Tinkerdroid Media-Center

Um meinem bis dato arbeitslosen Tinkerboard einen neuen Job zu beschaffen habe ich mir ein paar Gedanken gemacht.

Inhalt

Hintergrund

Für mein Schlafzimmer habe ich mir einst einen HTPC aus einem alten Fujitsu Esprimo E5730 gebaut. Befeuert mit einem Intel Q9550, 4GB Ram TV-Karte und einer GTX750ti ist dieser HTPC auch in der Lage ambitionierte Retro-Gaming-Emulation bis einschließlich Nintendo Wii zu realisieren.

Im Laufe der Zeit hat sich das Verlangen zu zocken allerdings stark reduziert, sodass die völlig übertriebene Hardware überwiegend damit beschäftigt ist das aktuelle TV Programm wiederzugeben und einige Dienste im Browser zu streamen.

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Vordergrund

Um nicht weiterhin den kostbaren Strom mit dem HTPC zu verbraten, wollte ich das Tinkerboard zu einem Media-Center umfunktionieren.

Im Tinkerboarding Wiki bin ich auf die Möglichkeit gestoßen das Tinkerboard mit Android zu bestücken. Ich habe die leise Hoffnung, dass ich mir so ein kleines Android Media-Center im Stil des Amazon-Fire-TV Sticks oder einer Android TV-Box basteln kann – für lau versteht sich.

Meine Erfahrungen mit Android beschränken sich auf die Benutzung meiner Smartphones – tiefere Kenntnisse habe ich mir bisher nicht angeeignet. Für dieses Projekt verspreche ich mir also ein bisschen mehr über Android herauszufinden und hoffentlich ein funktionierendes Media-Center zustande zu bringen.

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Android: Installation und erster Start

Auf der Asus Homepage bin ich auf das aktuellere Android 7 Release gestoßen und habe es direkt mal heruntergeladen. Nach dem Entpacken der heruntergeladenen Datei kann das Image dann, wie gewohnt, per Etcher auf eine SD-Karte geschrieben werden.

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Nach dem Schreibvorgang dann fix die Karte in das Board geschoben und voller Vorfreude eingeschaltet bzw. eingesteckt.

Zuerst geschah lange Zeit – nichts. Dann schaltete sich der Montior ein und zeigte eine ganze Weile erst Tinkerboard dann android, schließlich wurde nach ca. 3-5 Minuten dann die grafische Oberfläche geladen.

Bedienen ließ sie sich mit meiner Logitech K400 allerdings nicht, daher musste ich erstmal eine USB-Maus ausgraben. Wie sich im Nachhinein herausstellte, hatte ich anstelle des Unifying-Adapters doch tatsächlich einen anderen Adapter eingesteckt. So kann die Tastatur auch nicht funktionieren 😉

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Erste Schritte

Ohne Touchdisplay lässt sich Android etwas merkwürdig bedienen – klappt aber nach etwas Eingewöhnung doch problemlos.

In den Einstellungen habe ich erstmal die Sprache von Englisch auf Deutsch geändert, Zeitzone angepasst – danach das Wlan eingerichtet und die Entwickleroptionen (mehrmaliges Klicken auf die Buildnummer) aktiviert.

Die Entwickleroptionen bzw. eher das Debugging werden für die kommenden Schritte benötigt. Tut euch selbst den Gefallen und spielt nicht achtlos damit herum.

Als nächstes steht die Installation des Google Play Store an – dafür ist ein besonderes Hilfsmittel nötig, die

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Android Debugging Bridge (ADB)

Um tiefere Veränderungen am System vorzunehmen, bedarf es der ADB. Analog zu einer SSH-Verbindung ist es mit ihr möglich das System per Konsole zu verändern.

Um die ADB von meinem Windows 10 Rechner aus nutzen zu können, bedarf es der Installation des 15 Seconds ADB Installer.

Nun kann man mithilfe der SDK-Platform Tools (für Windows versteht sich) und einem Windows Powershell Fenster eine Verbindung zum Gerät hergestellt werden. Dazu navigiert man in den heruntergeladenen und entpackten Ordner, hält die Shift-Taste auf der Tastatur gedrückt, klickt in den weißen Bereich des Ordners und wählt PowerShell-Fenster hier öffnen

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Diese Option erscheint nur, wenn die  Shift-Taste während des Klicks gehalten wird

Es spielt dabei natürlich keine Rolle was für ein Gerät es ist (Telefon, Tablet, Tinkerboard) – das Gerät muss sich nur im selben Netzwerk befinden, oder per USB-Kabel am Windows Rechner angeschlossen sein.

Ich möchte noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass die ADB ein mächtiges Werkzeug darstellt. Fahrlässige Experimente, insbesondere mit euren Smartphones, sind nicht zu empfehlen und können darüber hinaus die Gewährleistung/Garantie auf euer Gerät unwirksam werden lassen.

Mit dem Befehl

adb devices

lassen sich die entsprechenden Android-Geräte innerhalb der Shell auflisten. Wichtig dabei ist natürlich, dass die Entwickleroptionen am Android-Gerät aktiviert sind und das USB-Debugging eingeschaltet wurde.

image0001

Zum Verbinden muss die IP-Adresse des Geräts bekannt sein, dann kann in der Shell eine Verbindung aufgebaut werden

adb connect 192.168.178.87

image0002

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Google-Playstore installieren

Der Google-Playstore und ein paar weitere Apps, die zur Nutzung erforderlich sind, müssen mithilfe der ADB und root-Rechten direkt in das System gepflanzt werden. Im Tinkerboarding Wiki existiert auch eine Anleitung dazu – leider nur für Android 6. Im Tinkerboarding Forum bin fand ich aber auch eine Anleitung für Android 7.

Folgendes ist zu tun:

Um die Apps problemlos auf das Board zu schieben kopiert man sie am Besten in den Platform-Tools Ordner und öffnet anschließend wieder die Powershell. Zuerst werden nur zwei Apps verschoben

adb connect 192.168.178.87

adb root

adb connect 192.168.178.87

abd remount

adb push -p playstore.apk /system/priv-app/

adb push -p gsf.apk /system/priv-app/

adb reboot

Gemäß der Anleitung müssen nun die beiden Apps (Playstore und Framework) in „Einstellungen -> Apps“ gesucht und „Beenden erzwingen“ ausgewählt werden. Desweiteren sollen den Apps sämtliche Berechtigungen gewährt werden.

Um überhaupt beide Apps zu finden muss oben rechts in der Ecke auf die drei Punkte geklickt werden und die Option „Systemprozesse anzeigen“ aktiviert werden.

In den Optionen der jeweiligen App können auch die Berechtigungen gesetzt werden.

Jetzt noch unter „Einstellungen -> Speicher -> Daten im Cache“ anklicken und die Abfrage mit „Ok“ bestätigen – so wird der Datencache gelöscht und der nächste Schritt kann folgen.

Dazu wieder in die Powershell

adb connect 192.168.178.87

adb reboot recovery

Hier wird Android in den Recovery-Modus gebootet (der Recovery Modus kann nur mit einer Tastatur bedient werden!) – hier ist nicht viel mehr zu tun als den Punkt „Wipe cache Partition“ auszuwählen und die Auswahl zu bestätigen. Danach kann „Reboot System now“ ausgewählt werden.

Fehlt noch die Installation der Google Play Services. Nachdem die normale Oberfläche wieder geladen hat, werden die beiden ersten Apps wiederholt beendet und nochmal die Berechtigungen gecheckt.

Die App kann dann analog zu den beiden obigen per ADB/Powershell kopiert werden

adb connect 192.168.178.87

adb root

adb connect 192.168.178.87

adb remount

adb push -p playservices.apk /system/priv-app/

adb reboot

Nach dem Neustart werden mal wieder die Berechtigungen geprüft, im Fall der neuen Play Services wieder alle Berechtigungen aktiviert. Die nun drei Apps dann wieder per „Beenden erzwingen“ gekillt. Sollten euch zuvor irgendwelche Fehlermeldungen angezeigt werden – einfach wegklicken.

Dann wieder ADB/Powershell

adb connect 192.168.178.87

adb root

adb connect 192.168.178.87

adb remount

image0004

Und weiter mit der Installation

adb install -g -r gsf.apk

adb install -g -r playstore.apk

adb install -g -r playservices.apk

image0005

Nun wieder mal den Cache leeren -> Berechtigungen checken -> Alle Apps beenden -> Neustart.

Nach diesem Neustart sollte man das System einfach mal ein paar Minuten vor sich hin laufen lassen, um zu sehen ob die Google Playservices App irgendeinen Fehler wirft.

Ist das nicht der Fall kann der Playstore geöffnet werden. Wie gehabt loggt man sich mit dem Google-Konto ein und kann nach belieben Apps herunterladen.

Im Fehlerfall soll die Installation der playservices.apk wiederholt werden. Beenden erzwingen und Cache löschen darf natürlich nicht fehlen.

Sollte alles einwandfrei funktionieren – können die Entwickleroptionen auch wieder deaktiviert werden – nicht, dass noch jemand auf dumme Gedanken kommt.

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Media-Center Apps

Mit den richtigen Apps wird aus dem Tinkerboard nun ein Media-Center. Hier eine kleine Auswahl der Apps, die ich nutzen möchte:

  • Kodi
  • Netflix
  • Amazon prime Video
  • SkyGo

Kodi

Der Vorteil von Kodi unter Android ist, dass sämtliche Apps auch direkt aus Kodi heraus geöffnet werden können. Die Installation erfolgt über den Playstore. Das Live-TV hole ich mir mittels Enigma2 Addon von meiner Vu+ im Wohnzimmer. Sollte es zu unerwarteten Komplikationen kommen, wäre ich auch bereit meinen NAS-Server mit einer TV-Karte auszustatten und einen VDR darauf zu betreiben.

Vor einiger Zeit habe ich meine Bibliotheken für Filme, Serien und Musik in eine SQL-Datenbank ausgelagert – mittels der advancedsettings.xml findet jedes Kodi im Netzwerk sofort die selben Bibliotheken, ohne sämtliche Daten erst neu einzulesen. Es ist lediglich nötig in den Einstellungen unter Quellen den Pfad zum Datei-Server einzutragen.

Netflix

Über den Playstore ist es mit dem Tinkerdroid nicht möglich die App einfach zu installieren. Die App muss also manuell installiert werden. Dazu wird als erstes unter „Einstellungen -> Sicherheit -> Unbekannte Quellen“ aktiviert. Auf der Netflix Support Seite kann die App dann heruntergeladen und installiert werden.

Screenshots werden von der App leider blockiert. In meinen Tests hat sie einwandfrei funktioniert.

Amazon Prime Video

APV konnte ich wieder aus dem Playstore beziehen – die App funktioniert ebenfalls einwandfrei.

Screenshot_20180923-170153.png

SkyGo

Erneut aus dem Playstore – allerdings meckert die App bei der Wiedergabe von Streams über einen externen Monitor – und, dass die App nicht auf gerooteten bzw. nicht authentifizierten Android-Geräten unterstützt wird. Auch Screenshots sind nicht möglich. Sky sollte hier vielleicht mal den Stock aus dem Arsch ziehen.

Hier sind noch einige Lösungen erforderlich – allerdings sind die nicht zwingend, da ich im Schlafzimmer eher selten Fußball gucke und es auch über das PVR-Addon von Kodi streamen kann.

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Zwischenfazit

Android 7 läuft hervorragend auf dem Tinkerboard. Die Installation des Playstore bzw. die Informationen dazu waren etwas spärlich, aber dank der Tinkerboarding Community konnte ich auch das lösen. Alle Apps laufen bisher problemlos – und einem Praxistest steht nicht mehr viel im Weg. Für ein abschließendes Fazit wäre es allerdings noch viel zu früh, da sich so ein Media-Center eher im Laufe der Zeit bewährt.

Auf der ToDo stehen jedenfalls noch einige Punkte an, über die ich gern berichten werde.

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