibe ab, ebenfalls problemlos. Meine kräftigen Helfer verließen unter tosendem Applaus die Bühne und der Tisch und ich hatten Zeit uns etwas kennen zu lernen.

Ein Schild des Herstellers war leider nicht mehr zu finden, lediglich ein Aufkleber des Aufstellers war am Tisch angebracht. Die vierstellige Postleitzahl darauf verriet, dass der Tisch auf jeden Fall vor dem Jahr 1993 aufgestellt wurde. Einige Recherchen brachten aber auch keine echte Klarheit über das genaue Alter oder den Hersteller. Auf der Rückseite des Münzprüfers jedenfalls ist eine „92“ eingeprägt – höchst wahrscheinlich das Baujahr. Der Aufsteller, zum Glück noch am Markt, arbeitet laut eigenen Aussagen seit 30 Jahren nur mit der Firma Leonhart zusammen. Es könnte sich also um einem Tisch aus dem Hause Leonhart von 1992 handeln – oder auch nicht.

Über die Jahre hat der Tisch diverse Gebrauchsspuren angesammelt und kleinere Beschädigungen sind ebenfalls vorhanden. Zu gern würde ich den Tisch zu seiner Vergangenheit befragen: Das beste Spiel oder gar wie viele Leute sich auf ihm wohl vergnügt haben?! Ich bin mir sicher, dass der Tisch einiges zu erzählen hätte..

Derzeit arbeite ich den Tisch wieder auf. Ohne echte Bezugsquelle für Ersatzteile ist das gar nicht mal so leicht zu bewerkstelligen – aber bisher habe ich tatsächlich alles bekommen. Es ist zwar noch viel zu tun, aber abseits vom Smart-Home und 0-8-15 Job-Alltag ist es auch mal wieder schön zu schleifen, reinigen, lackieren und improvisieren. Ich freu mich schon richtig auf das Endergebnis und viel mehr auf das erste Spiel. Auf dass der Tisch ein zweites Leben erhalten wird und definitiv bis zu meinem Ableben in meinem Besitz bleibt 🙂

PS: Ein(e) erste(r) Kandidat(in), die/der mir ihre Geschichte erzählen möchte ist gefunden. Aus gesundheitlichen Gründen habe ich es noch nicht geschafft mich persönlich mit ihm/ihr zu treffen – aber die ersten Eindrücke waren sehr vielversprechend.

PPS: Die Tage erwarte ich übrigens wieder Post – aus Fernost. Damit mir hier niemand denkt, ich würde mein Kernthema vernachlässigen 😉

 

 

Asche zu Asche

Neulich habe ich meinen Großvater auf dem Friedhof besucht..

Mein Großvater und ich standen uns zu seinen Lebzeiten nicht sonderlich nah, abgesehen von obligatorischen Geburtstagen und sonstigen langweiligen Familiengezwungenheiten, haben uns die Wege nur äußerst selten zusammengeführt. Wirklich vermisst habe ich meinen Großvater seit seinem Tod nicht. Wie auch, hat er doch nie eine Rolle in meinem Leben gespielt..

Das Grab meines Großvaters, ein Urnengrab, sah erstaunlich verwahrlost aus. Das Jahr des Todes auf der Grabplatte war mit Blumenerde bedeckt, an der Grablaterne fehlt ein Glas – die Kerze darin war vor Monaten erloschen.. Die Bepflanzung – wohl eher Geschmackssache.. Zwei schmutzige, kleine Engel zieren die, zu allem Überfluss, abgesackte Grabplatte.. Alles in Allem – ein trauriger Anblick eines Andenken, an einen geliebten Menschen.. Kurz dachte ich darüber nach, wer meinem Großvater überhaupt sehr nah stand.. Einige Sekunden später hoffte ich, dass mein eigenes Grab hoffentlich nie so aussehen wird…

Als ich mich, auf der Suche nach einer Gießkanne, auf dem Friedhof weiter umgesehen hatte, fiel mir eine Reihe merkwürdiger Gräber auf.  Über einem davon schwebte ein Helium-Luftballon mit einer riesigen „3“, rechts daneben stand auf einem Grab – Lightning McQueen.

Je näher ich diesen Gräbern kam, desto klarer wurden die Daten auf den Steinen und Kreuzen – das waren alles Gräber von Kindern. Kleine Menschen, die zu einem großen Teil kaum ihren ersten Geburtstag erleben durften. Ein bizarrer Anblick.

Ich stand vor diesen Gräbern und dachte kurz über mein eigenes Leben nach; Das Grab meines Großvaters habe ich seit seiner Beerdigung 2008 nicht mehr besucht. Zehn Jahre sind seitdem Vergangen. Zehn Jahre – in denen ich viel erlebt habe und auch selbst Zeit mit meinen eigenen Kindern verbringen durfte.. Doch in diesem Moment kamen mir diese zehn Jahre wie weggeworfen vor.. Ich bin mir sicher, dass die Eltern der verstorbenen Kinder absolut alles dafür geben würden, auch nur einen einzigen Tag mit ihrem Kind verbringen zu dürfen..

Wie groß muss der Schmerz von Eltern sein, die am Grab ihres eigenen Kindes stehen?!

Ich hab ungewöhnlich lang gebraucht und viel Bier trinken müssen, bis die Gedanken um die toten Kinder meinen Kopf nicht mehr dominiert haben.

An dieser Stelle möchte ich allen Eltern, die, aus welchen Gründen auch immer, ihr Kind derart früh verloren haben, mein herzliches Beileid aussprechen. Ich bin mir sicher, dass euch Niemand, jemals den Schmerz nehmen kann.

 

Ich habe mir vorgenommen, dass ich in Zukunft Menschen treffen werde, die ähnliches erlebt haben und gern darüber sprechen möchten. In einer Welt, in der digitale Netzwerke die Kommunikation übernehmen – kommt der Mensch an irgendeiner Stelle zu kurz. Als Konversion zu dem bekannten Themengebiet, werde ich über diese Menschen berichten und ihre Geschichte erzählen.

Den Moralapostel will ich an dieser Stelle zwar ungern spielen, aber wenn euch mal langweilig ist – dann besucht doch einfach mal einen Friedhof und lasst das Gesehene auf euch wirken.

Aktuelle Themen, die keiner mehr hören kann…

Seit etwa drei Jahren ärgern uns Medien und Politik tagein, tagaus mit der selben Scheiße: „Wir überblenden mal, dass wir in jeder anderer Hinsicht komplett unfähig sind, damit, dass wir heute mal über Dieselmotoren mosern.“

Der Witz vorab: Wir hören uns stets die selbe Leier an, weil Fahrzeuge deutscher Hersteller in den USA die Abgasgrenzwerte nicht einhalten.

In den USA ist man übrigens sehr bemüht stets aus jedem Klimaabkommen aus zu steigen oder sich an deren Verhandlungen gar nicht erst zu beteiligen.

Rückblick: Als ein Tsunami die japanische Küste traf und einen Super-GAU verursachte, musste in Deutschland umgehend die Energiewende eingeleitet werden. Von heute auf morgen waren die sowieso schon bösen AKWs ein absolutes No-Go und zur Krönung des Wahns haben sich die Einwohner von Baden-Württemberg dazu hinreißen lassen, die Grünen zu wählen. OMFG!

Ausgerechnet in Deutschland, wo es jährlich vor heftigen Naturkatastrophen nur so wimmelt… Wer erinnert sich nicht an den verheerenden Hurrikan, der vor wenigen Jahren das halbe Land zerstört hat?! Noch heute betrauern tausende von Menschen den Verlust von vier Dachpfannen. In Reaktion auf eine Naturkatastrophe am anderen Ende der Welt, wählt man hier – GRÜNE – Butterfly Effect?!

Wie kam es überhaupt zu dem Dieselskandal?

Die Kurzfassung für dieser Geschichte ist schnell erzählt: Der Gesetzgeber macht Vorgaben für Abgasgrenzwerte in immer kürzeren Etappen und die Automobilindustrie kommt technisch nicht hinterher. Die Automobilindustrie, natürlich nicht dumm – manipuliert schlicht die Motorsteuergeräte, schon passt alles wieder.

In kleinerem Maßstab ist das sicherlich vielen schon mal passiert: Man fährt zur Hauptuntersuchung und die Messsonde bei der Abgasuntersuchung landet aus versehen im falschen Endrohr – ärgerlich. Aber bestanden ist bestanden, also wird weitergefahren.

Bei den Herstellern lief leider irgendwo ne Petze rum – irgendwer hat die Lunte gerochen und schon war es ein handfester Skandal. Einer, der eine ganze Legislaturperiode beschäftigen wird.

Die Folgen

Vom Image-Schaden der Hersteller mal ganz abgesehen haben sich die betroffenen Hersteller bemüht den Karren einigermaßen sauber aus dem Dreck zu ziehen (mir fiel erst später auf wie treffend diese Redewendung ist). Softwareupdates, noch nen Filter, hier ein wenig, da ein bisschen. Im Prinzip die selbe Augenwischerei, die seit vielen Jahren betrieben wird – Hauptsache an zentraler Stelle wird das Maul gehalten. Euro 2, 3, 4 – alles der selbe Humbug. Euro 5 ist nun der Buhmann.

Leider hat das Image der Dieselfahrzeuge darunter weit mehr gelitten, als das Image der Hersteller. Die Verkaufszahlen sind massiv Rückläufig – sowohl für Neu- als auch Gebrauchtfahrzeuge. Mich persönlich betrifft das nicht, aber viele meiner Kunden sicherlich schon.

Warum das Ganze? Weil Autos, die in den USA die Abgasgrenzwerte nicht einhalten in Deutschland für Fahrverbote sorgen könnten. In der EU oder in Deutschland sind diese Fahrzeuge nämlich plötzlich auch viel schlechter als vor dem Skandal. Ein Euro 5 Diesel? Ihgitt, bleib mir mit dieser Feinstaubschleuder vom Leib..

Die mit Abstand schlimmste Folge ist aber noch gar nicht beleuchtet worden, denn schließlich steht die Politik geschlossen hinter dem Skandal – vergisst nebenbei aber vollkommen, dass es ja auch noch andere Themen gibt die vielleicht sogar viel wichtiger sind?!

Ironie

Während nämlich alle schön über den Euro 5 Diesel schimpfen, können Vermieter immer noch zu überhöhten Preisen ihre mit Nachtspeicherheizung beheizte Wohnung auf dem Markt anbieten. Fenster austauschen, Fassenden und Dächer isolieren? Wozu das fordern? Es ist doch völlig in Ordnung wenn reiche Immobilienbesitzer noch mehr einnehmen können und Leiharbeiter nur noch für Miete und Heizkosten aufstehen.. Immer mit der Angst vor der nächsten Nebenkostenabrechnung wohl bemerkt.. Ach verdammt, die Mietpreisbremse habe ich glatt vergessen…

An Stelle der Politik würde ich aber wahrscheinlich auch nicht davon ausgehen, dass Wohnungen und Häuser mit ihren Heizungen vermutlich wesentlich mehr zur Verunreinigung der Luft beitragen, als eine Gruppe von Autos..

Schimmel in Wohnräumen – ein seit vielen Jahren bekanntes Problem – in höchstem Maße gesundheitsgefährdend, aber lüftet ihr mal lieber richtig – denn auf die Politik zu hoffen wäre angesichts der massiven Probleme mit Euro 5 Diesel-Fahrzeugen auch wirklich zu viel des Guten. Die treffen sich lieber zum Dieselgipfel und kümmern sich um die echten Probleme in diesem Land.

Förderung von Wohneigentum? Ja okay – ein bisschen Baukindergeld kann man ja mal machen.. Aber lieber helfen wir der Automobilindustrie mit einem neuen Skandal aus, um die Verkaufszahlen für neue, SAUBERE Fahrzeuge nach oben zu kurbeln. Ehrlich gesagt habe ich mich mit dem Baukindergeld noch gar nicht beschäftigt – für gewöhnlich wird es aber irgendwo wieder einen Haken geben – es gibt in Deutschland eben nichts geschenkt.

Digitalisierung

Neben dem ganzen Feinstaubgelaber gibt es ein Thema, das, vor allem aus Unwissenheit, bei der Bevölkerung dieses schönen Landes überhaupt gar keine Rolle spielt.

Ein bisschen hat das ja auch was mit dem Blog zu tun, denn während ich meine Beleuchtung zuhause bequem per Google Assistant schalten kann, sind die meisten deutschen Behörden immer noch nicht in der Lage eine E-Mail als verifizierten Behörden(vor)gang anzuerkennen.. Stellt euch vor – E-Mails werden dort ausgedruckt und dann bearbeitet (LOL!).

Irgendwie ja auch logisch, denn in einem Land, wo der Glasfaser-/Breitband-ausbau dermaßen schlecht organisiert ist, dass die meisten Behörden vermutlich noch nicht einmal an das Internet angeschlossen sind – macht es auch wenig Sinn über Digitalisierung zu reden.

5G? Sowas braucht man in Deutschland nicht so schnell. Gibt ja noch nicht einmal flächendeckendes 3G – wozu dann voreilig werden? Solang die Rundfunkagentur flächendeckend Beiträge einziehen kann, ist erstmal alles in Ordnung..

Rundfunk… ein Wort das ich genau so gern höre wie Cyberkriminalität. Ein totales Armutszeugnis der Politik, die es seit vielen Jahren verpennt hat den Staat angemessen dem Stand der Technik anzupassen.

Spielt ja auch alles sowieso keine Rolle, solang die Feinstaubbelastung in Stuttgart und Düsseldorf dermaßen hoch ist, darf es im Rest des Landes auch keine anderen Probleme geben.

Tut euch selbst den Gefallen und lest einmal das Schwarzbuch vom Bund der Steuerzahler, zum Thema Digitalisierung. Irgendwo steht dort, dass eine Amtsstelle in Berlin tatsächlich noch eine Verwaltungssoftware nutzt, die Wort 97 als Background benötigt. 97!

Hambacher Forst

Derzeit befinden wir uns also (mal wieder) im Wandel. Autos müssen sauberer werden und Energie sollte sauber UND erneuerbar sein.

Die, für jedermann, logische Konsequenz einer handlungsfähigen Regierung wäre ja: Ok liebes Volk, saniert eure Buden, pflastert eure Dächer mit Solarzellen, baut euch ne Windmühle in Garten, lasst mal gucken wo wir Wasserkraftwerke bauen können, nutzt Regenwasser, nutzt Biomasse – tut was ihr könnt. Der Staat packt kompromisslos nen paar Mark dabei und/oder stellt zinsgünstige Kredite bereit – fertig.

Dennoch wird seitens der Politik tatsächlich diese offensichtliche Heuchelei rund die Abholzung des Hambacher Forst betrieben. Während auf einer Seite so gut wie keine Förderung für Privatleute und erneuerbare Energien betrieben wird, wird auf der anderen Seite alles dafür getan, den Braunkohle-Abbau zu fördern.

Nochmal zusammengefasst: Weil in Japan ein Tsunami einen GAU ausgelöst hat, sollen in Deutschland langfristig nur noch erneuerbare Energien benutzt werden. Marode AKW werden abgeschaltet und tatsächlich soll es in Ordnung sein ein großes Waldstück abzuschlachten, um Braunkohle zu fördern, die anschließend verbrannt wird, während beinah zeitgleich die staatliche Förderung für Solaranlagen entfällt.

Ich hoffe ihr seid an dieser Stelle genau so verwirrt wie ich?!

Der Hambacher Forst wird seit Jahren (!!) in einem Kampf durch einen winzigen Teil der Bevölkerung vor der Rodung durch den Energiekonzern RWE beschützt – plötzlich können 3500 Polizisten vorbei kommen und die Querulanten vertreiben – damit im Endeffekt die Luft verschmutzt wird…

Die selben Polizisten können die rechten Demos im Osten übrigens nicht absichern.. Hauptsache der Großkonzern bekommt das was er braucht.

Das Ende

Den selben Willen hat auch die Autoindustrie bekommen. Während knallharte Forderungen der Politik wie Sand im Glas der Zeit verlaufen sind, ist das Resultat wie folgt: Die Hersteller müssen gar nichts nachbessern. Gern dürfen Kunden den schäbigen Euro 5 Diesel für nen paar Euro dorthin bringen und gegen einen sauberen Euro 6 Diesel eintauschen – gegen großzügige Rabatte seitens der Hersteller versteht sich… Unter dem Strich passiert also – nichts, außer das Zeit verschwendet wurde.

Der Skandal kommt – der Skandal geht. Was bleibt ist ein Land, in dem sich die Menschen weiterhin durch den Mythos von schlechter Luft das hart verdiente Geld aus der Tasche ziehen lassen und brav Zuhause am Fliesentisch sitzen.

Der, von der Polizei geräumte, Hambacher Forst wir per Eilbeschluss eines Gerichts vorübergehend nicht gerodet – vermutlich wird erstmal abgewartet bis der nächste Skandal kommt und die Rodung geräuschärmer von statten gehen kann.

Schnelles Internet, eine Behörde die E-Mails empfangen kann – oder gar ein verschärftes Mietrecht wird es auch weiterhin nicht geben. Die Reichen werden, mit freundlicher Hilfe der Regierung, reicher, die Armen, mit freundlicher Hilfe der Regierung, ärmer.

Alles wie immer – also kein Grund zur Sorge. Die Rechten kommen schon irgendwann und plötzlich fragt sich der Mensch am Fliesentisch – wie konnte das bloß passieren?!