Recalbox 18.04.20

Intro

Nach meinen Retro Gaming Anfängen so um 2015 herum, war ich mit Retro Pie nicht ganz zufrieden. Erstmal hat mich das Handling mit den Controllern nicht überzeugt – und das man für vieles auch noch die Tastatur braucht geht meiner Meinung nach gar nicht.

Bei meiner Suche nach Alternativen bin ich dann auf Recalbox gestoßen. Hier war das Handling mit den Controllern (insbesondere meiner vier Xbox 360 Wireless Controller) deutlich verbessert. Auch die Möglichkeit direkt aus dem Menü Kodi zu starten fand ich super. Retro Pie bietet diese Möglichkeit zwar auch an, die Installation ist aber recht umständlich.

Generell fand ich Recalbox nach den ersten paar Stunden ziemlich geil und bin lang dabei geblieben.

Aus einer Laune heraus wollte ich dann mal Mario Party 2/3 zocken und musste feststellen, dass Recalbox bzw. der N64 Emulator zu jener Zeit nicht das passende Grafik-Plugin parat hatte. Das war sehr ärgerlich, so bin ich dann schlussendlich doch wieder bei Retro Pie gelandet. Offenbar ist die Community um Retro Pie doch bemühter, als die seitens Recalbox.

Damals wurde von der Recalbox Community versprochen, das fehlende Plugin mit Version 4.1 zu implementieren. Die Version ließ sehr lange auf sich warten, länger als ich gewillt war auf Mario Party zu verzichten 😀

Mitte 2018 wage ich mal wieder einen Blick in die neue Recalbox Version, erstens aus Neugier und zweitens, weil das Controller Handling unter Retro Pie immer noch dürftig ist und drittens, weil der Retro Pie – Raspi bei meinen Kids irgendwie nicht so gut ankommt, wie seinerzeit der Recalbox Raspi.

Inhalt

Recalbox 18.04.20

Offenbar hat die Recalbox Community die Bezeichnung ihrer Versionen geändert. Während ich zuletzt irgendwas um die 4.x hatte, lautet die aktuelle Bezeichnung 18.04.20 – ich bin gespannt.

Nachtrag 09.05.2018: Die neuen Versionsnummern gibt es ab der der Version 4.1. Ja, richtig, dass war die, auf die man so lang hat warten müssen. Seitdem scheint sich innerhalb der Community  was getan zu haben. Neue Versionen erscheinen seither wesentlich häufiger.

Zuerst habe ich das Image geladen, per Etcher auf meine SD-Karte gepackt und dann voller Vorfreude den Raspi angeworfen.

Anders wie bei Retro Pie, wo beim ersten Systemstart alle Dienste sichtbar geladen werden, erscheint bei Recalbox eine Zeit lang nur

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ich nehme mal an, dass das System hier alles einrichtet. Nach der selbständigen Einrichtung (ich hatte nur eine Tastatur angeschlossen und keinen Controller) – erschien dann die Emulationstation – mit neuem Gesicht

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Alles völlig neu – sieht schon sehr gut aus. Bevor aber der Mario Party 3 Test starten kann, muss erstmal die Netzwerkverbindung hergestellt werden. Angenehmer Weise wurde die Tastatur ohne eigenes Zutun eingerichtet – somit kann man leicht navigieren.

  • Enter -> Start
  • A -> A Button, zum Bestätigen
  • S -> B Button, zum Verlassen
  • Navigation -> Pfeiltasten

Nun aber zum Netzwerk, dazu erstmal Start gedrückt und zu den Network Settings navigiert

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Hier kann man, dann die Verbindung zu seinem Wifi herstellen, dazu muss Wireless Network auch erst eingeschaltet werden

Als nächstes kann man tatsächlich sogar die Sprache anpassen. Dazu navigiert man auf „System Settings“ und wählt unter „Language“ die gewünschte Sprache aus. Nach einem Neustart, den das System selbst durchführt – erstrahlt das Menü in feinstem deutsch

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wenn das mal kein riesiger Pluspunkt ist, dann weiß ich es auch nicht.

Im Gegensatz zu Retro Pie, hat Recalbox seit geraumer Zeit ein Webinterface für sein System eingerichtet. Man kann also über die Eingabe der IP-Adresse seiner Recalbox im Browser eine schicke Weboberfläche aufrufen und die Box verwalten

recalboxweb.png

In dem Menü auf der linken Seite hat man auch die Gelegenheit – Roms hochzuladen. Für den Mario Party 3 Test ist dieser Schritt natürlich unerlässlich. Also klickt man auf „Roms“ und wählt dann rechts den Ordner „Nintendo 64“ aus

recalboxwebrom64

Um ein Rom-File zu bearbeiten muss Emulationstation gestoppt werden, nach dem Hochladen eines neuen Rom-Files muss Emulationstation neugestartet werden. Für beide Fälle sind entsprechende Buttons implementiert – sehr praktisch und ein weiterer Pluspunkt von mir. Jetzt lade ich mal das Rom-File für Mario Party 3 hoch.

Anmerkung: Ich besitze das Spiel auch als Original für den N64.

recalboxweb2

Wie man sieht wurde das Rom-File erfolgreich übertragen. Dazu war nichts weiter zu tun, als auf „Roms hochladen“ zu klicken und die Datei von ihrem Speicherort auszuwählen. Das ist sehr einfach. Danach noch ein Klick auf den gelben „ES neustarten“ Button.

Selbstverständlich kann man, analog zu Retro Pie, auch im Netzwerk nach „RECALBOX“ suchen und die Roms über die Freigabe einfügen.

freigabe

Die Readme Datei in dem Ordner erzählt  einem auch welche Rom-Files akzeptiert werden. Ich habe über das Webinterface eben ein .zip hochgeladen – das Readme hat mich nun eines Besseren belehrt. N64 Roms müssen entpackt werden, dürfen also nur .n64 Dateien sein. Über die normale Freigabe im Netzwerk kann man Emulationstation dann leider nicht komfortabel neustarten, dafür muss dann das Webinterface, der Controller oder die Tastatur an der Box benutzt werden.

So far – so good

freigabe2

Wer größere Datenmengen auf seine Recalbox schieben will, der sollte dafür zwingend ein Lan-Kabel anschließen. Auch für das Scrapen großer Rom-Collections sollte man das machen.

Emulationstation wird dann also wieder gestartet und stellt den N64 als Konsole bereit.

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Nettes Gimmick: viele technische Daten zur Konsole werden angezeigt.

Ich habe noch kurz den Scraper angeworfen und nur N64 aktualisiert. Dabei ist mir aufgefallen, dass der TheGamesDB Server offenbar offline ist. Recalbox schlägt in der Voreinstellung allerdings direkt einen anderen Server namens „ScreenScraper“ vor – dieser funktioniert einwandfrei.

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Vor dem finalen Test habe ich mich doch noch dazu entschieden den Controller anzuschließen.

Das kann man alles komfortabel im laufenden Betrieb erledigen. Wireless Receiver anstecken – Controller einschalten, dieser wird direkt erkannt und kann benutzt werden. Nun kann man im Menü unter „Controller Einstellungen“ -> „Controller konfigurieren“ noch die Tasten korrekt belegen (wie bei Retro Pie auch). Im Gegensatz zu Retro Pie, wird bei Recalbox allerdings ein Hot-Button vergeben (darum sollte der Controller auch vor dem Einsatz immer konfiguriert werden). Dieser dient in Kombination mit der Start-Taste dazu, einen Emulator zu verlassen.

Direkt in den Controller Einstellungen kann man zudem auch noch die Reihenfolge der Controller festlegen

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Nun steht dem Test fast nichts mehr im Wege. Man navigiert also zum Nintendo 64 und startet das Spiel.

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Mario Party  3

Das Problem bei Mario Party 2 & 3 war oder ist bisher, dass das Spielfeld nicht korrekt dargestellt wurde. Wer das spiel kennt, weiß um die Wichtigkeit des Spielfeldes. Des Weitern sind die Charaktere auch während des Würfelns plötzlich unsichtbar geworden und haben sich dann ebenso wenig sichtbar über das Spielfeld bewegt. Lange habe ich mich mit dem Problem beschäftigt, im Recalbox-Forum gar meine Hilfe angeboten – nichts geschah.

Ursache des Problems ist das Grafik-Plugin des Emulators. Unter Linux gibt es eigentlich nur einen brauchbaren N64 Emulator – das ist Mupen64plus. Damit dieser die Spiele darstellen kann, braucht er Grafik-Plugins. Zur korrekten Darstellung von Mario Party das sog. GlideN64 2.0. Scheinbar scheint die Einbindung dieser Version bei der ARM-Version ein Problem zu sein, denn leider funktioniert fast bei keinem Image das Spiel mit dem GlideN64 Plugin (auf normalen x86 Systemen läuft Mupen64plus mit dem GlideN64 2.0 seit knapp 2 Jahren übrigens super).

Nachtrag 09.05.2018: Ich habe mir in der Zwischenzeit mal die Changelogs von Recalbox angesehen. Daraus geht hervor, dass tatsächlich jemand das GlideN64 Plugin auf die Version 2.0 geupdatet hat. Die Preisfrage ist nur – warum läuft es auf einem x86 System mit diesem Plugin und auf dem Raspberry nicht?!

Die meisten anderen Plugins, wie z.B. Rice, waren dazu auch nicht in der Lage. Daher war es bisher bei Recalbox eigentlich immer ein warten auf das nächste Update.

Wie im Intro schon beschrieben hatte ich das Warten irgendwann satt und bin wieder auf das Retro Pie Image gewechselt (dort funktioniert es übrigens).

Neue Version, neues Glück.

Tatsächlich habe ich meine funktionierendes Retro Pie Image samt aller fertig gescrapter Rom-Collections einfach so von der Karte geworfen und Recalbox installiert – ohne dabei einen Blick auf die Neuerungen des Recalbox Releases geworden zu haben. Egal.

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Neue Optionen, neues Glück?!

Vor dem Start des Spiels habe ich mit Select die Optionen aufgerufen. Dort kann man auf den Eintrag Metadata wechseln und hat einige Optionen zur Auswahl.

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Unter anderen kann man, wie in den Vorgängerversionen auch, den Emulator und das Grafik-Plugin (Core) frei wählen.

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Unter Emulator und den jeweiligen Cores hat man die Auswahl zwischen

  • Mupen64plus
    • Rice
    • GlideN64
    • N64
    • Default
  • Libretro
    • Default
    • GlupeN64

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Rückschläge

Zuerst habe ich Mupen64plus und GlideN64 probiert. Vielleicht hatte sich ja jemand durchgeboxt und das Plugin aktualisiert? Leider nein -> Spielfeld nicht korrekt. Die anderen Plugins sind teilweise sehr lange nicht mehr aktualisiert worden, daher ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass damit irgendwas vernünftiges zustande kommt. Probiert habe ich sie dennoch alle und alle mit dem selben, negativen Resultat.

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Hoffnung

GlupeN64 war mir bis dato ziemlich unbekannt, daher fiel meine nächste Wahl darauf – da es alle anderen nicht gebracht haben, musste einfach was mal was Neues her..

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Groß war meine Hoffnung nicht, aber seht selbst

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Ich würde sagen: Volltreffer. Das Spielfeld wird einwandfrei dargestellt und die Figuren bewegen sich, als ob man auf der Konsole spielt – ein Traum ist wahr geworden 😉

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Fazit

Und mit dieser Bomben-Sensation möchte ich euch das aktuelle Recalbox-Release ans Herz legen. Es sieht nicht nur wesentlich besser aus als Retro Pie, es macht auch definitiv mehr den Eindruck eine richtige Retro Gaming Station sein zu wollen. Der Verzicht der Recalbox-Macher auf den klobigen Raspbian-Unterbau lässt das ganze System sehr stimmig wirken.

Von mir, nicht nur wegen des Grafik-Plugin für den N64, beide Daumen hoch. Ich werde Recalbox nun weiter nutzen, vielleicht hält die neue Version noch ein paar interessante Neuerungen für mich parat. Ich werde bestimmt an dieser Stelle darüber berichten.

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Dreamcast-Emulator

Bisher war ich der Meinung, dass der Pi Probleme mit der Emulation von Dreamcast-Spielen bekommen könnte – hier ich zeige ich euch, dass das nicht der Fall sein muss.

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Bios

Um den Emulator unter Recalbox nutzen zu können reicht es leider nicht ein Rom-File in den Ordner zu schieben – Recalbox benötigt ein Bios-File um den Emulator zu starten.

Navigiert man in die Freigagabe „RECALBOX -> Share -> bios“ findet man wieder ein Readme. Darin findet man nähere Angaben zu den Emulatoren, die ein Bios benötigen und welche Voraussetzung es erfüllen muss. Zum Dreamcast steht dort folgendes:

– DREAMCAST :
e10c53c2f8b90bab96ead2d368858623 dc_boot.bin
d6e11a23f1fa01cddb5dfccf7e4cc8d7 dc_flash.bin

Die lange Ziffern- und Buchstabenfolge ist ein MD5-Hash, das ist sozusagen die DNS der Datei. Nur wenn die MD5-Hashes übereinstimmen, ist gewährleistet, dass der Emulator auch funktioniert.

Bei den Bios-Files für Emulatoren verhält es sich rechtlich vermutlich genau so wie mit den Roms. Ich besitze allerdings tatsächlich noch einen Dreamcast und das jeweilige original Spiel, zu den Rom-Files. Meine Bios-Files und Roms sind selbstverständlich Sicherheitskopien.

Wer trotz meiner Warnung irgendwo ein Bios-File findet, der kann die MD5-Checksumme mit einem Programm wie Winmd5 überprüfen. Erfahrungsgemäß ist es sehr schwer die selben Dateien zu finden. Wenn man die Files aus zuverlässiger Quelle hat, der Hash aber nicht übereinstimmt, sollte man es einfach ausprobieren.

Die beiden Dateien „dc_boot.bin“ und „dc_flash.bin“ werden einfach in den Ordner „bios“ auf der Recalbox Freigabe kopiert. Es ist nicht nötig das System, oder Emulationstation im Anschluß neu zu starten

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Roms

In den Ordner „RECALBOX -> share -> roms -> Dreamcast“ kann man nun seine Rom-Files einfügen. Ich benutze Sonic Adventure 1 & 2. Das Dateiformat, wie im Readme aufgeführt, ist .cdi.

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Spaß

Nach einem Neustart von Emulationstation steht der Emulator bereit, jetzt noch eben scrapen – damit auch alles schön aussieht

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Weiter geht es mit dem Test, dazu einfach mal ein Spiel starten.

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Der Emulator will jetzt erstmal Datum und Uhrzeit wissen. Unsinnigerweise ist Sprache auf französisch voreingestellt. Dann kann man die Bildwiederholrate auswählen (50/60) – und schon geht’s los. Diesen Vorgang kennt man von Dreamcast und ist nichts ungewöhnliches.

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In den Optionen kann man die Spracheinstellungen vornehmen. Wenn man die Einstellungen der Wiederholrate am Anfang nicht vorgenommen hat, kann man das ebenfalls im Menü erledigen. Ich habe den 60 Hz Modus ausgewählt.

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Fazit

Ich habe mal das erste Level gespielt und muss sagen – es ist tatsächlich ohne Einschränkungen spielbar. Man merkt zwar, dass es nicht zu 100 % so läuft, wie auf der Konsole, aber ich würde dem Emulator 95 % bescheinigen. Wenn man bedenkt in welcher Geschwindigkeit, bei gleichzeitig vielen grafischen Details und verhältnismäßig hoher Auflösung, Sonic Adventure abläuft, ist das ein sensationell gutes Ergebnis.

Meine persönliche Meinung, dass der Pi zu schwach für den Dreamcast-Emulator sei, ist also widerlegt – zumindest was die beiden Sonic Spiele betrifft.